Veranstaltung am Wochenende
Architektur für alle: «Open House Basel» lockt mit ungeahnten Einblicken in spektakuläre Basler Bauten

Zum 4. Mal öffnen am Wochenende über 100 Basler Architekturperlen im Zuge des «Open House Basel» ihre Pforten für die Öffentlichkeit.

Julian Förnbacher Jetzt kommentieren
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Der Neubau des Amts für Umwelt und Energie ist eines von über 100 Gebäuden, durch das am Wochenende kostenlose Führungen angeboten werden.

Der Neubau des Amts für Umwelt und Energie ist eines von über 100 Gebäuden, durch das am Wochenende kostenlose Führungen angeboten werden.

zvg/jessenvollenweider

Einmal einen Blick in die Villa werfen, die einem jeden Morgen auf dem Arbeitsweg begegnet, einmal mit den Architekten hinter die Kulissen einer politisch viel diskutierten Baustelle blicken oder einmal die Geschichte eines historischen Basler Landguts kennenlernen? Am Wochenende wird dies möglich, wenn die 4. Ausgabe des «Open House Basel» ansteht. Über 100 Gebäude im Stadtkanton und dem nahen Baselbiet können dann besichtigt werden.

«Basel hat eine enorme Dichte an spannender Architektur zu bieten. Vieles davon nehmen wir im Alltag jedoch nur am Rande wahr. Wir wollen nun einen Einblick ermöglichen, der ein ganz anderes Bewusstsein für unseren Lebensraum eröffnen soll», erklärt Esther Baur, Co-Geschäftsführerin von Open House Basel und Präsidentin des Trägervereins die Intention hinter dem Projekt.

Wichtig sei dabei, so Baur, stets gewesen, dass man sich am Credo «Architektur für alle» orientiere: «Das ist für uns ein demokratischer Gedanke. Architektur betrifft uns alle in einem urbanen Lebensraum tagtäglich. Da ist es wichtig, Sphären aufzubrechen, in denen sich nur Fachleute darüber austauschen.» So ist der Blick ins Innere der Basler Architekturperlen etwa kostenlos, ebenfalls gibt es englischsprachige Führungen und ein Kinderprogramm, um weitere Bevölkerungsgruppen einzuschliessen.

Neuer Fokus in der 4. Ausgabe

Das 4. Open House wartet mit Einblicken in über 100 Bauten auf, die je nach Gebäude entweder auf eigene Faust oder mittels Führungen erkundet werden können. Rund 100 Freiwillige Helfer sowie Gebäudeeigner und die involvierten Architekturbüros ermöglichen dies.

Im Vergleich zu den vorigen Ausgaben wird in diesem Jahr ein neuer Fokus gesetzt. So sei etwa das Angebot überarbeitet worden, um möglichst viele neue Gebäude aufzunehmen. Daneben liege das Augenmerk in diesem Jahr besonders auf den Standorten Lysbüchel und Allschwil. «Ebenfalls gibt es neu eine Kooperation mit der 1. Architekturwoche Basel, durch die das Thema schon die ganze Woche in der Stadt präsent ist. Auf diese neue Dynamik sind wir gespannt», erzählt Baur.

Sechs aus über 100 – diese Gebäude können Sie besichtigen

Neubau Amt für Umwelt und Energie

zvg/Jessen Vollenweider

Am Fischmarkt und damit mitten in der Innenstadt gelegen, steht dieser 2021 vom Architekturbüro Jessen Vollenweider konzipierte Neubau. Ganz im Zeichen des Amts, welches er beherbergt, setzt der achtstöckige Bau auf eine ressourcenschonende Bauweise und vereint ein Holzskelett mit einer Fassade aus energiegewinnenden Photovolatikmodulen.

«Ein Leuchtturmprojekt, das die Herausforderung, energieeffizient und nachhaltig zu bauen und gleichwohl den ästhetischen Ansprüchen eines Innenstadtgebäudes gerecht zu werden, meistert», sagt Baur. Freie Besichtigungen und Führungen ohne Anmeldung.

