Rutschmadame
Keine Ruhe nach dem Bündelitag

Woche für Woche nimmt die Rutschmadame das regionale Geschehen aus dem Blickwinkel des nahen Elsass aufs Korn. Heute: Die bevorstehenden Ferien.

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
Drucken
Warum in die Ferne reisen? Das Gute liegt doch so nah.

Warum in die Ferne reisen? Das Gute liegt doch so nah.

Chris Iseli

Daunenjacke einpacken oder reichen Trägershirts? Und die Schuhe! Sandalen oder Stiefel? Tabletten gegen Magengeschichten und Allergien, Nasenspray, Verbandszeug. Da fehlt doch was! Apotheken, gibt es das dort? Und die Bücher. Lesen wir, wenn es anderes zu tun gibt? Gibt es dort zu tun? Und die Betten in der Fremde. Was, wenn die Matratzen durchhängen oder hart sind wie Stein? Überhaupt: Sauberkeit! Haare im Bad, klebrige Küchenablage. Igitt! Und Viecher! Spinnen, Skorpione, Petermännchen! Zuhause alles organisiert? Wer giesst die Pflanzen? Wer leert den Briefkasten? Was, wenn es brennt? Ein Einbrecher kommt?

Der Bündelitag rückt näher. Und mit ihm die Sommerferien. Womöglich Coronapocken-Ausbrüche. Ganz sicher aber: Staus. Die Warterei auf den Flughäfen, sofern noch Flüge abheben und nicht alle wegen Personalmangels eingestellt werden. Noch schlimmer: eine Panne während des Flugs. Notlandung. Das Gepäck, verschollen! Hätten wir das Necessaire, das heute aus unerfindlichen Gründen Kulturbeutel heisst, ins Handgepäck genommen. Der Shuttle wartet. Weit und breit kein Schild mit dem eigenen Namen. Was tun wir hier? Es regnet und ist kalt. Blödes Klima! Nächstes Mal: Island, da ist es wenigstens immer kalt. Heimweh.

Wie schön es war, Mitte Juni in Basel, als wir uns wunderbar aufregen konnten über die bepflanzten Stadtbrunnen. Die Glanzidee, Wasser durch Salat zu ersetzen, kam von StadtKonzeptBasel. StadtKonzept – wie bitte? Pro Innerstadt war gestern, ausgedient, neuer Name, neue Ideen. Beides ein Schuss in den Ofen, egal, es gibt Schlimmeres! Die Kinder auf dem Rücksitz. Wann sind wir da? Ich muss aufs Klo! Ich habe Hunger! Haltet den Mund, andere fahren gar nicht weg! Wahrscheinlich haben sie recht. Sommerferien, das bedeutet Stress. Vorher, während – und danach, wenn wir das Souvenir-Gerümpel entsorgen und feststellen müssen, dass das Super-Feriengetränk zu Hause wie Seifenwasser schmeckt.

Was tun? Daheimbleiben? Gute Idee! Wenn es so weitergeht mit den Flugstreichungen ist es auch schön still über Basel. In Basel sowieso. Und nach dem vorzeitigen Abbruch des Salat-Brunnen-Projekts gibt es keinen Grund mehr, eine Revolution anzuzetteln. Was braucht der Mensch zwingend, wenn er sich erholen will? Ruhe! Und Vorfreude. Auf die nächste Reise.