Kündigung

Peterskirche schmeisst beliebte Organistin raus und alle fragen warum

Babette Mondry, dle Organistin der Basler Peterskirche, hat die Kündigung erhalten.

Babette Mondry, dle Organistin der Basler Peterskirche, hat die Kündigung erhalten.

Die reformierte Kirchgemeinde Basel West hat Babette Mondry gekündigt. Die Meldung ist für viele Musikbegeisterte und für Besucher der Peterskirche in Basel ein Schock. Als offizieller Grund werden «gravierende Zerwürfnisse» angegeben.

Die Meldung ist für viele Musikbegeisterte und für Besucher der St. Peterskirche in Basel ein Schock. Die allseits beliebte und geschätzte Organistin Babette Mondry muss gehen. Als offizieller Grund werden «gravierende Zerwürfnisse» angegeben. Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Basel West hat ihr als Titularorganistin von St. Peter gekündigt. Auch ist sie nicht mehr künstlerische Leiterin der Orgelkonzerte zu St. Peter, die sie zu Beginn ihrer Anstellung gegründet hat. Mondry ist dadurch ebenso der Gestaltung der Universitätsgottesdienste enthoben. Sie darf auf der Silbermann/Lhôte-Orgel, die sie in den 15 Jahren bis ins Innerste kennt und als ihre musikalische Seele lieb gewonnen hat, nicht mehr spielen.

Keine Gespräche geführt

Öffentlich wurde der Sachverhalt anders kommuniziert in der «Mitteilung betreffend die Organistin St. Peter vom 27. November des vergangenen Jahres. Da heisst es «Mit Bedauern teilen wir Ihnen mit, dass Babette Mondry in diesen Tagen unsere Kirchgemeinde und damit auch den Freundeskreis Orgelmusik verlässt». Das klingt aufs erste, als ginge die Organistin von sich aus. Dann folgt ein langes Lob über ihr ausserordentliches Engagement, die hohe künstlerische Qualität ihres Spiels und wie sie die Peterskirche als Konzertort mit einer Ausstrahlung weit über Basel hinaus etabliert hat. Erst im zweiten Abschnitt ist vom Zerwürfnis die Rede, das eine weitere Zusammenarbeit unmöglich mache. Auf das Schreiben folgte die sofortige Freistellung Mondrys. Sie musste den Orgelschlüssel abgeben.

Leonhard Müller, Präsident des Kirchenvorstands Basel West, der die Kündigung ausgesprochen hat, verweigert jede Auskunft darüber, weshalb sich die Kirche plötzlich von Mondry trennt. Um «die Persönlichkeit von Frau Mondry zu schützen», sagt er.

Die bz hat Informationen, dass der Kirchenrat mit Babette Mondry nie über Probleme zwischen der Kirchgemeinde und ihr gesprochen habe. Dass er sie nie zum Gespräch eingeladen worden ist, bevor er die Kündigung beantragt hat. Die Kündigung kam für Babette Mondry unerwartet und traf sie, als sie krankgeschrieben war. Damit ist sie rechtlich eigentlich ungültig.

Von langjährigen Spannungen wird gesprochen. Aber hätte die Kirchgemeinde 2013 das Pensum von Babette Mondry wegen der musikalischen Zusatzaufgaben auch bei den Universitätsgottesdiensten aufgestockt, wenn grosse Spannungen zwischen dem neuen Pfarrer Benedikt Schubert und ihr bestanden hätten? Das wirkliche Motiv für die Kündigung dürfte kaum in der viel gelobten Kirchenarbeit liegen. Eher ist ein Streit des neuen, vom früheren Basler Regierungsrat Hans-Martin Tschudi präsidierten Vorstand des Freundeskreises Orgelmusik St. Peter mit der künstlerischen Leiterin Babette Mondry anzuführen. Dies bestätigt Guy Bovet, der frühere Orgeldozent an der Hochschule für Musik Basel, Ehrenmitglied des Freundeskreises und Experte der Revision der Peterskirchenorgel.

