Ein Luchs hat die junge Ziege eines Landwirts in Liesberg gerissen. Dafür gibt es fotografische Beweise, dank einer Fotofalle. «Am Dienstagnachmittag haben wir die Meldung erhalten, dass eine Ziege gerissen wurde», sagt Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel. Der Verdacht sei schnell auf einen Luchs gefallen. Glücklicherweise habe man die Meldung rechtzeitig erhalten, bevor das gerissene Tier vom Tatort entfernt wurde, erklärt Meier. «Der Luchs reisst ein Tier und frisst, dann lässt er es liegen und kehrt später wieder zur Beute zurück», sagt er.

So konnten die Experten des Kantons eine Fotofalle anbringen und den Jungluchs in der Fotofalle erwischen, wie deren Auswertung am Mittwoch zeigte. «Wir haben die gerissene Ziege extra angebunden, damit der Luchs sie nicht verschleppen kann», sagt Meier. Weitere Verdächtige seien in solchen Fällen an zweiter Stelle die Hunde. «Es gibt immer wieder Fälle von wildernden Hunden. Das ist nicht von der Hand zu weisen», erklärt Meier.

«Extrem unauffällige Tiere»

Der Luchs in Liesberg ist laut Meier noch kein ausgewachsenes Tier. Die Anzahl dieser Raubkatzen im Baselbiet sei sehr schwierig abzuschätzen. «Wir gehen von zwischen acht und fünfzehn Luchsen aus, die sich im Gebiet der Nordwestschweiz bewegen», erklärt Meier. Luchse halten sich nicht lange am selben Ort auf, sondern bewegen sich laut Meier in einem Streifgebiet von mehreren hundert Quadratkilometern. Relativ viel Bewegung unter den Luchsen im Baselbiet zeige, dass die Belegung im Gebiet an der oberen Grenze liege, erklärt der Amtsleiter.

«Es ist ein Glücksfall, wenn man einen Luchs sieht. Meist sind die extrem unauffälligen Tiere nur auf Fotofallen zu sehen», sagt Meier. Der Amtsleiter mahnt zur Ruhe. «Der Luchs ist schon seit zehn Jahren im Baselbiet und erst jetzt gibt es den ersten bestätigten Riss an einem Nutztier.» Luchsrisse an Wildtieren habe man jedoch schon bestätigen können. «Als Vorsichtsmassnahme haben wir dem betroffenen Bauer geraten, seine Tiere in der Nacht hereinzuholen oder sie nicht unbeaufsichtigt zu lassen», sagt Meier. Ein Hund reiche beispielsweise, um einen Luchs abzuschrecken. Sein Amt werde nun abklären, ob der Luchs auch andernorts Nutztiere gerissen hat. «Man muss nun sicherstellen, dass er merkt, dass er weiterhin Wildtiere jagen muss», sagt Meier. Normalerweise ernähre sich der Luchs hauptsächlich von Rehen, er fresse aber auch Hasen und Vögel. Der Liesberger Bauer wird für den Verlust seiner Jungziege entschädigt. Gemäss Meier bekommen Halter bei Rissen durch geschützte Tiere eine vom Bund und Kanton finanzierte Entschädigung, die dem Wert des Tieres entspricht. «Im aktuellen Fall sind das um die 100 Franken.»