Stadtkirche Liestal

Freches Zwitschern und Geisterspuk: Das Einstiegsinstrument für Kinder von einer ganz anderen Seite

Der Blockflötist Maurice Steger trat mit den Chaarts Chamber Artists in der Stadtkirche Liestal auf. (Archivbild)

Der Blockflötist Maurice Steger trat mit den Chaarts Chamber Artists in der Stadtkirche Liestal auf. (Archivbild)

Maurice Steger und die Chaarts Chamber Artists gastierten in der Stadtkirche Liestal. Der Blockflötist spielt Werke von Antonio Vivaldi, Arcangelo Corelli und weiteren Komponisten.

Die Blockflöte hat den Ruf, ein Einstiegsinstrument für Kinder zu sein, bevor zum «eigentlichen» Instrument gewechselt wird. Dass dies ein vorschnelles Urteil ist, stellt der Blockflötist Maurice Steger am Dienstagabend am Eröffnungskonzert der Baselbieter Konzerte unter Beweis. Mit einem Barockmusik-Programm bestehend aus Werken von Antonio Vivaldi, Arcangelo Corelli und weiteren, weniger bekannten Komponisten des 18. Jahrhunderts, zeigt er die Vielfalt dieses Instruments.

Oder doch besser dieser Instrumente: Bei jedem Stück zieht er eine neue Blockflöte hervor – in unterschiedlichen Farben, Grössen und Tonlagen. Schon ab dem ersten Ton der Einleitung des Corelli Concertos in A-Dur scheint Steger die Musik am ganzen Körper zu spüren, ist sofort mit Leib und Seele dabei. Beginnt er zu spielen, tänzelt er von einem Bein auf das andere, wippt auf die Zehenspitzen, setzt zum Sprung an oder wiegt sanft zur Musik, als ob er die Klänge mit Bewegungen nachempfinden wollte.

Es wimmelt nur so von raffinierten Verzierungen

Für jede der Blockflöten weiss Steger die Klanggestaltung anzupassen: Vom anmutig-singenden Ton bis zu einem frechen Zwitschern ist alles da. Besonders in den raffinierten Verzierungen, von denen es in diesen Werken nur so wimmelt, zeigt sich seine Virtuosität. Jeder Lauf ist präzise und brillant gestaltet. Seine Finger fliegen in schnellstem Tempo über die Flöte, sodass man ihnen mit den Augen kaum folgen kann.

Umringt ist der Solist von den Chaarts Chamber Artists (im Eigenbeschrieb: «das grösste Streichquartett der Welt»), bestehend aus zehn Streichern und Streicherinnen sowie einem Cembalisten. In Vivaldis Concerto «La Notte» erzeugen sie, zusammen mit Steger, unheimliche Klänge, gefolgt von aufschreckenden, schrillen Passagen. So zeichnen sie das Bild eines Geistes, der in der Nacht sein Unwesen treibt.

Die Energie und die offensichtliche Spielfreude sind die Stärken der Chamber Artists. Mit ansteckender Leidenschaft werden die Bögen in die Saiten geworfen. Dies kommt besonders in den furiosen Passagen von Vivaldis Werken zur Geltung. Während die schnellen Sätze vor Freude sprühen, verlieren die langsameren, potenziell ausdrucksstarken Momente, etwa in Corellis Concerto oder Händels «Passacaglia», dagegen an Intensität. Hier vermisst man eine Transparenz und Tiefe im Streicherklang.

Auch ist die Balance zwischen Solist und Orchester nicht immer optimal, wird Steger doch an mehreren Stellen übertönt. Etwas mehr Zartheit in der Begleitung, unter Beibehaltung der Spielfreude, wäre eine gewinnende Kombination für die leidenschaftlichen Chamber Artists.

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