Der Freundeskreis ist 2000 zusammen mit Mondry gegründet worden und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Konzerte zu unterstützen. Es gab keinen Vorstand, sondern ein Patronatskomitee und der Freundeskreis war unabhängig von der Quartiergemeinde St. Peter. Mit dem neuen Vorstand wurde der Kreis eingegliedert in die reformierte Kirchgemeinde Basel West. Sein Auftrag sei klar formuliert, sagt Tschudi: Der Vorstand ist verantwortlich für die Organisation der Konzerte. Das einzig Neue sei, dass der Vorstand den losen Freundeskreis in einen Verein umgewandelt und ihm dadurch eine klare Struktur gegeben habe.

Tschudi verneint, dass die Kündigung auf eine Auseinandersetzung des Freundeskreis-Vorstandes zurückgeht. Er bestätigt, dass es um Corporate Identity und die künstlerische Planung Diskussionen gegeben habe – dies im üblichen Rahmen, wie es sie in jedem Gremium gäbe. Mit der Kündigung hätten er und sein Vorstand nichts zu tun. Er habe erst von Leonhard Müller davon erfahren.

Gruppe setzt sich für Mondry ein

Die bz ist aber darüber informiert, dass Babette Mondry in einen Programmrat des Vorstandes hätte eingebunden werden sollen. Dies lehnte sie als künstlerische Leiterin ab. Sie hat die Orgelgrössen wie Ton Koopman, ein Pionier im Bereich der Alten Musik, Marie-Clarie Alain, die 2013 verstorbene Grand Dame der Orgel, oder Olivier Latry, den Organisten von Notre Dame de Paris, nach Basel gebracht – dank ihrer Vernetzung in der internationalen Musikszene. Sie hat den Countertenor-Star Andreas Scholl für ein Pfingstkonzert gewonnen. Ihr ist die geniale Live-Improvisation des Organisten Rudolf Lutz zu Fritz Langs «Metropolis» in der Peterskirche zu verdanken. Sie gab den Konzerten ein klares Profil und bettete sie in Basels Musikszene ein.

Dass sich Babette Mondry für ihre Kompetenzen wehrte, ist verständlich. Der Vorstand reagierte darauf, in dem er sie für ein Jahr freistellen und in ein Sabbatical schicken wollte – gegen ihren Wunsch und Willen. Diese Sitzung nahm Mondry erkennbar auf Tonband auf. Sie wusste nicht, dass das rechtlich problematisch sei. Als sie es erfuhr, entschuldigte sie sich offiziell und überreichte Pfarrer Schubert das Band. Er nahm die Entschuldigung an. In der Kündigung wird die Tonbandaufnahme aber als Hauptgrund erwähnt. Wurde da gefunden, wonach man gesucht hat?

Wollte der Freundeskreis-Vorstand unter Tschudi die künstlerischen Kompetenzen von Mondry doch einschränken und sich mit aufs Parkett der künstlerischen Planung hieven?

Weit über Musikerkreise hinaus löste die Kündigung Proteste aus. Der renommierte Organist Thilo Muster startete eine Petition, die von 120 Personen unterschrieben wurde. Darunter sind viele bekannte Musikerpersönlichkeiten und Komponisten. Ton Koopman setzt sich für Mondry ein, ebenso Heinz Holliger, einer der grossen Komponisten unserer Gegenwart. Auch viele Mitglieder des Freundeskreises und der Kirchgemeinde reagieren empört. Sie schätzen die herausragende künstlerische und kirchliche Arbeit von Babette Mondry. Sie alle haben vom Kirchenvorstand wie vom Kirchenrat Basel-Stadt ausschweifende bis gar keine Antwort erhalten.

Nun hat sich um Kirchenmitglieder und Guy Bovet eine Gruppe gebildet, die sich für den Verbleib von Babette Mondry als Organistin der Peterskirche einsetzt. In einem Weissbuch erhält die grosse Organistin und Kirchenmusikerin breite Unterstützung. Eine Wende zum Positiven herbeizuführen – das liegt nun in der Hand der Kirche.

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