Es handelte sich um eine Fläche von 63 Aren, den Einheimischen als Vagantenplatz bekannt. Auf der eidgenössischen topografischen Karte von 1877 war das Gebiet als Heimatlosenplatz verzeichnet.

In diesem rechtsfreien Raum waren die Gesuchten vor der Strafverfolgung sicher, denn dieses Land zwischen Anwil (Baselland), Wittnau (Aargau) und Kienberg (Solothurn) beanspruchte keiner der Kantone und somit auch keine der angrenzenden Gemeinden. Streng genommen gehörte das betreffende Grundstück auch so lange nicht einmal zur Eidgenossenschaft, bis es nach mühsamen Verhandlungen unter den drei Anstösserkantonen schliesslich doch noch verteilt werden konnte.

«In der Freyheit»

Der Bundesratsbeschluss vom 28. August 1931 regelte die Zu- beziehungsweise die Aufteilung des Heimatlosenplatzes, der anno 1837 mit der Bezeichnung «In der Freyheit» auf einem Plan aufgeführt war. Der Solothurner Kantonsgeometer Allemann hatte das Land, welches die Form eines Dreiecks aufwies, abgesteckt, verpflockt und den Plan ausgefertigt.

Für die Verwaltungsbeamten der 1930er-Jahre handelte es sich beim Niemandsland wohl um ein vormodernes Kuriosum von allenfalls heimatkundlich-nostalgischem Wert. Auf jeden Fall taucht die Sichtweise von Heimatlosen und Verfolgten, die dem Platz ursprünglich ihren Namen gegeben hatten, in überlieferten Urkunden nirgends auf. Ob sie sich auf den staatenlosen 63 Aren Land tatsächlich «In der Freyheit» befanden, wird weder in den Akten zur Grenzziehung noch zur Grenzbereinigung erwähnt.

Frage der Zuständigkeit

Rund um das Geheimnis des Platzes behandelten die Behörden auch nach der Landzuteilung lediglich die Frage der Zuständigkeiten, also der Rechtsnormen. Immerhin zeigt sich die angewandte Rechtspraxis, das heisst die Handhabung der staatlichen Gewalt in diesem Gebiet, am Beispiel des Rapports vom 18. März 1838 des Landjägers Eglin vom Grenzposten Oltingen.

Darin schildert der Beamte einen Einsatz beim Heimatlosenplatz: «Am Sonntag machte ich eine Tour durch Rothenfluh und Anwil. Als ich von Anwil nach Hause gehen wollte, es war ungefähr halb ein Uhr nachts, sah ich im Wald ein grosses Feuer. Ich dachte sogleich, da hat sich wieder Lumpenpack versammelt. Ich ging zurück und alarmierte den Wächter Gysin. Wir wollten gemeinsam nachsehen, um welches Bettelgesindel es sich im Wald handelt. Als wir die betreffende Stelle erreichten, war das Feuer erloschen, doch es war noch viel Glut vorhanden.»

Landjäger schoss nach Menschen

Im Rapport steht, dass sich die beiden Hüter des Gesetzes zurückzogen, um später auf ihrer Patrouille nochmals «an den Tatort» zurückzukehren.

Und tatsächlich: «Auf einmal war wieder ein grosses Feuer zu sehen. Wir waren noch etwa 100 Schritte davon entfernt, als wir drei oder vier Mannspersonen und ein paar Weibsbilder erkannten. Ich pfiff ein paar Mal und sie sprangen alle vom Feuer weg in den Wald. Wir schossen nach ihnen, trafen aber keinen, weil sie wohl schon zu weit entfernt waren. Als wir die Feuerstelle erreichten, war niemand mehr anzutreffen. Wir suchten umgehend die ganze Gegend ab, doch ohne Erfolg - sie blieben verschwunden. Vermutlich waren sie in Richtung Anwil geflohen und dann weiter in den Aargau oder in den Kanton Solothurn. So ging ich mit Wächter Gysin der Grenze entlang zurück nach Oltingen.»