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Teams leisten mehr als Einzelkämpfer: Novartis-Chef hält Plädoyer für Diversität

In der Forschung erleidet der allergrösste Teil der Projekte Schiffbruch: Vas Narasimhan über das Scheitern bei Novartis.

In der Forschung erleidet der allergrösste Teil der Projekte Schiffbruch: Vas Narasimhan über das Scheitern bei Novartis.

Novartis-Chef Vas Narasimhan sprach am Montag in der Aula der Uni zu grossen Veränderungen seiner Branche.

«Es braucht diesen Sinn für Neugier», sagte Novartis-Chef Vas Narasimhan an einem Vortrag vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft. Und Basel sei ein Beispiel dafür wie es gehen soll: Die Industrie hat sich von einer Farbenchemie-Industrie zu einer breiten chemischen Industrie und später zu einer weltweit tonangebenden Pharma-Region gewandelt. Er nannte in diesem Zusammenhang zwei Namen vom vergangenen Jahrhundert, als die Pharmazie als Wissenschaft richtig grosse Fortschritte machte: Friedrich Miescher, der sich mit Nukleiden (in Zellen vorhandenen) Säuren befasste, und Gertrude Elion, die den Nobelpreis für strukturgezeichnete Medikamentenentwicklung erhielt.

Der Wandel werde weiter gehen, sagte Narasimhan in der vollbesetzten Aula der Uni Basel. Die jüngsten Forschungs- und Entwicklungsgebiete liegen im Bereiche der re-programmierten Zellen, mit denen Krebs sozusagen von innen heraus bekämpft werden kann. Und er erzählte auch von einem Beispiel eines Kindes, das die schreckliche Muskelschwund-Krankheit, die Spinal Muscular Athropy, hatte. Hier brachte Gentherapie eine effektive Besserung.
Künftig werde in der Pharmaindustrie die Informationstechnologie einen noch viel grösseren Stellenwert bekommen, ist Narasimhan überzeugt.

«Bei Novartis eine Kultur der Innovation schaffen», das war das Thema seines Vortrages, und angesichts der Breite und Komplexität musste sehr viel im Allgemeinen bleiben. Die wichtigste Erkenntnis: Teams leisten mehr als Einzelkämpfer. Und es braucht Chefs, die das erkennen und die auch erkannt haben, dass vielfältige Teams schlagkräftiger sind als – man möchte sagen – einfältige. Diversität ist das Schlagwort, und er zitierte dazu den Titel des Buches «Collective Genius». Gemeinsame Erfolge – aber auch Misserfolge – gehören dazu, die «Kultur» des Scheiterns. Denn in der Forschung erleidet der allergrösste Teil der Projekte Schiffbruch. Das gehört quasi zum Alltag (nicht nur bei Novartis, sondern bei praktisch allen forschenden Spitzenfirmen). Misserfolge müssen aufgearbeitet werden können. Das erfordert Flexibilität. Weitere wichtige Stichworte sind der Ideenwettbewerb und das Denken über Grenzen hinweg.

Diese neuen medizinischen Technologien werden zweifelsohne die Geschäfts- und Bezahlmodelle der Gesundheitsindustrie verändern. Denn künftig werden den Patienten statt über Jahre dauernde Behandlungen künftig möglicherweise vermehrt nur noch Einzelinjektionen verabreicht, die den Krebs ein für allemal besiegen. Für Narasimhan war Basel im übrigen kein unbekannter Ort, erzählte er. Sein Grossvater war der erste der Familie, der überhaupt eine höhere Schule besuchen konnte und der Indien verliess. Er machte in den Fünfzigerjahren ein Praktikum bei Ciba.

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