Dokfilm

Als sich in Dornach die Soldaten die Köpfe einschlugen

Ein Filmteam beschäftigte sich mit der Schlacht bei Dornach. Herausgekommen ist ein aufwändiger Dokumentarfilm über die blutigen Kämpfe.

Bennedikt Hugi ist an diesen dunklen Tagen im ausgehenden 15. Jahrhundert nicht zu beneiden: Er hat als Vogt das militärische Kommando über die Burg Dorneck oberhalb von Dornach. Die strategisch wichtige Festung steht kurz davor, zum Standort der entscheidenden Schlacht des Schwabenkriegs zu werden.

Die Eidgenossenschaft auf der einen und das Haus Habsburg sowie der verbündete Schwäbische Bund auf der anderen Seite bekämpfen sich seit Jahren. Es geht um die Vorherrschaft im eidgenössisch-habsburgischen Grenzgebiet. Das schwäbische Heer zieht zur Burg Dorneck mit dem Ziel, sie unter seine Kontrolle zu bringen. Noch sind die eidgenössischen Kräfte unterlegen, weshalb Bennedikt Hugi zwei Boten nach Solothurn schickt, um Verstärkung zu holen. Aus dem ganzen Umland strömen Truppen in die beschauliche Gemeinde bei Basel.

Es folgt eine blutige Schlacht, bei der rund 3500 Menschen ihr Leben verlieren. Durch das Dickicht schleichen sich die Eidgenossen an den Gegner heran. Angeführt von Graf Heinrich von Fürstenberg erleiden die Reichstruppen am 22. Juli 1499 die entscheidende Niederlage im Krieg. Der Feldhauptmann stirbt als einer der ersten durch die Schwertklinge der Eidgenossen. Noch heute erinnern in Dornach in einem Gebeinhaus einige Schädel und ein Schlachtenrelief an die erbarmungslosen Kampfhandlungen.

Bennedikt Hugi und Graf Heinrich von Fürstenberg sind Protagonisten in einem Dokumentarfilm über die Schlacht bei Dornach. Höhepunkte des dreiviertelstündigen Streifens sind Reenactment­szenen, bei denen mit Schauspielern die Schlacht nachgestellt wurde. "Viele der Szenen haben wir in einem Studio in Basel gedreht. Für andere Sequenzen sind wir ins Mittelalterfreilichtmuseum Campus Galli im süddeutschen Messkirch gefahren", sagt Moritz Willenegger. Der Basler Filmemacher hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Produziert wurde der Film von Francis de Andrade.

Filmemacher wollen die Schlacht nicht romantisieren

Mit einem Budget von rund 70000 Franken ist den beiden ein lehrreiches und unterhaltsames Werk gelungen. Ein Sprecher mit sonorer Stimme erzählt die Geschichte der Schlacht. Die gespielten Szenen wechseln sich ab mit Kartenaufnahmen, Holzschnitten, verschiedenen Animationen und Drohnenaufnahmen. Die junge Historikerin Rahel Sagelsdorff bettet, in wunderschöner Kulisse der Ruine Dorneck, die Ereignisse ein. 

"Uns war wichtig, einen Blick auf die Schlacht zu werfen, der die Geschehnisse nicht romantisiert, sondern auch die Schrecken für die Zivilbevölkerung der spätmittelalterlichen Kriegsführung beschreibt", erklärt Francis de Andrade. Von ihm stammt die Idee, den Dokumentarfilm über die Schlacht bei Dornach zu drehen. "Wir wollten aufzeigen, dass der Krieg damals für viele Menschen beinahe die einzige Möglichkeit auf Einkommen und sozialen Aufstieg sowie zentraler Bestandteil der Wirtschaft der alten Eidgenossenschaft war." Auch habe man darauf geachtet, die Rolle der Frauen während Kriegszeiten zu beleuchten. Diese sei in der Geschichtsschreibung lange Zeit ausgeklammert worden.

Zwei weitere Dokufilme über Dornach sollen folgen

Der Dokumentarfilm endet mit einem Verweis auf die in einem Vierteljahrhundert folgende Reformation. Nicht ganz zufällig, wie Regisseur Moritz Willenegger erklärt: «Wir planen zwei weitere Filme über Dornach - einen über das Kloster Dornach sowie einen über Rudolf Steiner und das wirken seiner Ideen bis in die Gegenwart.» Auch in diesen beiden Streifen sollen wieder zahlreiche Schauspieler auftreten.

Für den Film über die Schlacht bei Dornach suchen Willenegger und de Andrade derweil einen Abnehmer. Man werde Fernsehsender anschreiben, sagt de Andrade. "Wir könnten uns auch eine Verwendung als Schullehrmittel gut vorstellen.»

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