Neuling

Allschwiler Jungfirma Idorsia wird das nächste grosse Pharma-Ding

Der Hauptsitz der Idorsia, direkt neben dem der Actelion am Hegenheimermattweg im Allschwiler Bachgraben-Gebiet.

Der Hauptsitz der Idorsia, direkt neben dem der Actelion am Hegenheimermattweg im Allschwiler Bachgraben-Gebiet.

Die neue Allschwiler Firma Idorsia spaltete sich von Actelion ab. An die erste Generalversammlung der Pharma-Neufirma kamen 450 Aktionäre.

«Eine Rekordbeteiligung!», scherzt Jean-Pierre Garnier, Verwaltungsratspräsident von Idorsia. Idorsia: Das ist wohl eine der ungewöhnlichsten Jungfirmen überhaupt. Von wegen Rekordbeteiligung! Logisch, es ist die erste ordentliche Generalversammlung (GV) der neuen Allschwiler Firma, die vor knapp einem Jahr an den Start ging. Als Abspaltung – Neudeutsch: Spin-off – von Actelion. 450 Aktionäre besuchten die Idorsia-GV. Viele davon waren ehemalige Actelion Aktionäre.

Eine Rekordbeteiligung! Das könnte man mit Fug und Recht auch von der Finanzierung der Idorsia behaupten. Als der US-Konzern Johnson & Johnson vor einem Jahr Actelion übernahm, wurde ein Teil davon als separate Firma ausgegliedert und bekam eine glatte Milliarde Franken mit auf den Weg. «Dank der Grosszügigkeit von Johnson & Johnson», sagt Garnier gut gelaunt. 650 Mitarbeitende gehören zu Idorsia, zum grössten Teil hoch spezialisierte Wissenschafterinnen und Wissenschafter. «Wir waren ab Tag eins voll funktionsfähig», sagt Garnier. Auch das ist für Start-ups die Ausnahme.

Neue Wege und hohe Kurse

Die Milliarde, das Fachpersonal: Das waren zwei Gründe für den fulminanten Börsenstart, als die Aktie von zehn relativ rasch auf 20 Franken und mehr stieg. Ein dritter wichtiger Faktor war die Tatsache, dass Idorsia an vier Substanzen forscht, die demnächst in die klinische Phase 3 kommen sollen. Dabei sind auch Präparate, die nicht mehr zum Stammgebiet der früheren Actelion (Lungen-Bluthochdruck, PAH) gehören. Es werden neue Wege erkundet, wie etwa Schlaflosigkeit oder die seltene, aber oft extrem schmerzhafte Fabry-Krankheit, die Resultat einer genetischen Stoffwechselstörung ist. «Dass wir zu neuen Themen kommen, hat mit dem Fortschritt der Wissenschaft zu tun. Es ist sie, die uns antreibt. Viele der Entdeckungen sind glückliche Zufälle», sagte Garnier am Rande der GV gegenüber der bz. Das heisst in etwa: Man sucht das eine und findet das andere. Idorsia machte im ersten Geschäftsjahr einen Verlust von 13,3 Millionen Franken. Stören tut das niemanden.

Drei Produkte will Idorsia zunächst auf den Markt bringen. Doch das braucht einen langen Schnauf. Bis es so weit ist, werden fünf Jahre ins Land gehen. Und vorher müssen die Wirkstoffe die klinische Phase überstehen, und zwar mit guten Resultaten. So gut, dass die staatlichen Zulassungsstellen die Medikamente schliesslich auch genehmigen.

Der Anfang ist oft ein Slalom

Und genau hier steckt das Risiko der Jungfirmen, die noch kein Präparat auf dem Markt haben und dessen Erfolg keineswegs sicher ist. Bringt es die Resultate? Hat es nicht zu hohe Nebenwirkungen? Ist etwa ein Konkurrent schneller? Viele Start-ups haben solche Phasen des Misserfolgs und des Erfolgs durchgemacht, wie etwa die Liestaler Santhera. Deren Aktie fuhr entsprechend Achterbahn. 2007 war sie noch auf 100 Franken, fiel auf zwei, stieg wieder auf

70, fiel auf 20 Franken ...

Das ehrgeizige Ziel, fünf Milliarden Umsatz in rund 10 Jahren zu erreichen, kann Idorsia nicht völlig im Alleingang erreichen. Weil klinische Tests und die Vermarktung sehr teuer sind, liess sich der Verwaltungsrat von der GV die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung geben.
Andererseits hat Idorsia bereits Abkommen mit Roche und Johnson & Johnson getroffen. Die statutarischen Geschäfte wurden alle mit grossem Mehr abgesegnet. Im Verwaltungsrat sitzt neu die französische Pharma- und Finanzspezialistin Viviane Monges.

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