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Sporttipp-Wette abgegeben, ohne den Einsatz geleistet zu haben: Basler Strafgericht verurteilt Mann wegen Betruges

Ein 29-jähriger betrog mit einer fiesen Masche einen Kioskbesitzer um viel Geld. Das Gericht verurteilte ihn lediglich zu einer Geldstrafe und einer ambulanten Therapie, weil er nicht vorbestraft ist, warnte den Mann, beim nächsten Mal nicht mehr so milde zu entscheiden.

Rahel Empl
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Vor dem Basler Strafgericht musste sich ein 29-Jähriger wegen Betrug verantworten.

Vor dem Basler Strafgericht musste sich ein 29-Jähriger wegen Betrug verantworten.

Nicole Nars-Zimmer

Spätestens seit dem Film «Der Clou» von 1974 mit Paul Newman und Robert Redford ist bekannt, dass sich Wettbüros perfekt für Betrügereien eignen, sofern man beim Einsatz des Geldes schon die Ergebnisse kennt. Wie ein heute 29-jähriger Basler herausfand, funktioniert die Betrugsmasche bei Sportwetten aber noch deutlich einfacher.

So ging er im Oktober 2019 zu einem Kiosk im Basler Gundeldinger-Quartier und gab zwei Sporttipp-Wetten zu je 200 Franken ab. Die Annahme ist bis kurz vor Spielbeginn möglich, und der Beleg wurde vom Kiosk um 17:28 Uhr gebucht. Die 400 Franken wollte der 29-Jährige dann mit seiner Bankkarte bezahlen, was nicht funktionierte, weil er mit dem Konto im Minus war. Inzwischen schlug die Uhr 17:30 Uhr, das gebuchte Spiel hatte begonnen, und der Kiosk konnte den Wettschein nicht mehr stornieren. Der 29-Jährige versicherte daraufhin, er komme gleich wieder, hole am Bankomaten um die Ecke Geld. Der Schein gewann nicht, der Kiosk blieb auf dem Schaden von 400 Franken sitzen.

Kioskfrau mit grossem Herz

Zwei Tage später kreuzte der Mann erneut am selben Kiosk auf, die Ehefrau des Kioskbesitzers war anwesend. Und diesmal gab er fünf Spielscheine für insgesamt 1000 Franken ab. Die Bankkarte funktionierte erneut nicht, und er versicherte ihr, er werde ihr das Geld bis Ende Monat bezahlen. Sie buchte den Schein dennoch im Computer von Swisslos ein – von den 1000 Franken hat der Kiosk indes bis heute nichts gesehen.

«Meine Frau hat ein grosses Herz», erklärte der Kioskbesitzer zur Kreditvergabe am Dienstag im Strafgericht seufzend. Die Gerichtspräsidentin befragte ihn zu Vertragsvorschriften von Swisslos, die offenbar verbieten, dass Spielquittungen abgegeben werden, bevor bezahlt worden ist. Der Kioskbesitzer räumte ein, dass das bei grossem Andrang manchmal vorkomme.

Die Frage ist relevant, weil Betrug in der Schweiz nur bei Arglist strafbar ist; diese scheidet aus, wenn sich ein Opfer allzu leichtfertig verhält. Tags darauf ging der 29-Jährige auch noch zu einem anderen Kiosk und zog die Masche eine Minute vor 18 Uhr erneut durch, hier übernahm Swisslos die gebuchten 360 Franken.

Der Mann sagt, er leide an Spielsucht

Der 29-Jährige gab am Dienstag vor dem Basler Strafgericht die Delikte zu, er hatte sich einen Gewinn von 900 Franken erhofft. Verteidigerin Patricia Jenny betonte, bei der Wette über 1000 Franken hätte die Kioskverkäuferin problemlos mehrere Stunden Zeit gehabt, um die Buchung zu annullieren. Einzelrichterin Katharina Giovannone sah das auch so: Die zweite Wette sei nicht als Betrug zu werten, es gab hier einen Freispruch. Den ersten Wetteinsatz kurz vor Annahmeschluss wertete das Gericht allerdings als Betrug, und die dritte Aktion bei einem anderen Kiosk als Betrugsversuch.

Dazu kam auch noch eine Verurteilung wegen Sozialhilfebetruges, der Mann hatte einen Verdienst von insgesamt rund 7000 Franken nicht gemeldet. Und er hat vor zwei Monaten seinen Arbeitsplatz verloren, weil er dort 30 000 Franken gestohlen hat. Mit dem Geld habe er Schulden bezahlt, wie er vor Gericht erklärte, allerdings nicht die, die er beim Kiosk hat. Er leide an einer Spielsucht.

Das Gericht verhängte eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken, ordnete aber Bewährungshilfe an und verpflichtete den Mann zu einer ambulanten Therapie. Weil er nicht vorbestraft und hier aufgewachsen ist, verzichtete es bei dem Mann mit türkischer Staatsbürgerschaft auf einen Landesverweis. Giovannone warnte ihn aber, beim nächsten Mal werde dies wohl nicht mehr der Fall sein. Den Schuldspruch kann er noch weiterziehen.

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