Pflegeauftrag in Gefahr
Personal im Felix Platter Spital wird völlig überfordert

Wo ältere Leute gepflegt werden sollen, liegen auch psychisch Kranke. Das Felix Platter Spital wisse von der Überlastung seines Personals und habe Gegenmassnahmen getroffen, sagt die Leitung. Die Gewerkschaft sieht das anders.

Moritz Kaufmann
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Hinter der Fassade des Felix Platter Spitals kommt das Personal an seine Grenzen.

Hinter der Fassade des Felix Platter Spitals kommt das Personal an seine Grenzen.

Roland Schmid

Es klingt nicht nach einem Krankenhaus, in dem man gepflegt werden möchte. «Kann Frau X stehen?», fragt eine Pflegefachperson eine Aushilfe. «Keine Ahnung, ich bin nur heute hier», ist die Antwort. So zugetragen haben soll sich das auf der Abteilung Passerelle im Felix Platter Spital (FPS). Das Personal ist masslos überlastet und kann den Pflegeauftrag nach eigenen Angaben nicht mehr erfüllen. In einem Brief – unterschrieben von allen Pflegepersonen auf der Station – wendet man sich an die Chefs.

Das Schreiben liegt der bz vor. Darin wird die Situation in der Passerelle beschrieben. Die Station beherbergt ältere Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr nach Hause zurückkehren können. Der Auftrag ist, die Bewohner auf einen Platz im Pflegeheim vorzubereiten. Die Realität ist laut dem Brief eine andere. Es werden alle möglichen Patienten auf der Passerelle untergebracht, welche das Personal überfordern und für welche es nicht ausgebildet ist: Demenzkranke Menschen, psychisch Kranke mit Depressionen oder paranoider Schizophrenie sowie immer mehr Jüngere und Suchtkranke. Von diesen wird das Personal, welches sich eigentlich um ältere Menschen kümmern soll, immer wieder bedroht und sogar sexuell belästigt. Auch die Ausbildung der Lehrlinge bleibe auf der Strecke, zwei hätten deswegen die Abschluss-Prüfung nicht bestanden.

Der Kanton weiss Bescheid

Das Schreiben ist rund drei Monate alt. Auf Nachfrage der bz beim Felix Platter Spital schreibt Sprecher Markus Sutter: «Tatsächlich befand sich die Abteilung Passerelle zu diesem Zeitpunkt aus verschiedensten Gründen in einer schwierigen Situation.» Man habe das Schreiben aber ernst genommen und verschiedene Massnahmen zur Stabilisierung eingeleitet. «Als entlastende Massnahme werden Patienten mit komplexen Krankheitsverläufen inzwischen vermehrt ins Haupthaus verlegt und dort betreut», schreibt Sutter weiter.

Die Situation auf der Passerelle beschäftigt auch den Kanton Basel-Stadt. «Bis vor einem halben Jahr hatten wir in Basel viel zu wenig Pflegeplätze», sagt Felix Bader, Leiter der Abteilung Langzeitpflege im Gesundheitsdepartement. Mittlerweile habe sich die Situation ein bisschen gebessert. «Trotzdem muss die Passerelle immer noch zum Teil den Überlauf des Felix Platter Spitals aufnehmen. Das ist ein Problem», stellt Bader fest. Mittelfristig sei es sowieso das Ziel, diese Abteilung «mit Scharnierfunktion» aus dem Spital auszugliedern. In Zukunft sollen Pflegeinstitutionen die Aufgabe übernehmen, die die Passerelle heute hat.

Gewerkschaften widersprechen

Doch vorerst sollte es darum gehen, die heutige Situation zu beruhigen. Das sei schon geschehen, versichert das Management. «Wie im Gesundheitswesen generell zu beobachten ist, nehmen die Anforderungen an das Pflegepersonal stetig zu», sagt FPS-Sprecher Sutter. Aber: «Wir gehen davon aus, dass die eingeleiteten Massnahmen zur Beruhigung der Situation beitragen.» Doch so rosig, wie das Spital die Situation darstellt, scheint sie nicht zu sein. Voneinander unabhängige Quellen sagen gegenüber der bz, dass das Pflegepersonal noch immer am Anschlag ist.

Und auch die Gewerkschaften nehmen sich des Falls an. Marianne Meyer vom VPOD steht mit den Passerelle-Angestellten in Kontakt: «Auch wenn das Spital das behauptet: Die Situation ist mitnichten wieder gut», sagt sie. Mittlerweile habe sich auch die VPOD-Personalkommission in den Fall eingeschaltet. «Die Belastung auf dieser Abteilung ist extrem hoch. Es braucht dringend mehr Pflegepersonal, vor allem diplomierte Pflegefachpersonen», hält Meyer fest.