Grellingen

Letzte Papierfabrik der Region schliesst - 100 Stellen gehen verloren

Ende April wird der Schornstein bei Ziegler Papier in Grellingen ausgeraucht haben, die Firma stellt die Produktion ein.

Ende April wird der Schornstein bei Ziegler Papier in Grellingen ausgeraucht haben, die Firma stellt die Produktion ein.

Bereits Ende April wird die Ziegler Papier AG an ihrem Hauptsitz die Papierproduktion einstellen. Als Grund für die Schliessung wird der anhaltend starke Franken und der damit verbundene Preisdruck angegeben.

Hiobsbotschaft aus Grellingen: Ziegler Papier stellt voraussichtlich auf Ende April die Produktion ein. Gestern informierte das Eigentümer-Ehepaar Isabel Frey Kuttler und Philipp Kuttler die Mitarbeitenden und leitete das bei Massenentlassungen vorgeschriebene Konsultationsverfahren ein. Die Konsultationsfrist von 10 Tagen läuft bis zum Ende nächster Woche.

Damit verliert das Laufental die letzte seiner drei Papierfabriken. Der Grellinger Gemeindepräsident Hans-Peter Hänni spricht von einem Schicksalsschlag, war doch der Familienbetrieb 155 Jahre lang ein Aushängeschild des Dorfs: «Vor allem für die Mitarbeiter tut’s mir leid, aber auch für die jetzigen Besitzer, die viel Herzblut hineingesteckt haben.» Nicht nur Herzblut: Hänni stellt fest, dass der Steuerertrag unter den früheren Besitzern höher war, «denn die neuen Eigentümer haben viel in neue Technologien investiert».

Die viel zitierten «Hausaufgaben», die man den unter dem überbewerteten Franken leidenden, produzierenden Firmen immer wieder empfiehlt, haben die Ziegler-Papier-Eigentümer offenbar gemacht. «Doch ist die Zitrone der Effizienzsteigerung irgendwann ausgepresst», beschreibt Handelskammer-Direktor Franz Saladin die Situation in der Papierbranche sowie der Maschinen- und Elektro-Industrie.

Aus den Nischen verdrängt

Trotzdem führt Verwaltungsrats-Vizepräsidentin Isabel Frey Kuttler selbst bei einem Exportanteil von 62 Prozent die Fabrikschliessung nicht ausschliesslich auf den Nationalbank-Entscheid vom 15. Januar 2015 zurück. «Dieser hat zwar die Lage nochmals akzentuiert. Doch zum ganzen Bild gehören viele Puzzleteile.»

Frey Kuttler nennt neben den Überkapazitäten und dem entsprechenden Preisdruck auch die anhaltend hohen, in Dollar berechneten Zellstoffpreise als Grund. «Ist zudem der Gesamtmarkt rückläufig, drängen auch grosse Firmen in die Nischen, in denen Ziegler Papier bisher tätig war.» Dabei geht es um Papiere für qualitativ hochstehenden Offsetdruck, Spezialpapiere für Medikamenten-Beipackzettel oder Trägerpapiere für Karbonfasern. Bei den Inkjet-Papieren zählte sich Ziegler zu den Innovationsführern.

Im Gegensatz zu grossen Konzernen, die Spezialprodukte aus Zellstoffwerken quersubventionieren können, stehe Ziegler Papier als KMU dieser Weg nicht offen. «Weitere Kostenreduktionen machen keinen Sinn. Zudem ist davon auszugehen, dass sich die Situation und die Aussichten für das Werk Grellingen in den nächsten Jahren nicht grundlegend verbessern werden.» In Zahlen: Betrug der Umsatz vor fünf Jahren noch 103 Millionen, so sank er bis 2015 auf rund 65 Millionen Franken. Die Produktionsmenge reduzierte sich von jährlich 70 000 auf 52 000 Tonnen. Dabei stellte Ziegler Papier vom Vier- auf den Dreischicht-Betrieb um.

Sozialplan und Arealumnutzung

So habe sich der Entscheid, die Produktion einzustellen, zunehmend abgezeichnet. Allerdings: «Wenn aus der Belegschaft beim Konsultationsverfahren neue Ideen kommen, sind wir sehr gerne bereit, diese zu prüfen.» Denn auch das Eigentümerpaar habe sich das anders vorgestellt, als es 2009 die Firma übernahm. Ziegler Papier werde nun mit der Gewerkschaft der Schweizer Papierindustrie (SPV) den Sozialplan aushandeln. SPV-Präsident Beat Krügel erklärt, dass die Verhandlungen sich an den Sozialplänen der anderen Papierfabrikschliessungen der letzten Jahre – immerhin gingen Betriebe unter anderem in Zwingen, Horgen, Sihl, Deisswil, Biberist und Cham zu – orientieren werden.

Aus Sicht des SPV sei vor allem die professionelle Hilfe bei der Stellensuche wichtig sowie ein Fonds für familiäre Härtefälle. Im Fall von Ziegler Papier zeigt er sich zuversichtlich: «Die Firma war immer sehr fair gegenüber den Mitarbeitenden.» Frey Kuttler zeigt sich zuversichtlich: «Wir verfügen über viele Kontakte in der Branche innerhalb der Schweiz und in Süddeutschland, und werden diese nutzen, um möglichst vielen eine neue Stelle zu vermitteln.» Die Maschinen werde man nun verkaufen, erklärt sie. Zur Umnutzung des günstig beim Bahnhof gelegenen Areals habe man zwar erste Ideen, doch noch keine konkreten Absichten.

Thomas Kübler, neuer Leiter der Standortförderung Baselland, nimmt die Schliessung mit grossem Bedauern zur Kenntnis. «Für den Arbeitsmarkt ist die produzierende Industrie wichtig. Deshalb müssen wir ihr optimale Rahmenbedingungen bieten.»

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