Härtefallunterstützung
Zwei Basler Yoga-Lehrerinnen über den digitalen Unterricht: «Es fehlt der persönliche Kontakt»

Seit Kurzem dürfen auch Sportstudios Härtefallunterstützung fordern. Zwei Basler Yoga-Lehrerinnen erzählen von ihrer prekären Situation.

Rahel Koerfgen
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Mit Zoom durch die Krise: Kim Giaquinto von Hanuman Yoga unterrichtet digital.

Mit Zoom durch die Krise: Kim Giaquinto von Hanuman Yoga unterrichtet digital.

Rahel Koerfgen

Yoga boomt, weltweit. Auch in Basel. In den vergangenen Jahren ploppte eine Vielzahl entsprechender Studios in der Innenstadt und den Quartieren auf. Heute zählt Basel mindestens zwei dutzend solche Anbieter. Seit Ende November müssen diese allerdings geschlossen bleiben, zum zweiten Mal seit dem Lockdown im Frühling. Bis mindestens Ende Februar wird sich daran wohl nichts ändern.

«Wir sind froh, dass wir so mit den Schülern in Kontakt bleiben können»

Wie eine kurze Recherche ergibt, geht inzwischen ein Grossteil der Basler Yogalehrer den digitalen Weg und unterrichtet – zu reduzierten Preisen – via die Videoplattform Zoom. So zum Beispiel bei Hanuman Yoga an der Greifengasse: «Wir sind froh, dass wir so mit den Schülern in Kontakt bleiben können. Während des ersten Lockdowns, als die Läden geschlossen und praktisch alle im Home Office waren, lief das recht gut. Seit Ende November präsentiert sich die Situation deutlich schlechter», konstatiert Mitinhaberin Kim Giaquinto.

Als das Studio ohne Einschränkungen geöffnet war, zählten sie und ihre Geschäftspartnerin Anna Kny ungefähr 20 Schüler pro Stunde. Beim Zoomunterricht nehmen jetzt im Schnitt nur deren zehn teil. «Und das im Dezember und Januar, die zu den einträglichsten Monaten im Bewegungsbereich zählen.» Giaquinto vermutet, dass viele Schüler einfach keine Lust auf Online-Yoga hätten. «Es ist halt schon nicht dasselbe. Die Gruppendynamik und der persönliche Kontakt fehlen.»

Lohnverzicht und nebenher jobben

Die Einnahmen von Hanuman Yoga sind wenig überraschend eingebrochen – bei gleichbleibenden Fixkosten. Für einige der rund zwölf Lehrer, die hier regelmässig unterrichten, haben Kny und Giaquinto Anfang Dezember Kurzarbeit beantragt, aber bis heute keine Rückmeldung erhalten. «Uns selber bezahlen wir schon länger keinen Lohn mehr aus. Nur, weil wir uns neben dem Yoga noch einen weiteren Job teilen, kommen wir über die Runden», so Kny. Der Fokus laute nun: positiv und kreativ bleiben.

Dass sie und Giaquinto derart lange auf einen Bescheid warten müssen, ist symptomatisch für die Gesamtsituation. «Nicht nur Restaurants, auch Sportbetriebe leiden unter der Coronakrise. Aber der Sport hat halt keine starke Lobby in Bern», sagt Kny. Während etwa Gastrobetriebe von Beginn weg auf staatliche Unterstützung zählen konnten und wiederholt sowie lautstark auf noch mehr Beiträge pochten, mussten sich Betriebe aus dem Bereich Freizeitaktivität bis vergangene Woche in Geduld üben.

Nur beitragsberechtigt, wer seit dem 1. Januar 2019 in Basel eingetragen ist

Am 5. Januar gab die Basler Regierung bekannt, dass ab sofort auch Fitnesscenter und andere Sportstudios via hilfe-hgt.bs.ch einen Antrag auf Härtefallunterstützung stellen können. Es handle sich um einen einmaligen À-fonds-perdu-Beitrag, sagt Brigitte Meyer, Generalsekretärin des Wirtschaftsdepartements. Warum die Branche so lange auf Unterstützung warten musste, beantwortet sie nicht direkt. «Mit den aktuellen Beschlüssen steht in Basel mit knapp 75 Millionen Franken jetzt ausreichend Geld bereit, damit das Portfolio der berücksichtigten Branchen erweitert werden konnte.»

Allerdings: Beitragsberechtigt sind nur Unternehmen, die mindestens seit 1. Januar 2019 in Basel eingetragen sind. Kny und Giaquinto eröffneten Hanuman Yoga jedoch im November 2019. «Die anfängliche Erleichterung wich schnell der Enttäuschung,» sagt Giaquinto. Trotzdem wollen es die beiden versuchen – laut Meyer kann das Fachgremium, das über die Beiträge entscheidet, von dieser Voraussetzung abweichen: «Vor allem bei Betrieben, die sich in der kurzen Zeit nachweislich erfolgreich entwickelten.»