Labor- und Forschungsgebäude ETH Zürich

zvg/nickl

Dass das Departement für Biosysteme der ETH Zürich auf dem Basler Schällemätteli-Areal baut, ist lange bekannt und seitdem vieldiskutiert. Nun eröffnet sich Interessierten die Möglichkeit, die über 36000 Quadratmeter grosse und auf zwei unterirdische sowie sechs überirdische Stockwerke verteilte Baustelle zu besichtigen. «Der Bau soll Mitte 2022 abgeschlossen werden, nun eröffnet sich die Möglichkeit, mit den Architekten und Architektinnen das Gebäude zu erkunden. Das sollte man sich nicht entgehen lassen», rät Baur. Durchgehend Führungen à 20 Personen nach dem Prinzip «first come, first serve».

Ehemaliges Kino Corso

zvg/Andreas Häner

Vom einst schmuddeligen Pornokino zur extravaganten Stadtwohnung – das frühere Kino Corso am Spalenring hat eine einmalige Transformation hinter sich. Eigentümer Andreas Häner führt durch sein Zuhause und präsentiert das Herzstück der Wohnung, eine Kunst- und Wunderkammer, die der griechischen Göttin Pallas Athene gewidmet ist. «Die Führungen sind bereits vollständig ausgebucht. Jedoch ist dies eine der wenigen Ausnahmen, für die man sich im Vorfeld anmelden musste», sagt Baur und ergänzt «diejenigen, die einen Platz ergattern konnten, dürfen sich auf einen Leckerbissen freuen.»

Kultur- und Gewerbehaus Elys

zvg/Martin Zeller

Der 2020 fertiggestellte Bau an der Elsässerstrasse widerspiegelt das, wofür das aufkommende Lysbüchel-Areal künftig stehen soll: Vielfalt. Auf 20000 Quadratmetern bietet das Elys Flächen für Büros, Gastronomie, Gewerbe, Vereine und Bands – sowie eine Event- und Kletterhalle. «Hier wird, wie im ganzen Areal, auf ressourcenschonendes Bauen gesetzt. Teile der Fassade sowie der Fensterfronten wurden aus Abrissen übernommen, was diesen Bau sowie das gesamte Areal auszeichnet», sagt Baur. Führungen ohne Reservation sowie freie Besichtigung möglich.

Jazzcampus

zvg/Georg Aerni

Mitten in der Kleinbasler Altstadt – und doch versteckt in einem Hinterhof – liegt der Basler Jazzcampus. Das Gebäude, welches im Jahr 1642 erstmals schriftlich erwähnt wurde, erfuhr zwischen 2011 und 2013 einen Um- und Neubau. Seitdem ist hier der Jazzcampus zuhause. «Mit welcher Sorgfalt hier Referenzen zur historischen Altstadt mit der heutigen Nutzung als musikalischer Stätte verschmolzen wurde, finde ich beeindruckend», sagt Baur. Wer sich davon selbst ein Bild machen möchte, kann dies am Sonntag auf den Führungen, für die es keine Reservation benötigt, tun.

Haus am Waldrand, Bottmingen

zvg/Philippe Wiget

Auch das Baselbiet macht mit beim «Open House». So etwa mit dieser versteckten Architekturperle am Bottminger Waldrand. Die Lage in der Natur nahm sich das Architekturbüro Daluz Gozalez für das 2016 fertiggestellte Einfamilienhaus, welches eine fünfköpfige Familie beherbergt, als Leitmotiv. «Schön, wie sich die internen räumlichen Abläufe über die zwei Stockwerke des Hauses entwickeln und welche wunderschönen Ausblicke sich dabei durch die grossen Fenster in die umliegende Natur eröffnen», schwärmt Baur. Führungen sonntags, pro Führung maximal 20 Personen.

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