Museumsnacht

Warum die Basler einen Hahn hinrichteten

Bis um zwei Uhr nachts sind die Basler Museen für die Besucher geöffnet.

Bis um zwei Uhr nachts sind die Basler Museen für die Besucher geöffnet.

Diese und weitere Fragen werden heute an der zwanzigsten Museumsnacht in rund vierzig Museen in und um Basel beantwortet.

Die Sonne ist längst am Horizont verschwunden. In den Trams herrscht Hochbetrieb – Wochenende. Aber die Museen verabschieden sich noch nicht in den Feierabend, denn ab 18 Uhr findet heute die zwanzigste Ausgabe der Museumsnacht statt. Bis tief in die Nacht hinein können Wissbegierige durch die Basler Museen touren.

Rund vierzig Kulturinstitutionen in Basel, Münchenstein, Saint-Louis, Riehen und Weil am Rhein machen mit. Die Bilanz zeigt: Das Angebot ist gefragt. 2019 besuchten den Event rund 40'000 Menschen; fast doppelt so viele wie bei der Erstausgabe 2001. Auch dieses Jahr erwartet die Gäste ein breit gefächertes Angebot.

Die legendäre Berliner Russendisco kommt nach Basel

Im Naturhistorischen Museum können die Besucher einem besonderen Spektakel beiwohnen: der Präparation eines im Tierpark Goldau verstorbenen Wolfes. Laut Museumsdirektor Basil Thüring sind die Arbeiten extra so eingeteilt worden, dass an der Museumsnacht nur noch die Haut übergezogen und zusammengenäht werden muss.

In einem anderen Saal steigen die «Science Slams». Drei Wissenschaftler vermitteln auf witzige und unterhaltsame Weise Inhalte ihres Fachgebietes. So erzählt der Historiker Benedikt Meyer, weshalb in Basel einst ein Hahn auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war. Natalie Rose befasst sich mit der Evolution der Fortpflanzungsmethoden und der Immunologe Dmitry Kopelyanskiy berichtet von Parasiten, welche die Kontrolle über das Gehirn ihrer Wirte übernehmen. Das jüdische Museum nimmt seine Gäste derweil auf eine kleine Weltreise mit. Die Lesungen, Konzerte und Ausstellungen spüren den weit gestreuten Spuren der jüdischen Kultur nach. Zum Abschluss steigt eine Jewish-Punk-Party mit dem Vater der legendären Berliner Russendiscos, Yuriy Gurzhy. Auch das Rathaus öffnet heute seine Türen.

Während der Stadtkenner «Grabmacherjoggi» kinderfreundliche Führungen leitet, zeigt der Historiker Peter Habicht seinen Gästen detailreich die architektonischen und künstlerischen Eigenheiten des Hauses. Dazu gibt der Kanton Einblick in Räume, zu denen dem Gemeinvolk normalerweise der Zutritt verwehrt bleibt.

Im Grossratsaal findet ein Perspektivenwechsel statt. Verschiedene Grossräte moderieren dort ein Polit-Quiz mit den skurrilsten und grusligsten Ratsentscheiden der Basler Politgeschichte. Die Besucher nehmen für einmal auf den Sitzen des Grossen Rates Platz und entscheiden sich von dort per Abstimmungsgerät für ihre Antworten auf die Quizfragen. Während der freien Besichtigung des Hauses kann es durchaus mal vorkommen, dass einem ein Regierungsrat über den Weg läuft und sich für einen kurzen Wortwechsel Zeit nimmt.

Und wie war das jetzt mit diesem hingerichteten Hahn? Das sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten, denn dafür gibt es ja den «Science Slam». Nur so viel: Es hatte was mit dem Legen von Eiern und einem Basilisken zu tun.

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