Nachruf
Isla Eckinger liebte die Musik frei von Ambition, aber mit voller Hingabe

Isla Eckinger zählt zu den Grossen des Schweizer Jazz. Der Dornacher Musiker ist am 8. April im Alter von 82 Jahren friedlich verstorben.

Stephan Kurmann
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Isla Eckinger 2002 beim «Jazz am Maeretplatz» in Solothurn.

Isla Eckinger 2002 beim «Jazz am Maeretplatz» in Solothurn.

Bild: Alois Winiger

Was für ein Glück war es für unsere Basler Jazzszene, dass Isla Eckinger die verschiedenen Angebote von Weltstars für ein Dauerengagement immer konsequent ausschlug – jeglicher Rummel war ihm zuwider, er zog ein entspanntes, stressfreies Leben vor und pflegte es auch.

Der Dornacher Musiker war ein echter Lebenskünstler, liebte und lebte die Musik ohne irgendwelche Ambitionen, aber mit ganzer Hingabe. Mit «Freunden zu jammen» in seinen beiden Heimatorten L.A. und Basel/Dornach sowohl in den eigenen vier Wänden wie auch in den Clubs war ihm ein wichtiges Element. Aber natürlich kamen dabei auch ausgedehnte weltweite Konzerttourneen nicht zu kurz.

Von Ben Webster bis Chet Baker

Isla Eckinger war seit 1959 auf gegen 150 Platten- und CD-Produktionen beteiligt, und die Liste seiner musikalischen Weggefährten – darunter praktisch alle Bekanntheiten von Ben Webster bis Chet Baker – und die Stilbreite sind schier grenzenlos. Den Grossteil davon bestritt er mit dem Kontrabass, aber auch die Posaune und das Vibrafon kamen zum Einsatz.

Sein Talent war einzigartig, und dabei liebte er es, immer wieder sehr überraschende und teils schon fast unpassende Zitate einzubringen. Auch seine offene, äusserst humorvolle Kommunikation auf der Bühne, ebenso wie der Kontakt mit dem Publikum, waren ein Markenzeichen von ihm. Aber bei allem Spass, den er mit allen zu teilen bereit war, ging er, was die Qualität und die Echtheit der Musik betraf, keinerlei Kompromisse ein.

Isla spielte in der langjährigen Vorgeschichte und beim Erschaffen der Voraussetzungen, die zum Bird’s Eye Jazzclub in Basel geführt haben, eine ganz wichtige Rolle. Er half bei den Eröffnungskonzerten und der Aufbauphase mit und war über all die Jahre immer eine grosse Unterstützung und eine unverzichtbare Bereicherung für unseren Club. Seine Präsenz, seine Freundschaft und seine Musik werden uns immer in Erinnerung bleiben.

In inniger Dankbarkeit, Stephan Kurmann und das Bird's Eye Team

Stephan Kurmann ist Jazzbassist und Künstlerischer Leiter des Bird’s Eye Basel.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1967: (v.l.n.r.) Henri Chaix, Buck Clayton, Ben Webster, Isla Eckinger, Romano Cavicchiolo.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1967: (v.l.n.r.) Henri Chaix, Buck Clayton, Ben Webster, Isla Eckinger, Romano Cavicchiolo.

Bild: Roger Kaysel