Basel
Wir sind dann mal weg: Ausstellung zum Thema «Pilgern»

Spätestens seit Hape Kerkelings Reisebericht «Ich bin dann ´mal weg» zum Bestseller wurde, ist der Pilgerweg nach Santiago de Compostela richtig populär geworden. Das Museum der Kulturen zeigt eine Ausstellung zum Thema «Pilgern».

Nikolaus Cybinski
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Das Museum der Kulturen zeigt eine Ausstellung zum Thema «Pilgern»
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Das Museum der Kulturen zeigt eine Ausstellung zum Thema «Pilgern»

Martin Töngi

Das Motto von Kerkelings Bericht: «Der Weg stellt jedem nur eine Frage: Wer bist du?» macht eine derartige Pilgerreise auch für nichtreligiöse Sinnsucher attraktiv. Das hat zur Folge, dass «Pilgern boomt», wie es Dominik Wunderlin, der Europa-Kurator der Ausstellung, formuliert und für diesen Boom zusätzlich «Die Wiederentdeckung des langsamen Reisens» anführt.

Da das Museum der Kulturen sich nicht nur als Ort für aussereuropäische Kulturen versteht, weil ein Drittel seines Bestandes europäisch ist, ist diese Pilger-Ausstellung hier zu recht verortet. Kaum bekannt ist, «dass Europa» wie Wunderlin schreibt, «gleich einem Spinnennetz von Pilgerwegen überzogen ist», und diese Wege «in ihrer Gesamtheit ein imposantes Kulturerbe (sind), das es zu würdigen gilt.»

Das nun tut diese Ausstellung in fünf einer Pilgerreise folgenden Kapiteln: «Anstoss und Anlass», «Aufbruch und Ausbruch», «Unterwegs», «Am Ziel» und «Ich bin dann ́mal zurück.» In übersichtlicher Präsentation kann der Besucher anhand zahlreicher Exponate und kurzer erläuternder Texte sich kundig machen, wie eine Pilgerreise zum Beispiel im Mittelalter, in reformatorischer und gegenreformatorischer Zeit vonstatten ging, mit kurzen Hinweisen auf die Erleichterungen, die heutige Pilger haben. Doch die Ausstellung thematisiert nicht nur den populären Jakobsweg, denn frühestes Ziel war das Heilige Land mit Jerusalem, später traten Rom und Santiago an seine Stelle, und, in unserer Region, Mariastein wie auch Einsiedeln.

Die Anlässe für eine Pilgerreise sind vielfältig; im Mittelalter waren es in der Regel religiöse Motive, die zum Aufbruch zwangen. Heute, siehe Hape Kerkeling, erfüllen sich Menschen oftmals private Träume, suchen die Ruhe, das Zusichkommen, aber auch das freundliche Miteinander. Von den Beschwernissen einstiger Pilger sind die heutigen Wallfahrer weitgehend befreit, auch weil ein funktionierender Pilgertourismus inklusive eines blühenden Devotionalienhandels sie umsorgt. Davon berichtet detailliert die Ausstellung, ergänzt im Museumsshop durch all die Buchtitel, die in den vergangenen Jahren zum Thema erschienen sind.

Der erste Pilgerverein in der Schweiz wurde 1931 im Kanton Schwyz gegründet; heute gibt es 25 Jakobus-Pilgergesellschaften mit 250 Mitgliedern; die grosse Fahne des «Lourdes-Pilgervereins Basel und Umgebung», der 1985 gegründet wurde, hängt am Ausgang der Ausstellung und verweist auf die Aktivitäten der Wallfahrer.

Der Münsterschwarzacher Mönch Anselm Grün wusste noch, wie es war: «Der Pilger muss weiter wandern», das heisst, den langen Hinweg als beschwerlichen Rückweg noch einmal durchlaufen. Das ist heute dank moderner Verkehrsmittel nicht mehr der Fall. Geblieben ist aber, wie einst, die Frage, wie das Leben nach der Rückkehr weitergeht. Hat die Pilgerreise es verändert? Mit dieser Frage entlässt die Ausstellung ihre Besucher.
Museum der Kulturen Basel. Pilgern - über die Wiederentdeckung des langsamen Reisens. Bis März 2013. Zur Ausstellung ist ein informativer Katalog als Taschenbuch erschienen.

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