Basel-Stadt

Neue Corona-Kampagne des Kantons verwirrt – oder funktioniert?

Die Plakate in der Basler Innenstadt sollen die Hauptbotschaften auf neue Weise rüberbringen. Der Kanton hat dazu eine nächste Werbekampagne lanciert. Doch funktioniert sie?

Angefangen hat alles im März 2020 mit dem Hashtag «#Seifenboss». Innert weniger Tagen entwarf der Kanton Basel-Stadt gemeinsam mit der Werbeagentur Eyeloveyou die Kampagne. Das Ziel: Jung und Alt die Vorteile des regelmässigen Händewaschens zu Zeiten der Coronapandemie rüberzubringen.

Der Slogan zeigte Wirkung, er verbreitete sich rasant in den sozialen Medien – auch ausserhalb von Basel. Der Kanton Solothurn übernahm die Seifenboss-Kampagne, die in knalligem Pink gehalten ist. Auf der Video-Plattform Youtube klickten fast 80'000 Nutzer ein Video von «Swissmeme TV» an: Dieses besteht ganz simpel aus einer Aufzeichnung der damaligen Pressekonferenz, an der Erziehungsdirektor Conradin Cramer und Staatsschreiber Marco Greiner die Kampagne präsentierten. Darunter kommentiert ein User mit einem Augenzwinkern: «Wer will schon kein Seifenboss sein?»

Sprüche und Bilder waren abgenutzt

Greiner erklärt, die Bevölkerung habe zu Beginn der Coronakrise gut durch die Kampagne informiert werden können. «Wir erreichten auch Menschen mit Migrationshintergrund, da wir die Bilder, Anleitungen und Plakate in verschiedenen Sprachen veröffentlicht haben.»

Nach dem Ende des Lockdowns sei es ruhiger geworden. Die Botschaften auf mobilen Plakatständern etwa in der Freien Strasse seien zum Schluss nur noch vereinzelt bemerkt worden. Greiner: «Die Leute sind müde, die Sprüche der Kampagne abgenutzt.»

Gleiche Botschaften, neues Erscheinungsbild

Für den Herbst und damit für die veränderte Situation hat der Kanton darum ein neues Ausrufezeichen setzen wollen. Die Baslerinnen und Basler sollten darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Abstandsregeln und das vermehrte Händewaschen weiterhin gelten. Die neuste Kampagne, die der Kanton Basel-Stadt wiederum mit der Agentur Eyeloveyou erarbeitet hat, soll laut Greiner die Hauptbotschaften in Erinnerung rufen.

Auf den Plakaten sind etwa zwei ältere Menschen in der Gemüseabteilung eines Supermarkts zu sehen. Er hält einen leeren Einkaufskorb in der Hand. Daneben steht: «Lieber mit Maske als ohne Gurken.» Die bz wollte von den Facebooknutzern wissen: Verstehen sie die Kampagne und die Botschaft des Kantons? «Aber noch lieber mit Gurkenmaske», antwortete ein Nutzer scherzhaft. Die Kommentare zeigten jedoch: So richtig verstehen tut man die Werbung nicht.

«Steter Tropfen höhlt den Stein»

Auf Nachfrage erklärt Greiner das Sujet und dessen Hintergrund: «Während des Lockdowns hätte dieses Ehepaar nicht einfach eine Gurke kaufen können, da sie jeweils jemanden hätten organisieren müssen, der für sie in den Laden geht. Jetzt, dank Maske und Abstand, ist dies wieder möglich.» Die Kampagne erschliesse sich absichtlich erst auf den zweiten Blick, meint Greiner. «Um die Leute zum Nachdenken anzuregen über den Nutzen, den die Schutzmassnahmen bringen.» Es heisse ja nicht umsonst, «steter Tropfen höhlt den Stein».

Verwirrung stiften und zum Nachdenken anregen: Funktioniert die Kampagne derart gut oder ist dies eine clevere Rechtfertigung für die misslungene Botschaft? In Anbetracht des stattlichen Budgets für die Seifenboss-Kampagne – sie kostete die Staatskanzlei zwischen 300'000 und 400'000 Franken – ist Ersteres zu hoffen.

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