Trockenheit

Satelliten überwachen unseren Wald

Ueli Meier: «Eine oder zwei Wochen Trockenheit reichen und dann sieht alles wieder anders aus.»

Der Zustand des Waldes sei noch immer labil und könne jederzeit wieder kippen.

Ueli Meier: «Eine oder zwei Wochen Trockenheit reichen und dann sieht alles wieder anders aus.»

Unseren Wäldern geht es besser als im Trockensommer 2019. Dies zeigen neue Messungen.

Die Methode ist hochkomplex. Die Lesung der Daten wirkt aber auch für Laien verständlich. Mit Satellitenbildern wird der Zustand des Waldes dargestellt und so objektiviert. Seit einem halben Jahr nutzen das Amt für Wald beider Basel und die lokalen Forstreviere die Daten, um den Zustand der Wälder genau zu beobachten und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Das Potenzial dieser Daten sei immens, schwärmt Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel. «Die Datenmengen daraus sind wirklich riesig. Ebenso die dadurch möglichen Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden können.» Man sei aber erst am Experimentieren. «Wir müssen nun eine Routine entwickeln, was damit nützlich und notwendig und was nicht machbar ist.»

Die Aufnahmen zeigen das Vorhandensein der Fotosynthese und so die Vitalität der Wälder. Je dunkelblauer die Wälder dargestellt sind, umso vitaler sind sie. Ist kein Blau mehr vorhanden – wie auf den Bildern vom August 2019 –, geht es den Wäldern schlecht. Der Zustand der regionalen Wälder ist heute besser als noch vor einem Jahr. Grund zur Entwarnung sei dies aber noch keinesfalls, betont Regierungsrat Thomas Weber (SVP). Denn die Schäden aus dem trockenen Sommer 2018 zeigen sich zwei bis drei Jahre danach.

Kanton soll sich an Kosten beteiligen

Noch vor wenigen Wochen in den trockenen Monaten März und April ging Ueli Meier davon aus, dass dies eine Krisen-Pressekonferenz werden könnte, da die Trockenheit in den Wäldern für diesen Zeitpunkt im Jahr schon dramatische Ausmasse angenommen hatte. Die Lage habe sich aber etwas entspannt, erklärt Thomas Weber. «Der Zustand ist nicht mehr alarmierend. Doch Unsicherheiten und Wissenslücken bleiben.» Der Zustand des Waldes sei noch immer labil und könne jederzeit wieder kippen. «Eine oder zwei Wochen Trockenheit reichen und dann sieht alles wieder anders aus», stellt Ueli Meier klar.

Die Forstreviere sind aktuell daran, die akuten Schäden der Hitzeperioden zu beheben und die Wälder langfristig robuster gegen Trockenheit und steigende Temperaturen zu machen. Das kostet Geld, wie das Beispiel vom Forstrevier Schauenburg in Muttenz, Pratteln und Frenkendorf zeigt. Beim Adlerhof oberhalb von Frenkendorf sind die verschiedenen Methoden, wie diese Veränderung des Waldes vonstattengehen kann, sichtbar. Die von Hand vorgenommene Rodung und Bepflanzung von klimarobusten Jungbäumen sei dabei effektiver als die natürliche Verjüngung, erklärt Prattelns Bürgerratspräsidentin Verena Walpen-Wolf. Seit 2012 hat die Bürgergemeinde Pratteln auf acht ihrer insgesamt 220 Hektaren Waldfläche 5'000 neue Bäume gepflanzt und dafür 180'000 Franken ausgegeben. «Würden wir die Hälfte unserer gesamten Waldfläche gezielt mit klimaresistenten Pflanzen ersetzen, würde das uns acht Millionen Franken kosten», rechnet Walpen-Wolf vor. Die Bürgergemeinden und mit ihnen auch die Einwohnergemeinden verlangen schon länger, dass sich der Kanton stärker an den steigenden Kosten für die Arbeiten im Wald beteiligt.

Das soll auch passieren. Heute bestimmt der Baselbieter Landrat über eine entsprechende Vorlage. Vier Millionen Franken soll der Kanton in den kommenden vier Jahren zusätzlich zur Waldpflege beisteuern. In der zuständigen Kommission war die Vorlage unbestritten. Prattelns Gemeindepräsident und Landrat Stephan Burgunder (FDP) und auch Regierungsrat Thomas Weber gehen davon aus, dass auch das Votum des Landrats klar sein wird.

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