Das Thema brennt den Büsseracherinnen und Büsserachern unter den Nägeln. Einen solchen Aufmarsch hat die 2300-Einwohner-Ortschaft noch nicht erlebt. Rekordverdächtige 293 Stimmberechtigte kamen Ende Juni an die Gemeindeversammlung.

Entschieden, wie es mit dem Restaurant Traube weitergehen soll, haben sie dort aber nicht. Stattdessen votierten sie dafür, dass alle stimmberechtigten Einwohner mitbestimmen sollen. Am 18. August sind die Büsseracher an die Urne gerufen. Sie entscheiden, ob die Gemeinde die Traditionsbeiz im Ortskern kaufen soll oder nicht. Die Angelegenheit sorgt im Thiersteiner Dorf für Kontroversen. Der Ausgang der Abstimmung ist völlig offen.

Erwerb des Lokals diene der Dorfentwicklung

Das langjährige Wirtepaar des Restaurants Traube, Vreni und Ueli Zürcher, ist im Pensionsalter, möchte sich zurückziehen und das Lokal verkaufen. Nachfolger würden mit Bernd Zürcher, dem Sohn der jetzigen Inhaber, und dessen Frau Patricia, bereit stehen. Die beiden haben jedoch nicht die finanziellen Möglichkeiten, um das Gebäude zu erwerben.

Der Büsseracher Gemeinderat trat deshalb im vergangenen Jahr mit Vreni und Ueli Zürcher in Kontakt und zeigte Interesse daran, ihnen das Restaurant abzukaufen und anschliessend zu verpachten. «Aus Sicht des Gemeinderats dient der Erwerb der Liegenschaft in erster Linie der strategischen Dorfentwicklung von Büsserach», schreibt die Gemeinde in den Abstimmungsunterlagen. Die Ortschaft sei in den letzten Jahren stark gewachsen. Das Grundstück solle für spätere Generationen zur möglichen Erfüllung von öffentlichen Aufgaben zur Verfügung stehen.

Der Kaufpreis für das Restaurant Traube wurde auf 1,5 Millionen Franken festgelegt. Dazu kommen 165'000 Franken für eine «sanfte Sanierung» des Lokals. Die Stimmberechtigten sind aufgefordert, einen Bruttokredit von 1,67 Millionen Franken zu genehmigen oder abzulehnen.

Weiterführung der Beiz sei privat zu regeln

Die Höhe des Kaufpreises verursacht Unstimmigkeiten. An der Gemeindeversammlung kam zum Ausdruck, dass die 1,5 Millionen Franken für einige zu hoch angesetzt sind. Die Gemeinde habe mit den künftigen Investitionen für die sanierungsbedürftigen Räumlichkeiten mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen. In den Abstimmungsunterlagen weist die Gemeinde auf den fehlenden gesetzlichen Auftrag hin: «Es entspricht nicht dem Aufgabenkatalog einer Gemeinde, eine Gastwirtschaft zu erwerben oder zu betreiben.»

Unverständnis ruft auch die Tatsache hervor, dass die Eigentümer das Lokal nicht direkt an den Sohn verpachten. Nicht wenige in Büsserach finden, die Weiterführung der Beiz sei privat zu regeln.