Rutschmadame
Värs-Glück dank Apostel Thomas

Kolumne von Martina Rutschmann.

Martina Rutschmann
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Die TV-Schnitzelbänke dürfen jetzt trotzdem stattfinden.

Die TV-Schnitzelbänke dürfen jetzt trotzdem stattfinden.

Bild: Kenneth Nars

Was habt Ihr geheult! Weil ein Herr mit Engel und Skigebiet im Namen wegen eines Virus Schnitzelbänke viral verbieten liess. Und was war mit mir? Ewig hatte ich der einzigen legalen Vorfasnachtsveranstaltung entgegengefiebert. Und dann? Ging mein Knie kaputt und ich musste mich am Mittwoch, als die Internetshow begann, auf dem klinischen Schragen einer «Gelenktoilette» unterziehen lassen. Es war eine herrliche Abwechslung, aber lieber hätte ich gesehen, wie eine bunte Binggis-Schar das Parlament stürmt und quereinsteigende Fasnächtlerinnen mitteljunger Garden mit artgerechten Tesla-Chaisen auf den regierungsrätlichen Thron gepfiffen werden. Als die Narkose nach dem Bein endlich auch mein Hirn ermüdete, verwandelte sich die Mondlandschaft, die das zerrüttete Knie von innen zeigte, in den sauglattesten Fasnachtsevent, den ich je in einer Pandemie erlebt habe.

In Homeoffice-M(ont)üry hoppelte Binggis-Obmaa Laurin auf die Bühne und bot ein Rahmestiggli voller Fasnachtshumor! Klima und Wandel müssten verschwinden, forderte er, wohlwissend, wie vergiftet das Klima beim virtuellen Publikum nach dem Värsli-Brinzle-Verbot war. Zumal es nicht irgendein herzloser Virologe ausgesprochen hatte, sondern ein Engel im Nächstenliebe-Goschdym. Was war bloss in ihn marschiert, woher dieses plötzliche Intrigieren? (Rutschwaggis denkt nach.) Das Räppli ist gefallen! Der Mann hat neulich den heiligen Pfad in Richtung Reich der Mitte verlassen. Dass christliche Werte dort genauso wenig zählen wie ein lauwarmer Vers, weiss jeder Tambour. Dem Rahmestiggli-Binggis dämmerte, dass bei diesem plötzlichen Klimawandel Improvisationstalent gefragt ist, und richtete den Blick hilfesuchend zu seinem Gegenstück, dem ältesten Herrenfasnächtler der Saal-Clique, der als Apostel Thomas Müry ausserdem als Einziger des 100-köpfigen Ensembles den Draht nach oben noch pflegt. Er sprach: Es mag kein öffentliches Interesse bestehen, ein göttliches aber sehr wohl! Urbi et orbi und frohe Ostern. Kompromissbereit, wie die Mitte nun mal ist, betrat der Engel mit hängenden Flügeln den Berg. Na gut, predigte er in seine Mund-Nasen-Larve, ich nehme das Verbot ein bisschen zurück, aber nur, weil der beste Schnitzelbänkler nicht singt, sondern rappt und ein Rampass ist. Vorhang zu, Applaus.