Basler Unispital
Turm des Klinikums 2: Die Kritik ist immer noch fundamental

Den Kritikern gefällt die retouchierte Fassade des Klinikums 2 besser – aber der Turm neben der Altstadt kommt schlecht an. Für SP-Politiker Goepfert ist es ein "No-Go", so ein Hochhaus innerhalb der Grenzen des Stadtkerns.

Pascale Hofmeier
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Neue Visualisierung des Neubaus Klinikum 2 am Petersgraben mit dem umstrittenen Bettenhochhaus, im Hintergrund die Predigerkirche.

Neue Visualisierung des Neubaus Klinikum 2 am Petersgraben mit dem umstrittenen Bettenhochhaus, im Hintergrund die Predigerkirche.

Giuliani Hönger

Es geht um 60 Meter. Besser gesagt, um das maximal 60 Meter hohe Bettenhochhaus des geplanten neuen Klinikums 2 des Basler Universitätsspitals. Diesen Turm findet SP-Grossrat Daniel Goepfert daneben: «Ein Hochhaus innerhalb der Grenzen der Stadt von 1400, das ist ein No Go.» Von seiner Seite sei mit fundamentaler Opposition gegen den Bau des Bettenhochhauses zu rechnen, sagt er.

Die Kritik kommt völlig erwartet. Am Donnerstag haben das Universitätsspital und der Kanton gemeinsam das überarbeitete Projekt und den Bebauungsplan präsentiert und betont, der Ersatz des Klinikums 2 sei absolut notwendig. Ende März soll der Plan öffentlich aufgelegt werden – Widerstand und Einsprachen sind bereits in die weitere Planung einberechnet.

Inakzeptabel nahe an Altstadt

«Ich werde den Bebauungsplan sicher genau anschauen», sagt Goepfert. Er kritisiert das Projekt «Arcadia», seit es vor knapp einem Jahr den Projektwettbewerb gewonnen hat. Goepfert räumt ein, der Kanton und das Unispital hätten sich viel Zeit genommen, um die erste Version zu überarbeiten. «Bei der Fassade sieht man eine deutliche Verbesserung, auch im Bereich Petersgraben und Spitalstrasse.» Aber mit dem Hochhaus, da sei die «rote Linie» überschritten.

Als Mitglied der Bau- und Raumplanungskommission (BRK) des Grossen Rates ist er sicher, dass die Kommission seine Meinung teilen wird. Das bestätigt BRK-Präsident Conradin Cramer (LDP) nur indirekt. «Bevor wir uns äussern, warten wir den Bebauungsplan ab», betont Cramer. Er verweist auf den BRK-Bericht zum 74 Meter hohen Neubau des Biozentrums auf dem Campus Schällemätteli.

Darin steht unter «Städtebauliche Überlegungen», das Hochhaus könne aus der Fernwirkung «bestenfalls als erträglich» bezeichnet werden, zumal es genügend Abstand vom historischen Stadtkern habe. «Es kann zudem keinesfalls als Präjudiz für den Bau eines weiteren Hochhauses auf dem Areal des Universitätsspitals verstanden werden.»

Und weiter unten steht: «In jedem Fall muss die ästhetische Qualität des Stadtbilds vor übermässigen Beeinträchtigungen geschützt werden; diese Anforderung setzt etwa dem Hochhausbau in der nächsten Umgebung des historischen Stadtkerns enge Grenzen.»

Heutiger Bau «potthässlich»

Genau dieser Argumentationslinie folgt Goepferts weitere Kritik am neuen Klinikum 2. Er findet es unverständlich, dass das zweitplatzierte Projekt nicht ebenfalls weiterverfolgt wurde, zumal es ohne Hochhaus auskomme. «Eine öffentliche Institution hätte die Möglichkeit, wirklich moderne Architektur hinzustellen. Das kann ein klarer Kontrast sein, aber eingebettet», findet Goepfert. Hinter die Aussage der Planer, ohne Hochhaus könne das vom Spital benötigte Raumprogramm nicht erreicht werden, setze er ein Fragezeichen.

Klar sei, dass auch der heutige Bau «potthässlich» sei und betrieblich nicht mehr genüge. «Es ist klar, dass etwas gehen muss. Das Spital hat ein Anrecht darauf», sagt Goepfert. Aber es dürfe nicht passieren, dass eine Bausünde wiederholt werde. Und genau das wäre der Bau eines Turms an dieser Stelle aus seiner Sicht. Er räumt auch ein, dass es in Basel einen konservativen Grundreflex gebe. Was dort gebaut werde, müsse architektonisch überzeugen. «Natürlich kann man alte mit neuer Architektur kombinieren – aber das muss passen.» Ein Turm passe an Gleise, an Brücken, an den Bahnhof, aber nicht in die Altstadt.

Unterstützung erhält Goepfert vom Heimatschutz. «Man soll in der Altstadt keine Hochhäuser bauen», sagt Robert Schiess vom Heimatschutz Basel. «Das wird unsere Haltung bleiben.» Weiteres könne er erst sagen, wenn er den Bebauungsplan im Detail gesehen habe. Auch die neuen Visualisierungen wollte er nicht weiter kommentieren. «Visualisierungen sind immer Fälschungen, die mit viel Geld gemacht wurden. Nur begreifen das die Leute nicht.»

Nummer Zwei gefiel besser

Moderater äussert sich eine weitere Kritikerin, Grossrätin Christine Wirz-von Planta (LDP). Sie hatte letzten Herbst mit einer Interpellation den Entscheid der Wettbewerbsjury für das Projekt der Zürcher Architekten Giuliani und Hönger hinterfragt – sehr zum Unverständnis der Regierung und der Architekturszene. «Ich gebe zu, dass das überarbeitete Projekt nun freundlicher aussieht. Aber ich störe mich weiterhin am Turm.» Zwar sei dieser nach hinten versetzt, das ändere aber nichts an seiner Höhe. «Ich bedaure, dass man keine andere Lösung gefunden hat.»

Auch sie hinterfragt das Argument, man habe keine andere Möglichkeit, die betrieblichen Anforderungen und das Raumprogramm zu erfüllen: «Davon muss man mich erst noch überzeugen.» Und auch sie hält daran fest, dass ihr das zweitplatzierte Projekt der Basler Herzog und de Meuron besser gefallen habe. Ob sie sich für oder gegen den Bebauungsplan aussprechen wird, lässt Wirz offen und räumt ein: «Rein auf die ästhetischen Gesichtspunkte kann man sich wohl nicht konzentrieren.»