Amtsgericht

Vater mit Brotmesser erstochen: Totschlag oder vorsätzliche Tötung?

Der Sohn griff sich in der Küche ein Brotmesser und stach damit auf den Vater ein. (Symbolbild)

Der Sohn griff sich in der Küche ein Brotmesser und stach damit auf den Vater ein. (Symbolbild)

In Dornach steht ein Mann vor dem Amtsgericht, der vor knapp zwei Jahren in Nuglar seinen Vater erstochen hat.

Am 20. August 2014 stach der damals 25-jährige C.S.* in Nuglar mehrmals mit einem Brotmesser auf seinen Vater ein. Zwei Tage nach der Tat verstarb der 60-jährige Mann an den Verletzungen. Am Mittwoch stand der Täter, tief in sich gesunken, vor den Richtern des dreiköpfigen Amtsgerichts Dornach. Der Mann leidet am Asperger-Syndrom, einer milderen Form von Autismus, und an einer «hirnorganischen Störung». Zudem ist er – laut Gutachten – psychisch stark beeinträchtigt.

Die Tat war, so viel wurde während der Ermittlungen und an der Gerichtsverhandlung klar, die Folge eines seit langem schwelenden Streits zwischen Vater und Sohn. An jenem fatalen Sommerabend nahm C.S. mit seinen Eltern auf dem Sitzplatz vor dem Haus das Nachtessen ein. Der Vater machte seinem Sohn Vorhaltungen, weil er wegen Unpässlichkeit dem Arbeitsplatz ferngeblieben war. Auch äusserte der Vater damals Zweifel, dass C.S. die Fahrprüfung schaffen werde. Den Waffenerwerbsschein werde er ebenfalls nie erhalten; beides waren Vorhaben des Sohnes, der ein Faible für alte Waffen hat. Als die Mutter schlichtend in den immer heftiger werdenden Streit eingreifen wollte, beschimpfte der Mann seine Ehefrau als «blödi Mätz» und ohrfeigte sie.

Der Täter antwortete nie flüssig

Darauf sprang C.S. auf, schrie «jetz längts» und «i bring di um» und stürmte in die Küche. Dort erblickte er eine Konservendose, die er auf seinen Vater werfen wollte, wenn er ihm in die Küche gefolgt wäre. Dann fiel sein Blick auf das Brotmesser. Blind vor Wut stürmte er damit auf seinen Vater los, der sich noch immer auf dem Sitzplatz befand. Der Sohn stach mehrmals an der Schulter und im Halsbereich auf den Vater ein. Als die Mutter ihm zurief, er solle damit aufhören, liess er das Messer fallen.

Die als Zeugin befragte Mutter räumte ein, das Verhältnis des Vaters zu C.S. sei «eher schlecht» gewesen, was den Sohn während Jahren stark belastet habe. Der Vater habe überhaupt kein Verständnis für die Behinderung des Sohnes gezeigt.

Die Antworten des Täters auf die Fragen von Gerichtspräsident Markus Christ waren einsilbig. Christ wog die Fragen sorgsam ab, sichtlich bemüht, keine Suggestivfragen zu stellen. Nie antwortete C.S. flüssig und selten in einem ganzen Satz. Er bedaure sehr, was passiert sei: «Ich würde es rückgängig machen, wenn ich könnte.» Die Ohrfeige an seine Mutter habe «das Fass zum Überlaufen gebracht». Der Sohn mochte sich nicht daran erinnern, ob er das Messer aus freien Stücken habe fallen lassen oder erst, als die Mutter ihn dazu aufgefordert habe.

Staatsanwalt Christoph Fricker bewertete die Tat als vorsätzliche Tötung. Denn der Sohn habe angekündigt, seinen Vater töten zu wollen. Die heftige Gemütsbewegung dürfe «nicht überbewertet» werden, weshalb er nicht auf Totschlag plädiere. Der Streit sei auch eskaliert, weil in der Familie «keine Kultur der Konfliktbewältigung geherrscht» habe. Angesichts der Umstände sei eine Haftstrafe von acht Jahren und zwei Monaten angemessen.

Dem hielt der Verteidiger Viktor Müller entgegen, eine Tötungsabsicht sei nicht gegeben, da C.S. nicht in die Herzgegend, sondern im Schulterbereich auf den Vater eingestochen habe. Unglücklicherweise habe er dabei die Halsschlagader getroffen. Da der Täter bereits 15 Monate in Untersuchungshaft und im vorzeitigen Massnahmenvollzug verbracht hat, solle sein Mandant wegen Totschlags zu einer Strafe von 30 Monaten verurteilt werden. Die Freiheitsstrafe sei zugunsten des Massnahmenvollzugs aufzuschieben.

Das Amtsgericht wird das Urteil morgen Donnerstag bekannt geben.

* Initialen geändert

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