Roothuusbeizli
Zweite Chance fürs Rathaus Café – Basler Persönlichkeiten machen sich dafür stark

Für die Basler Regierung ist die Angelegenheit seit diesem Juni vom Tisch. Doch Befürworter eines neuen, kleinen Restaurants im Rathaus geben sich mit der Absage nicht zufrieden. Sie wollen die Innenstadt mit einer kleinen Beiz im Innenhof beleben.

Martina Rutschmann
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Im Raum rechts vom Rathaus-Eingang das Beizli, im Hof das Boulevard-Café dazu – dies möchte die ehemalige Gastronomin Nadine Rohner noch erleben.

Im Raum rechts vom Rathaus-Eingang das Beizli, im Hof das Boulevard-Café dazu – dies möchte die ehemalige Gastronomin Nadine Rohner noch erleben.

Kenneth Nars

Die Sache war schnell vom Tisch. «Ein Restaurant im Innenhof wäre problematisch», sagte Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) im Juni, «da etliche Arbeitsplätze gegen den Hof gerichtet sind. Diese wären vom Lärm betroffen.» Ganz beerdigen wollte sie die Idee einer Rathaus-Beiz aber nicht – man könne wieder darüber reden, sobald das Staatsarchiv umgezogen sei. Bloss: Die Bauarbeiten für den Neubau haben noch nicht einmal begonnen. Es dauert Jahre, bis das Thema spruchreif werden könnte.

Grossrat Heinrich Ueberwasser (SVP), der die Idee mit einem Vorstoss aufgeworfen hat, hält trotz der Absage am Rathaus-Café für Touristen und Einheimische fest. In diesen Tagen wird er den zweiten Vorstoss einreichen. Diesmal mit dem Vorschlag, einen mobilen Versuchsbetrieb zu lancieren. «So kann getestet werden, ob ein Beizchen funktioniert, und wo allfällige Probleme liegen», sagt Ueberwasser. Von der Lärm-Argumentation hält er wenig: «Es ist ein urbanes Umfeld.» Er nehme die Bedenken ernst, sei aber überzeugt, ein Gastro-Betrieb im Hof des Rathauses würde die Innenstadt beleben.

Befürworter Kessler und Eymann

Dieser Ansicht war Gastronomin Nadine Rohner schon lange, bevor Ueberwasser Grossrat wurde. Der ehemaligen Mitarbeiterin des Cafés Des Arts kam die Idee vom «Roothuusbeizli» neben dem Haupteingang mit Tischen im Hof Anfang Jahrhundert, nachdem der Polizeiposten dort ausgezogen war. Gemeinsam mit befreundeten Wirten durfte sie das Lokal offiziell besichtigen, auch politische Unterstützung war ihr gewiss. Bei den damaligen LDP-Regierungsräten Ueli Vischer und Christoph Eymann rannte sie offene Türen ein.

Doch dann zog der Stadtladen «als Zwischenlösung» in den Raum – und das Café rückte für eine Weile in den Hintergrund. Erst als die Abteilung Wahlen und Abstimmungen dort ein Büro einrichtete, fing Nadine Rohner wieder zu träumen an. Sie holte den ehemaligen Stadtentwickler Thomas Kessler ins Boot, der sich für die Idee stark machte. Dessen Chef, der damalige Regierungsrat Guy Morin (Grüne), winkte aber ab. Erst nach dem Regierungswechsel Anfang Jahr schaffte es Nadine Rohner, wieder einen Regierungsrat zu begeistern. Baschi Dürr (FDP) brachte die Idee in eine Sitzung ein, wobei sie trotz Wohlwollen mancher Kollegen auf einer «Longlist» landete.

Erledigt war das Thema damit nicht. Nach einem Gespräch mit Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) reichte Ueberwassers seinen Vorstoss ein – und bestärkte damit Nadine Rohner erneut. Aus Altersgründen sieht sie sich zwar nicht mehr als potenzielle Gastgeberin, aber: «Ich möchte ein solches Beizchen unbedingt noch erleben.» Ihr schweben alternierend Menüs aus verschiedenen Basler Beizen vor. Auf Christoph Eymanns Unterstützung kann sie weiterhin zählen: «Nach wie vor halte ich es für sinnvoll, dort ein ‹Käffeli› einzurichten. Den inhaltlichen Bezug zum Grossen Rat könnte man leicht herstellen, etwa mit Informationen über laufende Geschäfte», sagt der Nationalrat. Auch ihn überzeugt das Lärmargument nicht: «Eine Störung der Mitarbeitenden im Rathaus sehe ich nicht. Die Situation wäre vergleichbar mit den Tischen vor dem Café Schiesser gegenüber, dort gibt es keine Lärmreklamationen, obwohl oberhalb mehr Leute arbeiten.»

Aufwertung des Sonntags

Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung eine Innenstadt-Belebung, wie sie den Initianten vorschwebt, abblockt. Als Thomas Kessler vor anderthalb Jahren die Idee eines Sonntagsverkaufs an der Schifflände aufbrachte, wurde er vom zuständigen Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) zurückgepfiffen. Dieser äusserte sich vor einem Monat in der bz erneut zum Sonntagsverkauf, betonte allerdings, keine Gesetze ändern zu wollen.

Er habe ein offenes Ohr für eine Idee von Basel Tourismus und Pro Innerstadt, wonach Läden sonntags offen haben dürfen, wenn die Betreiber selber hinter der Theke stehen – mehr nicht. Basel-Tourismus-Direktor Daniel Egloff hingegen will «mehr»: «Ein breites Angebot, gerade in speziellen Gebäuden, wäre eine Bereicherung für unsere Gäste», sagt er zum Rathaus-Beizchen. «Vor allem sonntags wäre es eine Aufwertung.»

Die Regierung wird sich nach den Ferien mit dem Vorstoss und damit erneut mit dem Thema beschäftigen müssen.