Kantonsfusion
Abstimmungskampf um das heisseste Eisen hat begonnen

Die ersten Abstimmungsplakate für den Urnengang vom 28. September stehen und hängen in beiden Basel. Vor allem eines provoziert: Es wurde von den Fusionsgegnern entworfen und sagt aus, dass die Basler die Baselbieter über den Tisch ziehen wollen.

Andreas Hirsbrunner
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Plakate zur Fusions-Abstimmung

Plakate zur Fusions-Abstimmung

Gespannt hat man auf die plakativen Botschaften der Komitees zur Kantonsfusion der beiden Basel und damit zu einer der spannendsten regionalen Abstimmungen der letzten Jahrzehnte gewartet. Seit vergangenem Wochenende stehen nun die ersten Plakate an den Strassenrändern.

Dabei fällt vor allem ein Sujet auf: Ein charmant lächelnder Baslerstab hält einem sichtlich reservierten und auch verärgerten Baselbieterstab einen Schleckstängel vors Gesicht, gleichzeitig versteckt er hinter dem Rücken einen Holzhammer. Darunter die Empfehlung «Fusions-Gegenvorschlag Nein». Die Botschaft ist klar: Der Basler macht sich daran, den Baselbieter über den Tisch zu ziehen.

Auffallend bei diesem Plakat ist, dass kein Komitee-Name darunter steht. Dies im Gegensatz zum eher langweilig daherkommenden, reinen Textplakat «Fusion Nein. Baselland bleibt selbständig», das vom Anitfusionskomitee «Pro Baselbiet» gezeichnet ist. Frage deshalb an Oskar Kämpfer, Co-Präsident des Komitees und SVP-Präsident: Kommt das provokative Karikatur-Plakat nicht aus der Küche seines Komitees? Kämpfer: «Wir haben es weder gemacht noch bezahlt. Aber wir stehen dahinter.» Mehr will er dazu nicht sagen.

Podien kontra Freiheitsfest

Das ist insofern brisant, weil der Schöpfer und Financier des Plakats bezüglich Wahrheitsgehalt eine Gratwanderung eingeht. Denn die ersten Avancen für eine Kantonsfusion kamen aus Baselbieter und nicht aus Basler Kreisen. Kämpfer meint dazu: «Man kann Klaus Kirchmayr als Urheber der Initiative bezeichnen, doch die Unterschriften hat ein bikantonales Komitee gesammelt.»

Die Fusionsbefürworter von «ein Basel» spielen auf ihren Abstimmungsplakaten mit Worten. So etwa «Weil es ums Ganze geht. Keine Chance ausl ssen» oder «Weil es ums Ganze geht. Nicht nicht alles alles doppelt! doppelt!» und darunter «Kantonsfusion prüfen Ja».

Klaus Kirchmayr, Mitglied des Trägervereins von «ein Basel» und grüner Landrat, sagt, dass man auch bei den weiteren Plakaten, die noch dazu kämen, ganz auf Wortspiele setze. «Unsere Botschaft dabei ist immer dieselbe: Es wäre fahrlässig, die Chancen einer Fusion jetzt nicht zu prüfen», ergänzt Kirchmayr.

Nebst den Plakaten setzen die Fusionsbefürworter auf Kurzaussagen von «Leistungsträgern der Region» in Zeitungsinseraten, auf Social Media wie Twitter oder Facebook und diverse Veranstaltungen, so etwa auf zehn Podien. Über die Details ihrer Abstimmungskampagne will «ein Basel» morgen die Medien informieren.

«Pro Baselbiet» veranstaltet am kommenden Sonntag in Wenslingen ein öffentliches «Baselbieter Freiheitsfest». Danach folgten noch mindestens eine Aktion, wenn das Abstimmungsmaterial in die Haushalte gelangt, und «die eine oder andere Medienkonferenz». Mehr will Kämpfer im Moment nicht verraten.

Eine einheitliche Linie verfolgen Kirchmayr und Kämpfer bezüglich der Abstimmungsbudgets ihrer Komitees: Sie wollen beide keine Zahlen bekannt geben. Und einig sind sie sich auch ein Stück weit über das Abstimmungsresultat – es wird knapp. Allerdings erwartet Kirchmayr im Baselbiet ein knappes Ja und Kämpfer ein knappes Nein.