Aus bisher ungeklärten Gründen hat der Kapitän des Frachtschiffs «Camaro VI» am Donnerstag um 18.30 Uhr die Kontrolle über sein Schiff verloren. Leservideos zeigen, dass das Basler Feuerwehr-Schnellboot bereits in Schiffsnähe war, als dieses die Mittlere Brücke passierte. Gemäss Polizeiangaben war zu diesem Zeitpunkt eine Steuerung des havarierten Schiffs nur noch mit den Bugstrahler möglich, der Antrieb ist ausgefallen.

Laut der Kantonspolizei Basel-Stadt kam es bereits an der Mittleren Brücke zu einer seitlichen Kollision mit dem Brückenpfeiler. Gesichert ist, dass das Schiff durch eine der Öffnungen fuhr, die gemäss Rheinschwimmkarte eigentlich den Schwimmern vorbehalten ist, wie auf einem Leservideo der bz deutlich zu sehen ist. Aufzeichnungen des internationalen Schiffortungsdienstes marinetraffic.com zeigen, dass das Schiff mit 9,2 Knoten auf die Mittlere Brücke zutrieb, was rund 17 Kilometer pro Stunden entspricht.

Tausende Zeugen am Ufer und auf den Fähren

Die Unglücksfahrt des Frachters «Camaro VI» auf dem Rhein in Basel

Die Unglücksfahrt des Frachters «Camaro VI» auf dem Rhein in Basel

Screenshot marinetraffic.com.

Tausende Menschen, die sich am Feierabend am Rheinufer aufhielten, wurden danach Zeuge der dramatischen Szenen. Gegenüber der bz erzählt ein Augenzeuge, dass das Schiff scheinbar unkontrolliert auf die Johanniterbrücke zutrieb und ein heftiger Aufprall zu hören gewesen sei. Dies zeigt auch ein Leservideo, das «20 Minuten» veröffentlichte.

Gemäss einer ersten Auskunft des Polizeisprechers Toprak Yerguz noch vor Ort am Basler Hafen dauerte es insgesamt rund 20 Minuten, bis das Schiff stabilisiert und in Sicherheit gebracht werden konnte. Berichte über verletzte Schwimmer lagen bis Redaktionsschluss nicht vor. Bereits zum Unfallzeitpunkt ergingen per Funk Warnungen an die abends von Passanten gut frequentierten Basler Fähren, die entsprechend am Ufer blieben und die Fahrgäste von Bord baten.

Yerguz sagte am Donnerstagabend: «Die Kantonspolizei Basel-Stadt und die Feuerwehr haben dafür gesorgt, dass keine Schwimmer im Rhein waren, während das Schiff manövrierunfähig war.» Die drei Personen an Bord der «Camaro VI» – der Schiffsführer, ein Lotse und ein Besatzungsmitglied – blieben unverletzt.

Bereits die zweite Schiffshavarie in diesem Juli

Wie gross der bei der Havarie vom Donnerstag entstandene Sachschaden ist, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. «Die Schadensmessung an Schiff und Brücken läuft», so Yerguz.
Beim Unfallschiff handelt es sich um ein 110 Meter langes und 11,5 Meter breites Frachtschiff, das gemäss Recherchen der bz normalerweise im Koppelverband mit dem Schwesterschiff «Camaro V» unterwegs ist. Gestern war dies nicht der Fall, obwohl die «Camaro V» zurzeit ebenfalls in Basel liegt. Die zuständige Reederei war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dieser Camaro-Koppelverband verfüge über 50 Anschlüsse für Kühlcontainer, wie sie für den Pharma-Export nötig sind. Diese Massnahme wurde unter anderem mit höheren Preisen von Schiffsraum begründet.

Bei der Havarie handelt es sich bereits um den zweiten Schiffsunfall auf dem Rhein in diesem Monat. Bereits anfangs Juli kollidierte ein leerer Tanker mit dem Elsässerrheinweg auf Höhe des Novartis-Campus. Der Uferbereich wurde dabei beschädigt, der Schiffsführer und die drei Matrosen an Bord blieben dabei ebenfalls unverletzt. Allerdings war wegen des eingedrückten Bugs sowie Uferwegs mit einem beträchtlichen Sachschaden zu rechnen.