Mord am Gemeindepräsidenten

Täter könnten kriminellem Netzwerk angehören: Der Mord von Metzerlen steht vor der Aufklärung

2010 wurde der Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein brutal überfallen. Er starb einige Monate später an seinen Verletzungen.

2010 wurde der Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein brutal überfallen. Er starb einige Monate später an seinen Verletzungen.

Ivo Borer wurde vor zehn Jahren getötet. Den Tätern wird nun der Prozess gemacht – unter höchster Geheimhaltung.

Anfang Dezember müssen sich die Tatverdächtigen, die im Jahr 2010 den Gemeindepräsidenten von Metzerlen-Mariastein umgebracht haben sollen, vor Gericht verantworten. Wo der fünf Tage lang dauernde Mammut-Prozess über die Bühne gehen wird, bleibt jedoch geheim. Die Öffentlichkeit ist von den Verhandlungen ausgeschlossen und die Medien müssen sich im Vorfeld anmelden, um dem Geschehen über eine Videokonferenz beiwohnen zu können.

Die Vorsicht beim Richteramt Dorneck-Thierstein ist drei Wochen vor dem Start des Prozesses riesig. Für das Amt, das den Sitz in Dornach hat, handelt es sich um eines der grössten Verfahren seiner Geschichte. Zu den Gründen für die Geheimhaltung schreibt Dario Paganoni, Mitarbeiter des Richteramts: «Es geht um die Sicherheit aller am Prozess Beteiligten.» Ihm sei kein bisheriger Fall bekannt, an dem der Verhandlungsort nicht bekannt gegeben wurde.

Fünf Tage an geheimem Ort

Zu diesem Schritt entschliesse man sich lediglich «in Fällen, bei denen die Sicherheit eine zentrale Rolle spielt und sie nicht anders gewährleistet werden kann». Die fünf Tage am geheimen Ort dienten den Vorbemerkungen, dem Vorlesen der Anklageschrift, der Einvernahme von Auskunftspersonen, Zeugen und Beschuldigten sowie den Parteivorträgen.

Das Urteil, das von einem Dreiergericht gefällt wird, soll erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

Täter könnten kriminellem Netzwerk angehören

Schuld an den ungewöhnlichen Massnahmen sind die Angeklagten. Vor Gericht stehen mehrere Personen, deren Spur zu den Pink Panthers, einer weltweit tätigen Gruppe von Juwelenräubern, führt. Die Mitglieder der kriminellen Organisation stammen meist aus den Balkanstaaten. Einem 43-jährigen Serben und einem 40-jährigen Holländer wird von der Solothurner Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, Ivo Borer im März des Jahres 2010 in seinem Haus in Metzerlen überfallen zu haben.

Der Gemeindepräsident wurde derart heftig zusammengeschlagen, dass er ins künstliche Koma versetzt werden musste und vier Monate danach im Spital starb. Beim mutmasslichen Auftraggeber des Verbrechens soll es sich um einen 66-jährigen Serben handeln.

Vor dem Richteramt stehen noch weitere Personen, die in die Tat involviert gewesen sein sollen. Den Tätern werden auch Vergehen in Schmuckgeschäften in Wettingen und Spreitenbach angelastet. Die Anklage ist ellenlang. Sie lautet auf Mord, bandenmässigen Raub, gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl, mehrfachen Diebstahl, qualifizierten Raub, Urkundenfälschung, mehrfachen rechtswidrigen Aufenthalt sowie mehrfache Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung. Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Schweizer Tippgeberin ist bereits verstorben

Die Hintergründe der Tat an Borer waren in der Vergangenheit geprägt von Spekulationen. Im Dorf im Solothurnischen Leimental machten Gerüchte über mögliche Verbindungen des Getöteten zu den Tätern die Runde. Eine Schweizerin, die laut der Solothurner Staatsanwaltschaft den Beschuldigten den Tipp gegeben haben soll, dass es im Bauernhaus in Metzerlen grosse Vermögenswerte gibt, ist zwischenzeitlich verstorben.

In Metzerlen-Mariastein will man nach mehr als zehn Jahren einen Schlussstrich ziehen. «Die Hoffnung, dass das Verbrechen mit dem Prozess aufgeklärt wird, ist gross», sagt Gemeindepräsident Silvio Haberthür. «Wenn es tatsächlich zu einer Verurteilung kommt, würde das bei vielen für Erleichterung sorgen. Die betroffene Familie und Metzerlen-Mariastein könnten aufatmen.» Die Mutmassungen, die in den vergangenen Jahren ins Kraut geschossen sind, seien teilweise nur schwer zu ertragen gewesen, findet er. Sie sollen durch die Verhandlungen endlich Gewissheiten weichen.

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