Pavillon
Novartis: Vollendung durch einen leuchtenden Fremdkörper

Mit der Fertigstellung des Pavillons setzt Novartis einen Schlusspunkt unter die Entwicklung des Campus im St. Johann.

Patrick Marcolli
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Leuchtende Aussenhülle: Über 30'000 LED-Kerne sorgen für Farbe.

Leuchtende Aussenhülle: Über 30'000 LED-Kerne sorgen für Farbe.

Juri Junkov

Es begann vor rund 20 Jahren, als Vision des Chefs eines neuen Konzerns: Novartis, das Produkt aus Ciba-Geigy und Sandoz, brauchte eine eigene Erzählung, einen repräsentativen Sitz. Konzernchef Daniel Vasella war noch so gern bereit, sie zu liefern: Er heuerte die bekanntesten Architekten der Welt an, um seiner Firma im St. Johann einen Campus bauen zu lassen. Mit Vasellas Abgang aber schwand die Begeisterung der Konzernleitung für den Masterplan des Campus, kühler Pragmatismus hielt Einzug. Dieser führte auch zum Schluss, das einst hermetisch geschlossene Gelände Schritt für Schritt zu öffnen.

Aussenwirkung mit der Hülle und mit dem Innern

Ein wichtiges Zeichen dieses Pragmatismus ist nun vollendet: Der kreisrunde Pavillon, dessen leuchtende Aussenhülle und dessen nicht minder auf Aussenwirkung ausgerichtetes Innere am Dienstag den Medien präsentiert wurde.

Der neue Pavillon von aussen.

Der neue Pavillon von aussen.

Juri Junkov

Die Hülle des vom italienischen Architekten Michele De Lucchi entworfenen Gebäudes ist eine sogenannte Nullenergie-Medienfassade. Sie ist mit 10'000 organischen Solarzellen bestückt, die wiederum mit mehr als 30'000 LED-Kernen ausgestattet sind und mittels Solarenergie Texte und Bilder anzeigen können. Ab dem 30. April werden zum Sonnenuntergang die Werke von drei Künstlerinnen und Künstlern zu sehen sein, die Novartis gemeinsam mit dem Haus der Elektronischen Künste (HEK) ausgewählt hat.

Leistungsschau der Basler Pharmaindustrie

Das Innere wiederum ist auf zwei Ebenen aufgeteilt: Im Erdgeschoss gibt es ein Café, einen Veranstaltungsraum sowie den sogenannten «School Hub», ein interaktives Angebot für Schulklassen. Im oberen Stockwerk ist unter dem Titel «Wonders of Medicine» eine eigentliche Leistungsschau der Basler Pharmaindustrie zu bewundern. Sie teilt sich auf vier Bereiche auf: Den Körper, die Entwicklung eines Medikaments, die Geschichte der Basler Pharmaindustrie sowie die «Zukunft des Gesundheitswesens». Sie mischt also die globale Perspektive dieser Industrie mit ihren lokal verwurzelten Ursprüngen.

Innen ist der Pavillon auf zwei Ebenen aufgeteilt.

Innen ist der Pavillon auf zwei Ebenen aufgeteilt.

Juri Junkov

Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt umschreibt den Zweck der Ausstellung und die Funktion des Pavillons wie folgt:

«Das neue Gebäude ist eine Weiterentwicklung des Novartis Campus, den wir vor zwei Jahrzehnten begonnen und in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut haben.»

Er stehe für die Öffnung gegenüber der Gesellschaft und reflektiere das Bestreben des Konzerns, «die Pharmaindustrie besser verständlich zu machen und mit der Bevölkerung in einen Dialog zu treten», so Reinhardt weiter.

Klar ist aber auch: Architektonisch ist der Pavillon weitgehend anspruchslos, er wirkt angesichts der grossen Architektur auf dem Campus wie ein Fremdkörper - ein Hightech-Fremdkörper. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Bauten von Diener & Diener, Sanaa oder Herzog & de Meuron fällt seine Gestalt(ung) doch deutlich ab. Dieser kreisrunde Pavillon erscheint wie der Abschluss und eventuell auch der Abschied vom Campus-Gedanken. Und gleichzeitig will er ein Neustart gegenüber Basel sein.

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