Theater Fauteuil
Caroline Rasser über HD Läppli: «Das war eine grössere militärische Übung»

Corona zwang den tapferen Hilfssoldaten Läppli in die Knie – nun kehrt er für 26 Vorstellungen auf die Bühne des Theaters Fauteuil zurück. Es gibt noch freie Plätze.

Andreas W. Schmid
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Gilles Tschudi (rechts) spielt den HD Läppli im Fauteuil-Theater.

Gilles Tschudi (rechts) spielt den HD Läppli im Fauteuil-Theater.

Mimmo Muscio

Es war ein Kraftakt, den das Theater Fauteuil 2019 vollführte: Mit der aufwendigen Neuinszenierung des «HD-Soldaten Läppli», dem Volksstück von Alfred Rasser, gingen Caroline und Claude Rasser, die zusammen das Traditionshaus am Spalenberg leiten, volles Risiko ein – oder «All in», wie es auf Neudeutsch heisst.

Doch das Wagnis schien aufzugehen. Publikum und die Kritiker reagierten begeistert, alle angesetzten Vorstellungen waren schnell ausverkauft. Doch dann kam Corona, «und aus der erfolgreichsten Spielzeit unserer Theaterkarriere», sagt Caroline Rasser, «wurde die schwierigste».

Vorstellungen mussten reihenweise abgesagt und die Zuschauerinnen und Zuschauer vertröstet werden. Und als es dann endlich wieder weiterging, währte die Freude nicht lange, weil der zweite Lockdown oder aber die rigiden Schutzmassnahmen weitere Theaterabende verunmöglichten; dennoch kamen in den zweieinhalb Jahren seit der Premiere 104 Vorstellungen zu Stande.

Mehrfachbesetzungen zur Absicherung

Nun folgt das nächste Comeback des gutmütig-renitenten Hilfssoldaten Theophil Läppli: Bis zum 12. Juni sind 26 weitere Aufführungen geplant. Dafür haben die Theatermacher erneut viel investiert. Sie erweiterten das bisher 14-köpfige Ensemble um elf Schauspielerinnen und Schauspieler und besetzten alle Rollen doppelt oder sogar dreifach – ausser jene von Läppli mit dem brillanten Gilles Tschudi.

Die Mehrfachbesetzungen sind einerseits eine Sicherheit, falls Omikron auch hinter den Kulissen des Kellertheaters weiter wütet, andererseits aber auch nötig, weil einige der Akteure in der läpplifreien Zeit noch andere Verpflichtungen eingingen, die nun weiterlaufen und sich mit den Vorführungen im «Fauteuil» in die Quere kommen. «Damit der Einsatzplan am Ende für alle stimmte, brauchte es eine grössere militärische Übung», sagt Caroline Rasser im Jargon einer Kommandantin.

Auch sonst stieg der Aufwand. Mehr Schauspieler bedeuten mehr Kostüme, die angefertigt werden müssen. Die Proben verliefen noch intensiver, weil so viele Neue dabei waren. Und die Platzverhältnisse hinter der kleinen Bühne waren zeitweise äusserst prekär, mit 25 Darstellerinnen und Darstellern sowie 14 Bühnenbildern. Die Theaterdirektorin ist aber überzeugt, dass sich der ganze Effort ausbezahlen und sich das Publikum freuen wird, Läppli wieder sehen zu können.

Keine Experimente oder Veränderungen

Gar als Glücksfall bezeichnet sie es, dass man sich seinerzeit dafür entschieden habe, detailgetreu auf die Originalversion ihres Grossvaters Alfred Rasser zu setzen und sich nicht auf irgendwelche Experimente und inhaltlichen Veränderungen einzulassen. «Denn der Original-Läppli ist zeitlos und passt zu jeder Weltlage, auch oder gerade zur jetzigen», sagt Caroline Rasser, «das wurde mir bei den Proben an mehreren Stellen des Stücks wieder bewusst.»

Ob es nach dem 12. Juni weitere Vorstellungen geben wird, ist noch unklar. Vor Corona hätten Veranstalter in anderen Städten grosses Interesse am «Läppli» bekundet. Seit Ausbruch der Epidemie liegen diese Gespräche brach, in allen Theatern haben sich die Spielpläne und die ganze Situation verändert. Genauso wie beim Theater Fauteuil: Während der «Läppli» bisher stets ausverkauft war, gibt es jetzt noch Tickets. «Das Publikum bucht kurzfristiger als vor der Pandemie», sagt Caroline Rasser.

HD-Soldat Läppli. Theater Fauteuil, Basel. Bis 12. Juni 2022. www.fauteuil.ch

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