Breitenbach

Drei Guggen boykottieren den grössten Fasnachtsumzug im Schwarzbubenland

Im Jahr 2019 nahmen die Bohneschränzer aus Meltingen noch am Umzug in Breitenbach teil.

Im Jahr 2019 nahmen die Bohneschränzer aus Meltingen noch am Umzug in Breitenbach teil.

Die Guggen Bohneschränzer, Geisseschränzer und Ohregrübler ärgern sich über den neuen Zwang zum Kauf einer Plakette und bleiben dem Umzug in Breitenbach fern.

«Dieser Umzug gehört zu unserer Fasnacht wie das Amen in der Kirche.» Im Solothurner Bezirk Thierstein gibt es keinen wichtigeren Fasnachtsumzug als denjenigen am Samstagnachmittag im Hauptort Breitenbach. Das stellt rund ein Dutzend lokale Guggenmusiken und Wagencliquen in einem Schreiben an die Organisatoren gleich zu Beginn fest.

Trotz der Bedeutung des Umzugs haben drei Gruppierungen entschieden, dieses Jahr nicht teilzunehmen. Die Guggen Bohneschränzer aus Meltingen, Geisseschränzer aus Zullwil und Ohregrübler aus Nunningen bleiben Breitenbach fern. Obwohl der Umzug mit Tausenden Besuchern zu ihren Pflichtterminen gehört, boykottieren sie den Anlass. Stattdessen musizieren sie am kleineren Umzug in Nuglar-St. Pantaleon. Die anderen Formationen brachten mit ihrer Unterschrift ihren Unmut zum Ausdruck, sind aber in Breitenbach trotzdem dabei.

Die abwesenden Gruppen wollen ein Zeichen setzen

Mit ihrem Fernbleiben protestieren die drei Guggen gegen eine neue Bestimmung. Eine Passage der Einladung für den Umzug stiess den Fasnächtlern sauer auf: «Aufgrund der stetig steigenden Kosten für Sicherheit, Verkehrs-Umleitungen, Reinigungen, sanitäre Anlagen sowie der allgemeinen Infrastruktur sehen wir uns veranlasst, dass nunmehr jeder Umzugsteilnehmer eine Hirzebach-Plakette tragen sollte», teilte ihnen das Breitenbacher Fasnachtskomitee mit. Während der Fasnacht wird Breitenbach als fiktive Gemeinde Hirzebach bezeichnet.

Mit der mitgeteilten Änderung sind viele nicht einverstanden. «Selbstverständlich gehört eine Plakette zur Fasnacht. Die meisten Aktiven tragen sowieso eine», sagt Joel Huber, Präsident der Bohneschränzer, im Namen der drei Vereinspräsidenten. Nun aber werde von jedem einzelnen Guggenmitglied verlangt, eine Plakette zu beziehen, um überhaupt am Umzug teilnehmen zu können.

«Es ist nicht richtig, dass diejenigen, die den Umzug erst möglich machen, dafür bezahlen müssen», ärgert sich Huber, dessen Gugge seit der Gründung in den 1970er-Jahren fast immer in Breitenbach war. «Die Kosten auf uns abzuwälzen, ist nicht in Ordnung.» Man bedauere den Boykott, sehe sich aber dazu gezwungen, um ein Zeichen zu setzen. Mussten die Formationen bis anhin sieben Plaketten beziehen, wolle man nun jeden und jede dazu zwingen, eine zu kaufen. Für einige Formationen bedeute das einen massiven Preisaufschlag.

Unterschiedliche Regeln bei den einzelnen Umzügen

Beim Breitenbacher Fasnachtskomitee lässt man dieses Argument nicht gelten. «Sieben Franken tun niemandem weh», sagt Mitglied Dominik Jeker. Das bisherige Modell sei nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen: Alle – egal ob kleines Schissdräckzügli oder grosse Gugge – mussten gleich viele Plaketten beziehen. «Die neue Regelung ist fairer.» Die Bestimmung begründet er einerseits durch die steigenden Kosten des grösser werdenden Umzugs. «Ein Beispiel: Vor zehn Jahren hatten wir zwei Toi-Toi-Toiletten, heute zwölf.» Andererseits müssten die fünf Komitee-Mitglieder, die an ihre Kapazitätsgrenzen stiessen, selber rund 100 Plaketten weniger verkaufen.

Die Regelung sei, im Vergleich zu Laufen, noch immer sehr human, findet Jeker. Während am Laufner Umzug jeder einzelne Teilnehmer zehn Plaketten kaufen muss, gibt es in Allschwil und in Pratteln keine solchen Zwänge. Es sei aber eine Selbstverständlichkeit für die Teilnehmenden, eine Plakette zu erwerben, heisst es von den Obmännern der Umzüge. Am Basler Cortège müssen die teilnehmenden Gruppierungen vom Fasnachts-Comité Plaketten beziehen. Pia Inderbitzin, Obfrau des Fasnachts-Comités sagt dazu: «Auf diese Weise können die Fasnächtler von der Direktsubvention, die in ihre Kasse fliesst, profitieren.»

Der Streit um die Plakette dauert schon seit Jahren

Für das Breitenbacher Fasnachtskomitee ist klar: «Unsere Philosophie, die 1500 Plaketten auf möglichst viele Fasnächtler herunter zu brechen, wird von 95 Prozent aller Formationen geteilt.» Oberhalb von Fehren sei man anderer Auffassung. Aber das sei nicht neu. Mit den Bohneschränzern bestehe die Plakettendiskussion seit dem Jahr 2009. Dass die drei Formationen nicht teilnehmen, sei vor allem für ihre Fans schade.

Ob die Guggen im nächsten Jahr zurückkehren, steht in den Sternen. Die Bohneschränzer zeigen Gesprächsbereitschaft. Präsident Joel Huber sagt: «Es wäre toll, wenn wir eine Lösung fänden. Der Breitenbacher Umzug ist immer ein Highlight.»

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