Allschwil
Militante Tierschützer greifen Halter an, weil er Hund kurz im Auto liess

Die vielen Meldungen von in überhitzten Autos vergessenen Hunden dürften dazu beigetragen haben, dass ein Hundebesitzer in Allschwil von einem Mob beschimpft wurde. Dabei herrschten im Auto kühle 20 Grad.

Benjamin Wieland
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Im Innenraum herrschten zwanzig Grad – zu heiss, fanden Passanten und gingen auf Hansrudolf Burget los.

Im Innenraum herrschten zwanzig Grad – zu heiss, fanden Passanten und gingen auf Hansrudolf Burget los.

Kenneth Nars

Tierliebe kann auch zu weit gehen. Das musste Hansrudolf Burget erfahren. Der Schönenbucher wurde bedroht, angepöbelt und als Tierquäler beschimpft. Dabei habe er, so bezeugt er glaubhaft, seinem Hund noch nie ein Leid angetan, und auch an jenem Samstag im August sei es dem Tier nur gut ergangen.

Anderer Meinung waren da offensichtlich ein halbes Dutzend Passanten. Sie hatten sich an besagtem Tag, es war der 8. August, um Burgets Mercedes versammelt, der in Allschwil vor einem Migros-Parkplatz stand. Er hatte diesen etwa um 10 Uhr dort abgestellt, um einkaufen zu gehen. Im Innern des schwarzen Kombis wartete Hündin Shiva auf ihr Herrchen. Da Burget wusste, dass es wieder ein sehr heisser Tag werden würde – das Thermometer sollte noch auf über 30 Grad klettern – hatte er auf der Hinfahrt die Klimaanlage auf die höchste Stufe gestellt.

War nur wenige Minuten weg

Er sei nur wenige Minuten weg gewesen, um Mineralwasser zu besorgen, da habe sich auf dem Parkplatz schon ein Mob eingefunden. «Sie standen um meinen Wagen und diskutierten, ob mein Hund in den nächsten Minuten sterben würde.» Einer hatte sogar die Polizei angerufen, beim Eintreffen des angeblichen Tierquälers diese jedoch wieder abbestellt. Die Baselbieter Polizei bestätigt den Anruf.

Burget erklärte den selbst ernannten Tierschützern, er sei nur kurz einkaufen gegangen, das Thermometer zeige im Innenraum 20 Grad an, ausserdem habe das Tier genügend Luft und es gehe ihm gut; seine Hündin belle nur, weil sie wegen der vielen Leute nervös geworden sei. Doch die Beschwichtigungsversuche des Hundebesitzers schlugen fehl. «Ich wurde als Arschloch beschimpft, ein Passant drohte mir sogar Schläge an.»

Irritierend mutet die heftige Reaktion der Gruppe an, weil sich das Tier nicht alleine im Innenraum des Gefährts befand. Denn auf der Rückbank sass auch noch Burgets Mutter – 90-jährig, aber noch gut zu Fuss. Sie war es auch, die ihren Sohn aus dem Geschäft geholt hatte, als sich vor dem Auto immer mehr Leute versammelt hätten. Es gäbe da ein Problem mit dem Hund, habe sie zu ihm gesagt, kurz, bevor er in unfreundlicher Manier in Empfang genommen worden sei.

Aus dem Tierheim geholt

Nach einigen Minuten war Burget das Diskutieren und die Drohungen satt – und fuhr samt Mutter und Hund davon, zurück blieben bei ihm ein Schrecken und Unverständnis. «Man hat mich bedroht und beschimpft, dabei konnte man doch rasch erkennen, dass die Situation harmlos war. Das kann ich nicht verstehen.» Heute würde er von sich aus die Polizei rufen, sagt er. Um mit deren Hilfe die Pöbler anzeigen zu können.

Burget hatte Shiva übrigens, auch dies ist als Ironie der Geschichte zu verstehen, vor zwölf Jahren aus einem Tierheim geholt.

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