Kommentar
Wo bleibt die Politik im Basler Theater?

Die Spielzeit 22/23 des Theater Basel verspricht viel hochstehende Kunst. Die Frage ist: Wie wird das aktuelle Weltgeschehen reflektiert - wenn überhaupt?

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Die Leitung des Theater Basel präsentiert das Programm der kommenden Spielzeit.

Die Leitung des Theater Basel präsentiert das Programm der kommenden Spielzeit.

BIld: Kenneth Nars

Wer einen Moment Abstand vom Weltgeschehen gewinnen wollte, musste der Spielzeit-Medienkonferenz des Theater Basel am Dienstag beiwohnen. Corona - lästig, aber irgendwie vorbei. Der Ukrainekrieg - ist da was?

Selbstverständlich lässt die langfristige Planung im Kulturbetrieb kaum Flexibilität zu, Spontaneität schon gar nicht. Ein Zeitbezug kann zudem, wird er allzu offen zelebriert, ziemlich plump sein. Aber dass der Autoritarismus weltweit auf dem Vormarsch ist und die Demokratie auf unserem Kontinent sich in einem Überlebenskampf befindet - ist das keine Erwähnung wert? Anders gefragt: Wie viel (Tages-)Politik soll ein Stadttheater auf welcher seiner zahlreichen Plattformen zum Thema machen? Wie gross soll der Reflexionsraum sein fürs Tagesgeschehen und auch für kollektive Ängste des Publikums?

Das sind beileibe keine banalen Fragen. In den Antworten darauf oder bloss der Ermöglichung eines öffentlichen Diskurses darüber unterscheidet sich ein Stadttheater aber erst von einem Musical Theater. Es wird spannend sein zu sehen, wie insbesondere das Schauspiel sich diesbezüglich präsentieren wird. Das Ensemble laboriert seit zwei Jahren in einer Art Kommune an neuen Bottom-Up-Arbeits- und Kunstformen. Solche Versuche lassen sich nur in jenem freiheitlich-liberalen Umfeld ungestört (und hoch subventioniert) durchführen, um welches in diesen Tagen ausserhalb der Theatermauern so heftig gerungen werden muss.

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