Konzert
Lucky Wüthrich im Atlantis: Eine alte Seele hat den Blues

Der 25-jährige Thuner Lucky Wüthrich bewies im Basler Atlantis sein Talent. Aber auch, dass er noch Luft nach oben hat.

Stefan Strittmatter
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Beseelter Sänger mit Hang zum Understatement: Lucky Wüthrich.

Beseelter Sänger mit Hang zum Understatement: Lucky Wüthrich.

Bild: Verena Sala

Bereits mit der ersten Zeile hat er sein Publikum in der Tasche: «Ever since I was a little kid, I felt this groove in my bones», sinngemäss: Schon als kleines Kind habe er den Blues gespürt. Wenn Lucky Wüthrich in «I Just Wanna Play My Blues» dieses Bekenntnis zu einer alten Musik ablegt, so glaubt man ihm das. Auch wenn die Jugendjahre beim 25-Jährigen noch nicht in all zu weiter Ferne sind.

Der relaxt treibende Opener ist eine gute Wahl als Auftakt für das Gastspiel des Thuners im Basler Atlantis. Am Freitagabend ist der Club mit einer knappen Hundertschaft eher ­locker besucht – wenn auch die Band, wie Wüthrich auf der Bühne mehrfach betont, mit weitaus weniger Andrang gerechnet habe.

Doch mit dem geradlinigen Song, der ein deutliches Statement setzt, ohne die Besucherinnen und Besucher mit zu viel Power zu erschrecken, bricht das Eis. Wüthrich, der beim Singen stets die Augen fest zukneift, als ringe er um jede Silbe, strahlt zwischen den Strophen in den Raum und sucht den Blickkontakt zu allen Anwesenden.

Keine Anzeichen von Nervosität oder jugendlichem Übereifer: Entspannt lehnt sich Lucky ­Wüthrich an den Bar­hocker, gibt seiner Musik viel Raum, will nicht das Pulver schon im ersten Song verschiessen. Und tut es dennoch. Denn die weiteren zwei Stunden des Konzerts vermögen dem Opener nichts Substanzielles mehr hinzuzufügen.

Dringlichkeit in der Stimme, Belangloses im Set

Das ist angesichts des von Beginn weg hohen Niveaus auch nicht nötig, zumindest in jenen Momenten, in denen Wüthrich und seine drei Begleitmusiker mit der Dringlichkeit von «I Just Wanna Play My Blues» musi­zieren. So etwa beim souligen «Between A Rock And A Hard Place», bei der geswingten Ballade «Let It Be Me» oder beim funkigen «Show Soul».

Andernorts, und im zweiten Set leider über lange Strecken, reicht auch der Charme von ­Wüthrichs reifer Stimme und seinem reduzierten Gitarrenspiel nicht aus, um die grossen Sprünge im Set zu kitten. Vom Doobie-Brothers-Cover über einen Prince-Song zum Schunkel-Gospel wirkt hier manches etwas belanglos.

Im Sitzen weniger Noten

Zudem nimmt sich der technisch versierte Drummer Dustin Persson bei den Songs, die nicht auf dem von Mentor Philipp Fankhauser (im «-tis» als Gast dabei) produzierten Album zu finden sind, zu viel Freiheiten ­heraus. So spielt er oft eine Spur zu laut, zu viel und zu schnell.

Auch im direkten Vergleich mit dem in etwa gleichaltrigen Musiker zeigt sich die grosse Qualität des Bandleaders. Denn Lucky Wüthrich neigt eher zum Understatement, was ihm noch mehr den Anschein verleiht, er sei eine alte Seele. So hat er sich für das Basler Konzert extra einen Stuhl genommen, weil er im Sitzen weniger Noten spiele, sagt er.

Diese Erkenntnis müsste er nun nur auf die Dramaturgie seiner Konzerte übertragen, gerade in Sachen Spannungsbogen gäbe es hier Luft nach oben. Aber dazu hat er ja noch viel Zeit.

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