Naturschutz

Dieser Windpark stösst auf Widerstand – und könnte trotzdem gebaut werden

Auf der Challhöhe soll ein Windpark gebaut werden, der Widerstand dagegen ist aber gross. (Montage)

Auf der Challhöhe soll ein Windpark gebaut werden, der Widerstand dagegen ist aber gross. (Montage)

Die Anlagen auf dem Chall haben viele Kritiker. Die Chancen einer Realisierung stehen aber nicht so schlecht.

Für viele ist das seit Jahren geplante Projekt eine Horrorvorstellung: Fünf Windräder thronen über dem Chall und prägen die Umgebung stark. Der Widerstand gegen den Windpark Challhöchi ist enorm, wie eine Flut von Eingaben zeigt. 53 Briefe und E-Mails sind ans Solothurner Amt für Raumplanung geschickt worden. Solothurn möchte den Chall als Potenzialgebiet für Windkraft in den kantonalen Richtplan aufnehmen.

Während andernorts in der Region angedachte Windkraft-Anlagen mangels Rentabilität aufgegeben wurden, dauern die Planungen beim Park auf dem Chall an. In den Jahren 2011 bis 2013 haben die Industriellen Werke Basel (IWB) dort Windmessungen durchgeführt. «Unsere Messungen zeigen, dass es im Gebiet Challhöchi genügend Wind gibt, um einen Windpark zu betreiben», sagt IWB-Sprecher Reto Müller. Voraussetzung, um mit der Planung weiterfahren zu können, seien jedoch Richtplaneinträge der beide Kantone, auf deren Boden der Park liegen würde: Baselland und Solothurn.

Selbst Kloster Mariastein machte eine Eingabe

Im Baselbiet ist dieser Schritt bereits vollzogen worden. Solothurn hat nun vor, mit einem Richtplaneintrag nachzulegen. Bis Mitte März dauerte die öffentliche Auflage, bei der jeder und jede die Möglichkeit hatte, sich schriftlich zu äussern. «Es wurden insgesamt 53 Eingaben gemacht. Bei einem Dutzend davon handelt es sich um Sammeleingaben», sagt Brigitte Schelble, Leiterin Grundlagen und Richtplanung beim Solothurner Amt für Raumplanung. Zu den Parteien, die sich gemeldet haben, gehören die beiden Solothurner Gemeinden Metzerlen-Mariastein und Bättwil sowie das Baselbieter Burg im Leimental. Auch Pro Natura Baselland und Pro Natura Solothurn sowie Bird Life Schweiz haben eine Eingabe gemacht. Die Verantwortlichen des Klosters Mariastein sind ebenfalls an den Kanton gelangt.

Die Naturschutzorganisationen sorgen sich in ihren Schreiben um Vögel und Fledermäuse. Den Gemeinden und dem Kloster Mariastein geht es vor allem um die Veränderung des Ortsbildes. In ihrer Eingabe schreibt die Gemeinde Metzerlen-Mariastein: «Die Ortsbilder der Gemeinde Metzerlen und des Klosters Mariastein sind im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz enthalten. Grosse Windkraftanlagen passen schlicht nicht in dieses Bild und würden es völlig entwerten.» Der Gemeinderat sei überrascht, dass der Kanton Solothurn nun der «unsinnigen Planung des Kantons Basel-Landschaft» folgen wolle.

Einen Richtplaneintrag lehnt auch Burg im Leimental klar ab. «Wir haben drei Eingaben gemacht», sagt Dieter Merz, der nicht nur Gemeindepräsident von Burg im Leimental (Parteilos) ist, sondern auch Vorstandsmitglied des Vereins Wind-Still, der das Vorhaben kritisiert. Merz sagt: «Es spricht vieles gegen den Park. Neben der Verschandelung des Ortsbildes würde er viel Lärm verursachen und das Naherholungsgebiet und die Natur zerstören.»

Standortgemeinden sind windkraftfreundlich

Kommen aus Metzerlen-Mariastein und Burg im Leimental kritische Töne, stehen die beiden Standortgemeinden des Windparks den Plänen der IWB wohlgesinnt gegenüber. Das solothurnische Kleinlützel beantragte dem Kanton vor rund einem Jahr, den Standort Chall in den Richtplan aufzunehmen. Die andere Standortgemeinde, das Baselbieter Röschenz, hat mit Remo Oser einen Gemeindepräsidenten (CVP), der auch als Vize-Präsident des Forums Erneuerbare Energien Laufental tätig ist.

Die Stimmbevölkerung von Kleinlützel und Röschenz wird dereinst einzeln über den Windpark abstimmen können. Bis es so weit ist, muss das Projekt noch einige Hindernisse überwinden. Als Nächstes veröffentlich der Kanton Solothurn anhand der Eingaben zum Richtplan einen Mitwirkungsbericht.

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