Basel
Weniger Diebstähle, mehr Körperverletzungen: Wo Basel sicherer geworden ist

Die Zahlen fürs erste Halbjahr 2014 in Basel-Stadt sehen mit weniger Tötungs-, Raub- und Einbruchsdelikten gut aus. Polizeikommandant Gerhard Lips erklärt die Gründe dafür.

Moritz Kaufmann
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Im vergangenen Halbjahr gab es weniger Taschendiebstähle. (Symbolbild)

Im vergangenen Halbjahr gab es weniger Taschendiebstähle. (Symbolbild)

Dieter Minder

Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal veröffentlicht die Basler Staatsanwaltschaft einen Halbjahrestrend zur Kriminalität. Zwar erfährt man nur Prozent- und keine absoluten Zahlen; ebenso wenig ist es ein vollständiges Abbild über alle Deliktarten.

Aber immerhin: Die veröffentlichten Informationen lassen sich sehen. Es gab weniger Tötungsdelikte, Einbrüche, Taschendiebstähle, massiv weniger Raub- und Entreissdiebstähle sowie weniger Sachbeschädigungen. Auf der anderen Seite nahmen die Körperverletzungen, Vergewaltigungen und Gewalt gegen Beamte leicht zu.

Die Deliktsarten im Vergleich zum 1. Halbjahr des Jahres 2013:

- Tötungsdelikt: –40%

- Vorsätzliche Körperverletzung/Tätlichkeit: +5%

- Einbruch- und Einschleichdiebstahl: –15%

- Taschendiebstahl: –10%

- Raub/Entreissdiebstahl: –55%

- Sachbeschädigung: –10%

- Vergewaltigung: +5%

- Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, etc.: +5%

«Das ist ein Trend, der sich bis Ende Jahr wieder ändern kann», mahnt Staatsanwaltschaftssprecher Peter Gill zur Vorsicht. Man habe mit diesen Zahlen Informationen zu den Delikten vermitteln wollen, die die Leute betreffen. Detailliertere Zahlen werden erst im nächsten März zum ganzen Jahr 2014 veröffentlicht.

Optimistischer Kommandant

Etwas gesprächiger ist der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips. «Es ist zwar nur ein Trend, doch der zeigt gut, wo wir stehen», kommentiert er die Statistik, «ich gehe davon aus, dass die Entwicklung bis Ende Jahr so weiter geht wie bisher.» Für Lips sind diese Zahlen das Resultat der Polizeistrategie der letzten zwei bis drei Jahre. Damals sei man auf einen neuen Kurs eingeschwenkt: Die Polizisten gingen wieder vermehrt auf die Strasse und zeigten sich in Uniform an den Brennpunkten in der Stadt. Durch die Aufstockung des Korps hatte die Basler Polizei auch mehr Möglichkeiten dazu. «Mehr Polizisten schrecken potenzielle Täter ab. Das merken wir sehr gut bei den Taschendiebstählen», veranschaulicht Lips. Die Szene sei gut vernetzt und tausche sich aus; auch darüber, wenn in Basel mehr Polizisten unterwegs sind. «Es brauchte allerdings eine Saison, bis sie es gemerkt haben.» Bei den Einbrüchen wiederum seien es die Präventionsanstrengungen, die zur Reduktion beitrugen. Lips hat eine klare Ansage an seine Leute: «Es ist wichtig, dass man jetzt nicht lockerlässt.»

Der Wermutstropfen

Bei allem Optimismus ist es aber wichtig, die Zahlen genau anzuschauen. Zwar nahmen die Raub- und Entreissdiebstähle mit minus 55 Prozent markant ab. Ein Blick auf die Kriminalstatistik von 2013 zeigt aber, dass die Gesamtzahl nicht besonders hoch ist: Insgesamt wurden letztes Jahr 297 solcher Delikte gezählt. Zufällige Veränderungen fallen da prozentual stärker ins Gewicht als etwa bei den Einbrüchen (2013: 1608 Fälle).
Und noch einen Wermutstropfen gibt es. Gewalt und Drohungen gegen Beamte nehmen weiter zu. Es ist laut Polizeikommandant Lips die direkte Folge davon, dass sich die Polizisten öfter ins Getümmel stürzen als früher. «Das ist die Kehrseite», sagt er. Es bleibe zu hoffen, dass sich auch dieser Trend ins Erfreuliche kehrt, wie dies bei anderen Delikten schon geschehen ist.