Basel 2030

Lindgrün, Türkis oder Orange: Basels Zukunft hat viele Farben

Die GGG zeigt im Schmiedenhof das Ergebnis einer ungewöhnlichen Umfrage: Der Grafiker Markus Urfer hat 110 Besucher der GGG danach gefragt, welche Farbe Basel für sie ihm Jahr 2030 hat. Das bunte Ergebnis wird am Freitag und Samstag ausgestellt.

Welche Farbe assoziieren Sie mit Basel im Jahr 2030? Diese Frage stellte der Grafiker Markus Urfer ab Mitte November im Auftrag der Kantons- und Stadtentwicklung für zwei Wochen im Eingangsbereich der GGG im Schmiedenhof den Passanten. Für die Auswahl hielt er ein Heft mit mehreren Hundert Pantonefarben bereit, danach notierte er von jedem einen Satz dazu und bei Einverständnis seinen Namen.

In seinem Atelier stellte Urfer Tafeln her, die er regelmässig in der GGG auf eine grosse Wand montierte. Vor dem Hintergrund des Rheins ist darauf links der Roche-Turm, rechts das Münster zu erkennen. Die Wand mit mehr als 110 Tafeln ist bei der GGG zu sehen; am 30. Januar gibt es dort eine öffentliche Abschlussveranstaltung zum Projekt.

Jeden Tag war Urfer für seine Aktion anderthalb Stunden vor Ort. Die Zitate sind vielfältig. So äussert sich ein Anonymus auf Grün mit dem Satz: «Ein Grün für ein umweltbewusstes Basel.» Auf Rot sagt Simone Grumbacher «Für kulturelle Vielfalt, Toleranz! Hoffentlich bleibt das so, ist teils gefährdet. Das muss aber bei jedem von innen wachsen, nicht von oben herab verordnet werden!» Auf Grau verkündet Elinu: «Für mehr glänzende Augen ...!»

Spielerischer Umgang

Positiv findet Urfer, dass die Befragten seine Aktion nicht als Klagemauer missbrauchten. «Viele empfinden Basel als eine Stadt mit vielen Grünflächen. Etwas Angst gab es vor den Türmen. Toleranz und Offenheit wurden vor allem von Leuten genannt, die von aussen nach Basel kamen.»

Die Umfrage lief einige Tage nach den Attentaten von Paris, die aber konkret nicht erwähnt wurden. Auf der Wand bei der GGG überwiegen die Grüntöne, die von blass Lindgrün bis stark Türkisgrün gehen. Auch viel Rot und Orange gibt es zu sehen. In der Regel liessen die Leute sich gern befragen. Tage, an denen Urfer zehn bis zwölf Absagen hintereinander kassieren musste, waren die grosse Ausnahme. «Mit der Frage zur Farbe ist es leicht, das Eis zu brechen. Sie ist sehr persönlich und ein anderes Vehikel für eine Umfrage. Die Leute äussern sich sehr ehrlich», kommentiert der Grafiker.

Erstes Projekt bei Ramstein

Ein ähnliches Projekt hat Urfer bereits im April und Mai für die Gestaltung eines Schaufensters des Optikers Ramstein gemacht. Die Frage nach der Farbe bezog sich damals auf die Gegenwart Basels.«Es gab zum Teil auch sehr kritische Kommentare. Ein Teil wandte sich gegen die Behäbigkeit der Stadt. Generell hätte ich aber gedacht, dass die Leute mehr motzen.» Die Wand bei Ramstein bestand aus etwas mehr als 135 Tafeln und Sätzen. Sie ist bei der Abschlussveranstaltung am 30. Januar ebenfalls zu sehen.

Die Kantons- und Stadtentwicklung war durch die Aktion bei Ramstein auf Urfer aufmerksam geworden und initiierte das Folgeprojekt bei der GGG. «Wir wollen den Diskurs zur Stadtentwicklung anregen, dabei verschiedene Ansätze testen und zugleich erfahren, was die Bevölkerung zur Zukunft und Entwicklung der Stadt denkt», erklärt Nadine Grüninger von der Fachstelle Grundlagen & Strategien. Sie fährt fort: «Der Ansatz mit der Frage nach der Farbe ist besonders für so etwas abstraktes wie die Zukunft interessant: Er ermöglicht, auf spielerische und niederschwellige Weise Vorstellungen zur Zukunft zu konkretisieren und dabei zugleich Emotionen zu integrieren.» Das Ergebnis bezeichnet sie als «sehr vielversprechend».

Auch das St. Johann kam dran

Eine dritte und vorerst letzte Aktion mit seinen Farbassoziationen führte Urfer ab 15. Dezember für eine Woche im Quartier St. Johann beim Stadtladen durch. «Die meisten Befragten schätzen dort die Lebendigkeit des Quartiers als Bereicherung. Es gab allerdings auch Befürchtungen, dass die Mieten aufgrund der Expats steigen könnten.» Die dazugehörende Wand mit zirka 65 Tafeln – es sind nicht mehr, da das Schaufenster nicht grösser ist – ist in der Elsässerstrasse 12 noch bis Ende Januar zu sehen. Da sich das Projekt auf ein Quartier bezog, waren die Antworten konkreter. «Im St. Johann ändert sich gerade viel. Wir fanden es einen spannenden Ansatz, um etwas über die Befindlichkeit der Leute zu erfahren», sagt Nicole Fretz, Geschäftsstellenleiterin des Stadtteilsekretariats. «Viele Leute bleiben am Schaufenster stehen, um die Statements zu lesen.»

Obwohl die drei Aktionen sich unterschieden, haben sie etwas Gemeinsames, bilanziert Markus Urfer: «Die Farbe war stets ein lebendiger Faden. Es ist eine gute Methode, um zu hören, was die Leute möchten und wo ihre Bedürfnisse liegen.»

Die Farben von Basel Freitag und Samstag, Ausstellung und Diskussion mit Apéro. GGG-Bibliothek, Schmiedenhof, Sa, 30. Jan., 11–12.30 Uhr.

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