Industrie

Steht Swissmetal kurz vor der Rettung? Die Gnadenfrist dürfte dafür sogar reichen

Die Angestellten in Dornach dürfen auf einen Neustart der Swissmetal hoffen.

Die Angestellten in Dornach dürfen auf einen Neustart der Swissmetal hoffen.

Das Gericht schiebt den Konkurs der Dornacher Swissmetal hinaus. Die Zukunft der Firma scheint damit beinahe gesichert zu sein.

Der Konkurs ist vorerst abgewendet, der Weg zur Rettung der Swissmetal ist frei. Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland ist dem Antrag von Sachwalter Andreas Bättig gefolgt und hat die Nachlassstundung nochmals um einen Monat bis zum 22. August verlängert. Der schriftliche Entscheid liegt der bz vor. Das war Rettung in letzter Minute: Hätte das Gericht anders entschieden, wäre die Frist gestern abgelaufen. Es hätte dann endgültig den Konkurs eröffnen müssen.

«Dieser Entscheid eröffnet uns die Möglichkeit, den vorgesehenen Verkauf an das Swiss Team und damit die Rettung von Swissmetal voranzutreiben und abzuschliessen», betont Bättig. Die Auffanggesellschaft plant, den Betrieb und die Produktionsstätten im bernischen Reconvilier und im solothurnischen Dornach Anfang August zu übernehmen. Auch die rund 160 Angestellten sollen auf die Gesellschaft übertragen werden. Dazu war der nun gewährte zeitliche Aufschub nötig.

Die Übernahme wird vorbereitet

Eigentlich schreibt die vom Konkurs bedrohte Swissmetal Gewinn. Doch das Unternehmen ist überschuldet, nachdem der frühere chinesische Verwaltungsratspräsident illegale Pfandleihen vorgenommen hatte. Er habe die Immobilie in Reconvilier verpfändet und das Pfand rechtswidrig mehrere Monate später im Grundbuch eintragen lassen, schreibt die «Basler Zeitung». Im Mai war der Mann wegen ungetreuer Geschäftsführung zu 24 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt und des Landes verwiesen worden. Zudem müsse
er 20,5 Millionen Franken an die Firma zurückzahlen.

Nun ist eine Investorengruppe um Unternehmer André Rezzonico daran, alle Vorbereitungen für die Übernahme der Produktion zu treffen. Nach einem kontrollierten Konkurs der alten Baoshida Swissmetal kann die neue Swissmetal SA die gerichtliche Aufhebung der illegalen Immobilienverpfändung in Reconvilier fordern, damit die Immobilien anschliessend erworben werden können. Rezzonico sehe vor, neun Millionen Franken in die neue Gesellschaft zu stecken, alle Angestellten zu übernehmen und den Kupferhersteller während fünf Jahren mit je 3,5 Millionen zu rekapitalisieren.

Kaum Investitionen in die Tochterfirma getätigt

Auch das Regionalgericht Berner Jura-Seeland scheint auf eine Zukunft des Unternehmens zu hoffen. Mit der Fristverlängerung solle der Verkauf von beweglichen Vermögenswerten an einen Drittkäufer abgeschlossen werden. Dies sei mit der Verpflichtung verbunden, die Tätigkeiten des Unternehmens mit dem gesamten Personal der Baoshida Swissmetal fortzusetzen. «Dieses Vorgehen scheint sich auch mit den Interessen der Gemeinschaft der Gesellschaftsgläubiger zu decken», zeigt sich der Gerichtspräsident überzeugt.

Schon vor sechs Jahren war die Swissmetal ein erstes Mal ins Schlingern geraten. Damals war sie von der chinesischen Baoshida-Gruppe übernommen worden. Es zeigte sich jedoch, dass der Konzern kaum Investitionen in seine Tochterfirma tätigte. Und der Ex-Verwaltungsratspräsident die Swissmetal mit der Aushöhlung der Substanz weiter schädigte. Nun hoffen alle Beteiligten auf eine langfristige Sicherung der Firma.

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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