Offener Brief
«Vergesst uns nicht!»: Basler Jungparteien fordern wegen Corona mehr Ressourcen für die psychologische Betreuung

In einem offenen Brief wenden sich acht Basler Jungparteien unter anderem an die National- und Ständeräte des Kantons Basel-Stadt. Dabei verlangen sie einen einfacheren Zugang zur Psychotherapie.

Larissa Gassmann
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(Symbolfoto)

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Getty Images/iStockphoto

Die Coronakrise hinterlässt Spuren. Wie sehr gerade die zweite Welle die Schweizerinnen und Schweizer belastete, zeigt die neuste «Swiss Corona Stress Study» der Universität Basel. Gleichzeitig wird immer mehr sichtbar, wie die Veränderungen im Alltag, die finanziellen Einbussen und die fehlende Perspektive besonders den Jugendlichen zusetzen. Deswegen fordern die acht Jungparteien des Kantons Basel-Stadt nun zum Handeln auf. In einem offenen Brief wenden sie sich unter anderem an die National- und Ständeräte des Kantons Basel-Stadt.

Die Solidarität sei auch ein Jahr nach Pandemiebeginn ungebrochen, heisst es darin etwa. So habe Bundesrat Alain Berset Mitte Februar den wichtigen Beitrag der Jugend während der Pandemie gelobt. Die Coronamassnahmen hätten sich bis jetzt nur auf die physische Gesundheit fokussiert und das sei auch richtig so. «Dennoch muss die Politik nun endlich reagieren und auch Massnahmen für die psychische Gesundheit der Menschen ergreifen», schreiben die Jungparteien in der beiliegenden Medienmitteilung.

Die schnelle Verfügbarkeit von psychologischen Betreuungsplätzen sei bedeutend für die Entschärfung der Krisensituation. Gleichzeitig aber seien die Betreuungsplätze knapp und die finanziellen Hürden gross.

Bundesrats lässt «aus unverständlichen Gründen auf sich warten»

Die Beteiligten verweisen deswegen auf die Umwandlung vom Delegationsmodell ins Anordnungsmodell. Dadurch wäre ein einfacher und früher Zugang zur Psychotherapie ermöglicht. So würde eine Anordnung durch eine Hausärztin oder einen Hausarzt ausreichen. Eine vorgängige Konsultation bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie wäre nicht mehr nötig. Die Anpassung der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) und die Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) wurde bereits in Vernehmlassung gegeben und abgeschlossen.

Noch aber fehlt der Entscheid des Bundesrats. Dieser lasse laut Jungparteien «aus unverständlichen Gründen auf sich warten.» Sie fordern, dass sich die Basler Politikerinnen und Politiker nun für eine schnellere Umsetzung einsetzen. Es dürfe nicht sein, dass die Ressourcen zur Behandlung aufgrund eines Systemfehlers künstlich reduziert werden.

«Weiter müssen national wie auch kantonal die Weichen für mehr niederschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene gestellt werden», heisst es. Unterschrieben wurde der Brief von den Präsidentinnen und Präsidenten der acht Jungparteien. Er endet mit folgendem Satz: «Wir geben weiterhin unser Bestes, dafür vergessen Sie uns und unsere psychische Gesundheit nicht? Deal?»