Advent

So bunt klingt die Klimakrise: Der etwas andere Adventskalender

Evelinn Trouble frönt im Kalender 2019 ihrer Liebe zum brasilianischen Bossa. (zvg)

Evelinn Trouble frönt im Kalender 2019 ihrer Liebe zum brasilianischen Bossa. (zvg)

Hinter den 24 Türchen von Evelinn Troubles Weihnachtskalender warten tropische Songminiaturen

Man darf nicht verraten, welche Musikschaffenden hier zu hören sind. Schliesslich ist die Überraschung ein wichtiger Bestandteil eines Weihnachtskalenders. Doch so viel sei verraten: Es ist ein bunter Reigen geworden mit Kürzestsongs von lokalen, nationalen und – zumindest in einem Fall – internationalen Künstlern, den Evelinn Trouble zusammengetragen hat. Die in Basel wohnhafte Zürcherin wurde vergangenes Jahr mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet.

Zum vierten Mal kuratieren Sie einen musikalischen Weihnachtskalender. Wie entstand die Idee?

Evelinn Trouble: Ich habe vor drei Jahren angefangen, Miniaturen zu schreiben, sehr kurze Lieder mit willkürlichen Texten. Lange wusste ich nicht, was ich mit denen machen soll. Dann kam mir die Idee eines Weihnachtskalenders. Aber 24 Songs hatte ich nicht beisammen, also fragte ich befreundete Künstler an.

Haben Sie einen Überblick über die Klickzahlen?

Damit hab ich mich noch nicht befasst. Die Resonanz war jedoch gefühlt grösser als wenn ich alleine etwas mache. Das Projekt scheint viele Leute anzusprechen, auch weil es etwas Kollektivistisches hat.

Müssen Sie Acts ablehnen?

Da man sich nicht bewerben kann, muss ich auch nicht oft Nein sagen. Ich musste jedoch schon Songs ablehnen, weil das Konzept nicht umgesetzt war oder der Song am Thema vorbeiging. Da muss ich radikal sein, sonst zerfällt das Konzept.

Ist die Beschränkung auf eine Minute ein Zugeständnis an die Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten oder eine bewusste Herausforderung an die Musiker?

Da wir vor allem via Instagram ins Gefecht gehen, geht mehr als eine Minute technisch nicht. Zudem ist es herzerwärmend, wie sich die Künstler mit dem Thema und der Beschränkung herumschlagen. Nächstes Jahr reduziere ich auf 45 Sekunden, das wird sicher noch lustiger.

Sie haben drei Stücke beigesteuert. Aber auch Ihr neuer Song «Made of Rain» dauert nur zwei Minuten. Entdecken Sie die Liebe zur Kürze?

Ich experimentiere seit zwei Jahren in meinem Songwriting damit. Es geht darum, die Message auf ihre Essenz zu kondensieren, das macht sie ungemein stark. Mein Rekord bisher ist «Goodbye»: drei Jahre Herzweh resümiert in drei Minuten.

Wie kamen Sie auf das diesjährige Motto «Tropical»?

Ich bin mit dem Sound von Brasil 66 aufgewachsen, einer brasilianische Bossa-nova-Band aus den Sechzigern. Ich wollte einen Kalender, der so klingt. Es lag für mich auf der Hand, das Thema mit der Klimaerwärmung in Verbindung zu bringen, deshalb haben wir Music Declares Emergency als Co-Präsentatoren dazugeholt, eine Organisation, die sich für Nachhaltigkeit in der Musikindustrie einsetzt.

Ist der Kalender bewusst vergänglich angelegt?

Ich sehe den Kalender als neuzeitliches, digitales Projekt, deshalb macht ein physischer Release für mich keinen Sinn. Er bleibt aber auf der Website abrufbar.

Der Adventskalender ist online zu finden oder als tägliches Newsmail bestellbar: http://trouble.christmas

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