Guggewahn

Das wird der glatte Wahnsinn

Die Büchelgrübler schränzen an ihrem «Guggewahn» vor fünf Jahren. (Archivbild)

Die Büchelgrübler schränzen an ihrem «Guggewahn» vor fünf Jahren. (Archivbild)

Wie sich die Büchelgrübler aus Zunzgen auf die 25. Auflage ihres «Guggewahn» vorbereiten.

«Immer diese einseitigen Berichte über Guggenmusiken – schreib doch mal was über Elektriker», sagt Lukas Joss zur Begrüssung. Es ist 9 Uhr morgens. Joss steht vor seinem Firmenwagen auf dem Platz der Mehrzweckhalle in Zunzgen; neben ihm auf dem Boden verteilt liegen mehrere orange Verlängerungskabel.

Natürlich hat er nichts gegen die Reportage über den Aufbau zum «Guggewahn», den die Zunzger Guggenmusik Büchelgrübler morgen Samstag zum 25. Mal veranstalten: Zehn Guggen aus nah und fern und 2000 Besucher werden erwartet und in zwei Turnhallen sowie einem Festzelt mit Guggenmusiken, Kleinformationen und DJ unterhalten. Der «Guggewahn» dürfte der grösste Guggenball in der Nordwestschweiz sein. Zusätzlich feiern die Büchelgrübler dieses Jahr ihren 50. Geburtstag.

Fast alles ist Eigenleistung

Die Kabel werden Joss und weitere Mitglieder der Büchelgrübler, die gestern Morgen zum Helfen gekommen sind, im Doppelzelt verteilen, wo weitere Mitglieder damit beschäftigt sind, Bodenplatten auf insgesamt 450 Holzpaletten zu schrauben. Eines der Zelte hat der Turnverein Tecknau aufgebaut; das andere stammt von einer Vermietung aus Sissach und ist bereits am Mittwochabend von den Büchelgrüblern selbst aufgestellt worden.

Einen Elektriker wie Lukas Joss in der Gugge zu haben, ist ein grosses Glück für die Büchelgrübler. 90 Prozent beim Aufbau ihres Guggenanlasses werden in Eigenleistung erbracht, schätzen Vereinspräsident Lukas Bürgin und OK-Präsident Manuel Mohler. Der Verantwortliche für die technische Sicherheit im OK ist Feuerwehrmann, der Zuständige für die Finanzen Buchhalter.

Viele Guggen verzichten auf den Auftritt an ihrem eigenen Ball; für die Büchelgrübler bedeutet das einen grossen personellen Aufwand. «Wir brauchen so viele Helfer, dass wir während unseres Auftritts noch den Betrieb aufrechterhalten können», erklärt Mohler. Seit vielen Jahren stehen den Büchelgrüblern vier Vereine und Fasnachtsgruppen treu zur Seite. Insgesamt werden morgen 100 Leute hinter den Theken tätig sein.

«Veranstaltungen in Turnhallen haben stark abgenommen», sagt Bürgin. Er kenne im Oberbaselbiet nur noch zwei, drei andere inner- und ausserhalb der Fasnacht, die noch gut besucht würden. Die Büchelgrübler haben sich vor sechs Jahren der Zeit angepasst: Seither heisst ihre Veranstaltung offiziell «Guggenwahn 3 in 1» und bezieht sich wie eingangs erwähnt auf die zwei Hallen und das Zelt. In der alten Turnhalle, wo während des ganzen Abends ohne Guggenmusiken ein DJ spielt, sieht Bürgin vor allem die 16-Jährigen, im Festzelt mit Raclettestand und Tischgarnituren auch viele ältere Zunzger, die für ein, zwei Stunden zum Abendessen vorbeischauen. «Ich hoffe, dass der ‹Guggenwahn› auf diese Weise noch lange funktioniert», meint er.

Am schlimmsten wird es im Morgengrauen

Mehr noch als der Aufbau geht den Büchelgrüblern der Abbau in die Knochen, der direkt um 2 Uhr beginnt, wenn die Veranstaltung beendet ist. «Am Sonntag gegen 11 Uhr sind wir dann fertig und gehen gemeinsam essen; das zieht sich bis zum Abend hin», berichtet Manuel Mohler. Am schlimmsten sei die Müdigkeit gegen 6 Uhr, wenn der Morgen graue; aber es sei der Motivation nicht förderlicher, nachts wenige Stunden zu schlafen und dann wieder in die Halle zu kommen, ist er überzeugt. Bürgin ist 33-, Mohler 30-jährig.

Wie lange hält man einen solchen körperlichen Aufwand als Guggenmusiker durch? Die Antwort kommt zufällig gerade zur Tür herein: Jörg Staufenegger ist mit 60 Jahren das zweitälteste Mitglied. «Er ist der Letzte, der am Sonntagabend heimgeht», sagt Mohler lachend.

Meistgesehen

Artboard 1