Rosental Mitte

Rosental-Areal wird «Rosental Mitte»: Ältestes Chemieviertel Basels soll vollwertiger Stadtteil werden

Das Rosental-Areal, ältestes Chemieviertel Basels, soll zum durchmischten Stadtteil werden – neue Hochhäuser inklusive.

Noch ist das Rosental-Areal zwischen Messe und Badischem Bahnhof das pure Gegenteil des «vollwertigen Stadtteils», das es einmal werden soll. Das Geviert gleicht einer verbotenen Stadt in der Stadt. Die Drehtüre an der Mattenstrasse 42A lässt sich nur mit einem Badge bewegen. Mehr als 3000 Menschen arbeiten hier für 30 verschiedene Firmen. An diesem kalten Wintertag wirkt das Areal wie ausgestorben. Hin und wieder huscht ein Mensch verloren durch die Strassen ohne Namen, meist in Richtung des «Biolands», eines grünen Pavillons, der als Kantine dient und sehr provisorisch aussieht.

Herzog & de Meuron als naheliegende Lösung

Viele Meter oberhalb davon, im siebten Stock eines der vielen anonymen Gebäude, wird derweil die Zukunft des Areals skizziert. Ein Gebiet, das einst Kern der Geigy AG war, später von der Novartis-Abspaltung Syngenta gekauft wurde, dann von einem Fonds in Gibraltar und nun zum grössten Teil dem Kanton gehört. «Rosental Mitte» soll es künftig heissen, ein Grafikbüro hat sich dazu ein Logo ausgedacht. Der Baudirektor ist da, die abtretende Finanzdirektorin, der Kantonsbaumeister, Vertreter von Immobilien Basel-Stadt sowie Pierre de Meuron von Herzog & de Meuron. Dass seine Architekturfirma ohne Ausschreibung mit dem Auftrag betraut wurde, die Zukunft des für Basel bedeutend grossen Gevierts zu planen, begründet Kantonsbaumeister Beat Aeberhard beinahe entschuldigend wie folgt: Herzog & de Meuron hätten vor längerer Zeit bereits für einen damaligen privaten Eigentümer die Transformation des Areals angedacht. Die Auftragsvergabe sei daher sehr nahe gelegen.

So liegt es an Pierre de Meuron, vor den Medien sein «Narrativ» zu einem «recht bedeutenden Projekt» für die Stadt Basel darzulegen. Er folgt auch beim Rosental-Areal dem langjährigen Credo seines Büros: Das bisher geschlossene Geviert soll dort, wo es gegenwärtig sinnfällig und sogar historisch nachvollziehbar ist, geöffnet werden. Es soll punkto Nutzung wie architektonisch Verbindung zur direkten Stadtumgebung aufnehmen und als einer von mehreren «Clustern» im Stadtkanton neue Hochhäuser beherbergen.

Der letzte Punkt dürfte in der politischen und öffentlichen Diskussion der heikelste werden, dessen sind sich alle Referenten an dieser Medienkonferenz bewusst. Entsprechend zeigt das hölzerne Stadtmodell mithilfe von matt schimmernden, weisslichen Klötzen nur volumetrische Formen und keine architektonischen Ideen. Bis zu 160 Meter hoch könnten die Hochhäuser auf dem Rosental-Areal nach Baugesetz werden. Den Einfluss auf das Stadtbild zeigen Visualisierungen aus dem Hause Herzog & de Meuron, die jedoch den Medien nicht digital geliefert werden, sondern von den Wänden abfotografiert werden müssen (siehe Bild oben). Die Furcht vor einem PR-Desaster à la «Rheinhattan» auf der Klybeckinsel steckt den Basler Stadtplanern immer noch tief in den Knochen.

Entwicklung von aussen nach innen

Weitgehend unbestritten, diese Prognose sei gewagt, dürften die Pläne der Nutzung sein: Auf dem künftigen Areal «Rosental Mitte» wird mehrheitlich gearbeitet werden. Zu den bestehenden 3000 Arbeitsplätzen sollen in den kommenden Jahrzehnten 3000 bis 5000 dazukommen. Ein «differenziertes Wohnangebot» – oder, wie Pierre de Meuron sagte: «Keine Luxuslofts» – soll für zusätzliche 1100 bis 2200 Stadtbewohner sorgen. Dazu kommen in den Erdgeschossen «öffentlichkeitswirksame Nutzungen» wie Cafés, Bars, Freizeit- oder Sporteinrichtungen.

Das Areal wird sich in mehreren Schritten verändern und die Wandlung «von aussen nach innen» erfolgen. Sprich: Die Entwicklung von einer verbotenen Stadt zu einem neuen Stadtquartier wird für Aussenstehende bald durch kleinere oder grössere Eingriffe sichtbar. Dazu gehört auch der angedachte Rosentalplatz, der im Norden des Gevierts die Anbindung an den Badischen Bahnhof sicherstellen soll. Wie die vierspurige Strasse zwischen Bahnhof und Platz überwunden wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Der Reiz der Ideen von Herzog & de Meuron liegt wie so oft im Detail: Eine differenzierte Mischung aus Erhalt und Neubau soll den ursprünglichen Charakter des Geländes auch in Zukunft sichtbar lassen – Hochhäuser hin oder her. Gründerzeitgebäude an Strassenecken sollen ebenso erhalten bleiben wie alte Verwaltungsgebäude im Arealinnern.

 

Eine öffentliche Anhörung zum städtebaulichen Leitbild «Rosental Mitte» findet am Montag, 27. Januar um 19 Uhr in der Aula des Sandgrubenschulhauses statt.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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