Bildhauerei

Beat Breitenstein schafft filigrane Kunst mit der Kettensäge

Seit seiner Kindheit hat Beat Breitenstein eine Leidenschaft für Holz. Am liebsten arbeitet er mit Eiche.

Seit seiner Kindheit hat Beat Breitenstein eine Leidenschaft für Holz. Am liebsten arbeitet er mit Eiche.

Der in Sissach aufgewachsene Künstler kreiert einzigartige Skulpturen aus Eichenholz. Dieses Jahr ist er mit gleich zwei Grossaufträgen in der Schweiz beschäftigt.

Seine Kunst ist schlicht und einfach. Der Ort, wo seine Kunstwerke stehen, ist ebenso wichtig wie die Skulptur selbst. Alle Details sind aufeinander abgestimmt, alles ist geplant. Der Künstler Beat Breitenstein überlässt nichts dem Zufall.

Der in Sissach geborene und aufgewachsene Künstler studierte vor seinem Entscheid, sich ganz der Kunst zu widmen, Modedesign in Norwegen. Nach dem Studium kehrte Breitenstein wieder zurück in die Schweiz: In einer Fabrik in der Welschschweiz entwarf er 14 Jahre lang verschiedene Kollektionen. Möglichst viel verkaufen, den Umsatz steigern, das war seine Aufgabe. Jetzt, 22 Jahre später, hat das für ihn an Bedeutung verloren: «Das Verkaufen meiner Werke ist nicht das Wichtigste für mich», sagt Breitenstein. «Ich weiss, das ist ein harter Weg, aber ich erhalte immer wieder die Bestätigung, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.»

Holz muss 160 Jahre alt sein

All seine Kunstwerke bestehen aus Eichenholz: «Das ist ein sehr kraftvolles Holz mit einer unendlichen Lebensdauer», beschreibt der 62-Jährige seinen liebsten Werkstoff. Für seine Skulpturen verwendet er nur Holz, das mindestens 160 Jahre alt ist. Breitenstein: «Diese Bäume haben schon so viel erlebt in all den Jahren. Sie sollen in meinen Werken weiterexistieren.»

Mit der Kettensäge verleiht er seinen Skulpturen zusätzlich zur natürlichen Maserung eine aussergewöhnliche Struktur. Dem Gegensatz zwischen dem groben Werkzeug und dem filigranen Aussehen seiner Werke ist sich Breitenstein bewusst. Durch natürliche Materialien verschiedene Sulfatsalze, die das Holz unterschiedlich einfärben, und Glas, Filz sowie Bienenwachs hebt er dies zusätzlich hervor.

Die Werke von Beat Breitenstein sind gegenwärtig im Foyer U90 in Kleinhüningen zu sehen

Die Werke von Beat Breitenstein sind gegenwärtig im Foyer U90 in Kleinhüningen zu sehen

Seine Faszination für das Holz entstammt seiner Kindheit: «Mein Vater war Möbelschreiner. Und aufgewachsen bin ich direkt am Waldrand. Beides hat mich sehr geprägt.» Auch seinen Sohn habe die Leidenschaft für das Holz gepackt: «Er ist Zimmermann. Das hat meinen Vater sehr gefreut, dass wir beide in seine Fussstapfen treten», erzählt Beat Breitenstein.

Den Sinn für Mode hingegen erbte er von seiner Mutter: «Sie war Schneiderin.» Schon früh habe er seine «Affinität fürs Nähen» entdeckt. Trotzdem erkannte Beat Breitenstein schnell, dass er seine künstlerischen Ideen in der Modewelt nur begrenzt ausleben konnte. Seine Kunstwerke habe er darum immer nebenbei angefertigt. Bis er sich entschied, ganz auf seine Leidenschaft zu setzen.

Mittlerweile arbeitet Breitenstein mehrheitlich im bernischen Ins. Dort hat er ein Waldatelier «für die groben Arbeiten», ein Atelier «für den Feinschliff» und ein Depot für die fertigen Kunstwerke und seine liebsten Schätze. «Es gibt ein paar Skulpturen, die ich schon ein paar Mal hätte verkaufen können, aber ich tu sie trotzdem nicht. Die gefallen mir einfach zu gut», erzählt Breitenstein lächelnd.

In diesem Jahr hat Beat Breitenstein gleich zwei Grossaufträge zu erledigen. Das erste Projekt ist die Hausfassadengestaltung eines Architektenbüros in Thun. «Das wird etwa zwei Monate lang dauern», sagt Breitenstein. Der Inhaber des Büros habe ihn über Google gefunden, da er nach etwas Ausgefallenem gesucht habe.

Der zweite Auftrag kommt aus Murten: «Ich fertige einen riesigen Elefanten an, aus Eichenholz natürlich.» Der Grund dafür ist ein Ereignis, das vor 150 Jahren stattgefunden hat: Damals brach ein Elefant eines Wanderzirkusses aus und rannte wild durch das Städtchen von Murten. Da das Tier nicht zu bändigen war, musste es mit einer Kanone erschossen werden.

In Gedenken an dieses Geschehnis organisiert die Stadt nun mehrere Veranstaltungen. Eine davon ist der riesige Elefant aus Holz, der von den Besuchern sogar betreten werden kann: «Es wird kein typischer Elefant werden, sondern ein abstrakter. Aber er wird immer noch als solcher erkennbar sein.» Er macht die Kunst so, wie er sie haben will. In Schubladen stecken lässt er sich nicht.

Finissage am 10. März um 18 Uhr im Foyer U 90 an der Uferstrasse 90 in Kleinhüningen; davor Montag bis Freitag 8 bis 15 Uhr offen.

www.beat-breitenstein.ch

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