Beinwil

Ein Tierliebhaber sucht nach einer Lösung für seine Schützlinge: Ihnen droht die Notschlachtung

Daniel Quenet hält über 100 Tiere. Die grössten darunter sind die Esel. (Symbolbild)

Daniel Quenet hält über 100 Tiere. Die grössten darunter sind die Esel. (Symbolbild)

Daniel Quenet lebt seit fast zwei Jahrzehnten auf dem Schemelhof. Dort bietet er über 100 Tieren ein Zuhause, die sonst nirgends mehr unterkommen. Doch er und seine Schützlinge müssen den Hof verlassen. Wenn sie das nicht tun, droht eine Zwangsräumung und Notschlachtung.

Der Schemelhof in Beinwil ist seit 19 Jahren das Zuhause von Daniel Quenet. Im Jahr 2001 ist der Postbote auf den Bauernhof gekommen und lebt seither in einem Mietverhältnis. Doch schon wenige Jahre später, 2007, begann der Knatsch mit den Behörden. Denn der Hof steht in einer Gewässerschutzzone, die langsam immer weiter eingezäunt wurde.

Wie Quenet erzählt, hat er schon damals eigene Tiere gehalten: «Ich hatte immer nur Kleintiere, am grössten sind meine Esel». In den Jahren 2015 und 2016 hielt er kurz keine eigenen Tiere, doch schon 2017 zogen wieder welche bei ihm ein. Er beherbergt Tiere bei sich, die niemand mehr will oder, um die sich keiner kümmern. Ausserdem züchtet er alte Tierarten: «Das habe ich bisher mit grossem Erfolg gemacht.»

Konflikt mit den Behörden führte zu Verfügungen

Der Eigentümer des Hofes hat selbst Kühe und bewirtschaftet das Land rund um den Hof. Für Quenet ist es deshalb ein Widerspruch, dass seine Tierhaltung Probleme macht, aber die des Eigentümers nicht. «Schon 2007, als das alles begonnen hat, gingen gewisse Dinge für mich einfach nicht auf», blickt der Postbote zurück. Aus seiner Sicht habe diese ganze Geschichte nichts mit dem Wasser zu tun: «Ich habe seit 19 Jahren Tiere hier und das Wasser wurde nicht schlechter.»

Irgendwann klopfte die Lüsseltaler Wasserversorgung bei Daniel Quenet an und das «Gstürm» ging weiter hin und her. Schlussendlich erhielt er eine Verfügung. Dasselbe passierte mit der Baukommission: die zweite Verfügung für Quenet. Eine rechtliche Grundlage, wieso sein Hof ein Problem sein sollte, gab es aber anscheinend nicht. Die mehrfachen Anfragen bei der Kommission sowie beim Kanton bleiben unbeantwortet. Irgendwann waren die Verfügungen dann abgelaufen.

Nun üben die Behörden Druck auf den Hof-Eigentümer aus. Dieser habe natürlich Angst um seine Subventionen, meint Quenet. Im März hat ihm der Vermieter gekündigt. Seither sucht Quenet nach einer Lösung für seine Tiere.

Das Gericht wird eingeschaltet

Eigentlich hätte der Hof bis am vergangenen Freitag, 13. November 2020, geräumt sein müssen. Anderenfalls, so habe der Anwalt des Eigentümers angedroht, werde am Montag, 16. November 2020, das Gericht eingeschaltet.

Die Folge davon wäre eine Zwangsräumung und das Notschlachten der betroffenen Tiere. «Es würden also gesunde Tiere einfach so geschlachtet», sagt Quenet. Stand Montag sind seine Tiere nach wie vor auf dem Schemelhof. «Doch wenn ich keinen Platz finde für alle, dann werden sie notgeschlachtet.» Der Tierbesitzer erwartet in den kommenden Tagen eine Nachricht vom Gericht.

Letzter Hoffnungsschimmer für die Tiere

Allerdings gibt es für die Tiere Licht am Ende des Tunnels. «Telebasel hat am Sonntag über meine Geschichte berichtet. Seither bekomme ich viele Anfragen von Leuten, die mir mit den Tieren helfen wollen», erzählt Quenet hoffnungsvoll. Wo genau die Tiere jetzt hinkommen, kann er selbst aber noch nicht sagen. Er müsse sich das zuerst alles in Ruhe anschauen und dann entscheiden.

Der Tierliebhaber hat also noch Hoffnung für seine Schützlinge. «Ich würde eher unter einer Brücke schlafen, als meine Tiere aufzugeben», sagt Daniel Quenet bestimmt. Mit etwas Glück kann er sie vielleicht tatsächlich noch in letzter Sekunde vor einer Notschlachtung bewahren.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1