Jobsharing

Topsharing: Basel hinkt hinterher

Irene Kälin (l.) und Aline Trede (r.) wollen Jobsharing im Bundesrat. Sibel Arslan (Mitte) sähe das auch gerne in der Basler Regierung. (Archivbild)

Irene Kälin (l.) und Aline Trede (r.) wollen Jobsharing im Bundesrat. Sibel Arslan (Mitte) sähe das auch gerne in der Basler Regierung. (Archivbild)

In Sachen Topsharing hinkt Basel hinterher. Die Berner Regierung muss nach dem Entscheid des Parlaments einen Vorschlag ausarbeiten, wie Jobsharing in der Exekutive aussehen kann.

Der doppelte Regierungsrat: Die Idee der Linksaussenpartei Basta, bei den Basler Regierungswahlen im Herbst mit einer Co-Kandidatur anzutreten, war Tagesgespräch im politischen Basel. Lustigerweise hinkt die als linke Hochburg geltende Stadt in dieser Frage für einmal hinterher. Das Berner Stadtparlament beschloss im Herbst 2018 mit deutlicher Mehrheit, dass die Regierung prüfen solle, ob und wie man die Aufgaben ihrer Mitglieder auf mehrere Personen verteilen könnte. Und dies, obwohl sich der Berner Gemeinderat im Vorfeld klar gegen das sogenannte Topsharing ausgesprochen hatte.

Bei der Abstimmung im Stadtparlament stimmten neben den Grünen und der SP auch die Grünliberalen und Teile der FDP für den Vorstoss. Einzig die SVP sprach sich klar dagegen aus. Überträgt man diese Verhältnisse auf das Basler Parlament, so fände die Idee auch hier eine klare Mehrheit.

Bundesrat hat kein Gehör für Topsharing

Mit eingebracht hatte die Idee die Grüne Nationalrätin Aline Trede. Wenige Monate nach dem Entscheid des Berner Stadtparlaments startete sie einen Versuch im Bundesparlament. Die Landesregierung solle darlegen, wie Jobsharing auf Bundesratsebene funktionieren könne. Das Siebenergremium hielt allerdings nichts davon: Gemäss der Verfassung bestehe der Bundesrat aus sieben Mitgliedern. «Der Verfassungs- und Gesetzgeber hat mit dieser klaren Regelung zum Ausdruck gebracht, dass die Funktion einer Bundesrätin oder eines Bundesrats von einer einzigen Person wahrzunehmen ist und nicht auf mehrere Personen aufgeteilt werden kann», schrieb die Regierung.

Ein halbes Jahr zuvor war bereits Irene Kälin (Grüne, Aargau) mit einem Vorstoss zu Jobsharing in Kaderfunktionen und politischen Exekutivämtern abgeblitzt. Sie ist aber nach wie vor von der Idee überzeugt: «Gerade auf Gemeindeebene, wo es immer schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden, wäre die Möglichkeit interessant.» Doch auch auf Kantons- und Bundesebene würde man mit Jobsharing fachlich gewinnen. «Zwei Personen bringen nun mal mehr Ideen ein als eine.»

Auch Aline Trede will nach dem Rückschlag im Nationalrat das Thema nicht einfach abschreiben. Im neugewählten Parlament habe es viel mehr junge Eltern. Sie hoffe, dass da mehr Bereitschaft für neue Modelle besteht, so Trede.

Das Beispiel Bern zeigt aber auch: Für die Möglichkeit eines Jobsharings in der Basler Regierung bräuchte es wohl eine Verfassungsänderung. In Bern wurde dafür ein entsprechendes juristisches Gutachten in Auftrag gegeben. Wie beim Bund besagt auch die Basler Verfassung, dass die Regierung aus sieben Mitgliedern besteht. Juristisch liesse sich zwar argumentieren, dass Mitglieder nicht gleichbedeutend mit Personen sein müssen, allerdings bewegt man sich da auf dünnem Eis. «Das ist sicher eine sehr extensive Interpretation», sagt auch Marco Greiner von der Staatskanzlei. Für eine abschliessende Aussage müsste die Frage allerdings vertieft geprüft werden.

In der Wirtschaft ist das Modell auf dem Vormarsch

Während es in der institutionellen Politik noch keine Beispiele für geteilte Mandate gibt, ist man in der Wirtschaftswelt in dieser Hinsicht schon einen Schritt weiter. Jobsharing in der Führungsetage ist in der Schweiz zwar noch nicht verbreitet – aber auf dem Vormarsch.

Einige der grossen Schweizer Unternehmen setzen bereits heute auf geteilte Verantwortung in Chefpositionen. Die NZZ berichtete jüngst in einem Artikel über die prominentesten Beispiele im Banking-Bereich. Darunter sind Firmen wie Goldman Sachs oder die UBS, wo sich Iqbal Khan und Tom Naratil die operative Führung der Vermögensverwaltung teilen.

Auch in kleineren Unternehmen beginnt sich Jobsharing in Führungspositionen durchzusetzen. Ein bereits mehrfach zitiertes Beispiel ist dabei die Rechtsschutzversicherung CAP. Diana Pasquariello Schmid und Angelika Eckenstein-Haffer teilen sich die Leitung des Produktmanagements UWR seit sieben Jahren und arbeiten beide Teilzeit. Dass sie die Stelle teilen können, haben sie sich selbst zu verdanken: «Wir waren damals beide interessiert, aber als Mütter in Teilzeit schien diese Option für uns unrealistisch. Bis wir gemeinsam auf die Idee mit dem Topsharing kamen.»

Obwohl flexible Arbeitsmodelle an Bedeutung gewinnen, dominiert noch immer das Bild vom Manager, der rund um die Uhr arbeitet und alle Entscheidungen alleine trifft. Doris Aebi, Headhunterin beim Unternehmen Aebi + Kühni, das auf die Personalsuche im Management spezialisiert ist, hat noch nie eine Stelle mit zwei Personen besetzt. Was die Umsetzung des neuen Arbeitsmodells angeht, ist sie zurückhaltend: «Die Führung eines Unternehmens ist mehr als einfach ein Job. CEO ist man auch am Wochenende.» Sie betont, eine klare Aufgaben- und Kompetenzenaufteilung sei unerlässlich, würden zwei Personen sich eine Chefposition teilen.

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