Offbeat
Eröffnung des Jazzfestival Basel: Von den Schmetterlingen zur Blitzgöttin

Michael Arbenz’ Werk «Traces of Light» für Vein, die Sinfonietta Basel und die NDR Bigband flutete das Stadtcasino am Jazzfestival Basel mit sonnigen Klängen – und sehr vielen Noten.

Stefan Strittmatter
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Jörg Achim Keller leitete am Sonntag den Klangkörper aus Michael Arbenz' Jazz-Trio Vein, der Basel Sinfonietta und der NDR Bigband.

Jörg Achim Keller leitete am Sonntag den Klangkörper aus Michael Arbenz' Jazz-Trio Vein, der Basel Sinfonietta und der NDR Bigband.

Roland Schmid

Gut 50 Musikerinnen und Musiker warten auf der Bühne des Stadt­casino Basel auf ihren Einsatz. Doch statt der vereinten Wucht der drei Klangkörper – das Jazz-Trio Vein, die Sinfonietta Basel und die NDR Bigband haben für den Eröffnungsabend des diesjährigen Jazzfes­tival Basel ihre Kräfte gebündelt – ertönen die samtenen Timbres von Oboe, Klarinette und Fagott.

Die Linien der drei Holzblasinstrumente umtänzeln sich wie Schmetterlinge im ersten Frühlingslicht. Dabei formen sie Harmonien, die so schillernd sind wie flüchtig. Kaum hat man einen Klang erfasst, wechselt eine Stimme zur nächsten Note und der Gesamtklang moduliert in eine gänzlich andere Färbung. Dann stossen von der gegenüberliegenden Bühnenseite her die Streicher mit Pizzicatos dazu, und man sieht vor dem geistigen Auge Sonnenstrahlen im morgendlichen Dunst. Kurz: Die Eröffnungs­sequenz von «Luce», dem ersten von sechs Teilen aus Michael ­Arbenz’ Auftragskomposition «Traces of Light», ist eine berauschende Lichtbildschau für das Ohr.

Farbenfrohes Duett, furioses Finale

Im Verlauf der folgenden 90 Minuten kommt es im ausverkauften Musiksaal des Stadt­casino Basel (der Balkon war geschlossen) immer wieder zu derlei Licht­blicken. Etwa, wenn der ­agile Kontrabass von Thomas Lähns den Ton der kleinen Trommel des Bigband-Perkussionisten aufgreift. Wenn sich Michael Arbenz am Flügel mit der Harfe der Sinfonietta ein ­perlendes Duett liefert. Und auch, wenn sich im abschliessenden furiosen Tutti sämtliche Instrumente in geschmetterten Achteln vor der chinesischen Blitzgöttin verneigen, nach der das Finale benannt ist.

Pianist Michael Arbenz hat «Traces of Light» im Auftrag der Basel Sinfonietta komponiert.

Pianist Michael Arbenz hat «Traces of Light» im Auftrag der Basel Sinfonietta komponiert.

Roland Schmid

Doch reichen diese Momente nicht, um den Konzertsaal einen Abend lang zu erhellen. Und so ziehen lange Passagen am Publikum vorbei, ohne dass wiederkehrende Motive oder markante Klänge haften bleiben.

Viel Hall, verlorene Details

Schuld ist – zu grossen Teilen – der vierte Player im Ensemble: die Akustik des Saales. Auch wenn Arbenz bei seiner Kompositionsarbeit das Stadtcasino ­berücksichtigt hat, wie er im Vorfeld gegenüber der bz sagte, auch wenn der renovierte Saal einen internationalen Ruf geniesst: Gerade die dichten Momente mit vielen Noten – und davon gibt es am Sonntagabend einige – verlangen nach einer weitaus trockeneren Akustik mit deutlich weniger Hall.

Da kann Arbenz’ Bruder Florian am Schlagzeug noch so gekonnt am untersten Rand seines Dynamikbereiches agieren: Er kann nichts daran ändern, dass seine raffinierten Figuren vom Saal verdoppelt und verdreifacht zurückgeworfen werden. Das führt unweigerlich zu ermüdeten ­Ohren im Publikum.

Gerade deswegen hätte man sich gewünscht, dass Arbenz neben seiner enormen Detailverliebtheit auch den einen oder anderen minimalistischen Brocken als Kontrapunkt eingesetzt hätte. So bleibt jedoch das Gefühl, dass Teile der sonnendurchfluteten Komposition hinter schummrigen Klang­wolken verborgen geblieben sind.

Die gefeierte Akustik des Musiksaals im Stadtcasino erwies sich in den intensiven Momenten des Abends als suboptimal, weil zu hallig.

Die gefeierte Akustik des Musiksaals im Stadtcasino erwies sich in den intensiven Momenten des Abends als suboptimal, weil zu hallig.

Roland Schmid

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