Neuenburg am Rhein (D)
Die drei Belchen in der Landesgartenschau

Die Basler Bildhauerin Barbara Schnetzler hat ein Objekt für drei Länder geschaffen, das 25 Kilometer nördlich von Basel steht.

Peter Schenk
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Barbara Schnetzler inmitten ihrer drei Belchen.

Barbara Schnetzler inmitten ihrer drei Belchen.

zvg

Die Installation ist eindrücklich und sie wird auch nach dem Ende der Neuenburger Landesgartenschau, 25 Kilometer nördlich von Basel, stehen bleiben. Die massiven Steine stehen mit Blick auf den Altrhein in exakt dem gleichen Verhältnis zueinander wie ihre grossen Vorbilder: der jurassische Belchen, der Schwarzwälder Belchen und der Grand Ballon in den Vogesen.

Die Idee war schnell geboren

Die Basler Bildhauerin Barbara Schnetzler (42) musste nicht lange nachdenken, als sie nach der Besichtigung des Gartenschaugeländes eine Idee für ein Kunstprojekt dort gesucht hat. «Sie war schnell geboren: Die Belchen sind grosse Marksteine und geben der Landschaft Identität», sagt sie und fährt fort: «Das passt gut zu mir. Ich hatte Lust, ein Objekt für die drei Länder zu schaffen.»

Tatsächlich ist Schnetzler in Basel geboren, hat aber auch Vorfahren in Baden und im Elsass. Neben Basel arbeitet sie seit 2013 auch in dem Atelierhaus Motoko in Mulhouse.

Nur vier Bewerbungen aus der Schweiz

Zuständig für die Kunst auf der Landesgartenschau ist Barbara Vallois. Eigentlich sollten für das Projekt Kunsträume je zwei Objekte und Installationen, ephemere Kunst und Landart für die Schweiz, Deutschland und Frankreich gefunden werden. «Das war die Auflage.» Ganz hat das nicht geklappt. Vallois verhehlt nicht ihre Enttäuschung, dass unter den 50 Bewerbungen für «Kunsträume» nur vier aus der Schweiz und sechs aus Frankreich eingingen. «Barbara Schnetzler ist jetzt die einzige Schweizerin. Die anderen Bewerbungen passten nicht ins Konzept.»

Die Steine für ihre Skulptur hat Schnetzler in drei Steinbrüchen der Gebirgszüge Vogesen, Jura und Schwarzwald ausgewählt. «Ich habe jeweils einen Tag gebraucht. Das war dann noch ein logistisches Problem, denn sie mussten alle am gleichen Tag ankommen, da wir den Kran nur einen Tag zur Verfügung hatten.» Den Besitzern der Steinbrüche muss Schnetzlers Vorhaben gefallen haben, denn sie haben die Steine, die bis zu fünf Tonnen schwer sind, der Landesgartenschau geschenkt. Als Honorar hat die Bildhauerin wie die anderen Künstlerinnen und Künstler 4000 Euro erhalten.

Dreieck findet sich im Grundriss vieler sakraler Bauten

Schon Johann Peter Hebel haben die Belchen, die als eine keltische Kultstätte gelten, beschäftigt. «Sie stehen in einem pythagoräischen Dreieck mit den Proportionen 3:4:5. Dieses ist im Grundriss vieler sakraler Bauten zu finden wie zum Beispiel der Cheops-Pyramide», erläutert Schnetzler. Auffällig sei, dass die Sonne an der Tagundnachtgleiche vom 21. März vom Ballon d’Alsace aus gesehen direkt über dem Schwarzwälder Belchen aufging und am 21. Dezember über dem Schweizer Belchen.

Schnetzler hat über den Schweizer Berufsverband der Bildhauer Visarte von der Ausschreibung erfahren. Sie ist sehr vielseitig aufgestellt, was sich schon in der Berufsfindung geäussert hat. So wäre sie unter anderem gerne Schauspielerin geworden. In ihrer Vielseitigkeit und Multidimensionalität hängt sie der Idee des Gesamtkunstwerks von Beuys an.

Ganz die einzige Schweizer Künstlerin in Neuenburg ist Schnetzler allerdings nicht. Mit der künstlerischen Gestaltung von zwei Unterführungen ist mit Leonie von Roten, die in Sulzburg lebt, eine weitere gebürtige Schweizerin im Rahmen des Projekts «Kunst geht Grün» auf der Gartenschau vertreten.

Landesgartenschau 2022
Neuenburg am Rhein. Bis 3. Oktober.
www.neuenburg2022.de