Universitätsspital Basel

Juckreiz? Die richtige Farbe kann helfen – kein Witz!

Blau und Rot - zwei Farben mit gegensätzlicher Wirkung auf Juckreiz-Patienten. (Archivbild)

Blau und Rot - zwei Farben mit gegensätzlicher Wirkung auf Juckreiz-Patienten. (Archivbild)

Wer kennt es nicht: Man schaut sich ein Bild eines Krabbeltiers an und schon beginnt es einen zu jucken. Dieses Phänomen «visuell übertragbarer Juckreiz» (engl. «Contagious Itch») genannt, hat Dermatologen am Universitätsspital Basel auf eine Idee gebracht.

Offenbar lässt sich Juckreiz durch visuelle Reize erzeugen. Ob er sich durch solche auch lindern lässt? Zur Beantwortung dieser Frage wurde der Einfluss von Farben auf Juckreiz untersucht. Die Studie ergab, dass tatsächlich eine Systematik zwischen Farbe und Juckreiz besteht, wobei es Juckreiz-verstärkende und -lindernde Farben gibt, wie das Universitätsspital Basel am Dienstag mitteilte.

Die Ergebnisse der Studie der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Basel sind durchaus verblüffend. Beim Anblick der Farbe Rot verstärkte sich der Juckreiz der Patientinnen und Patienten, beim Anblick von Blau und Grün konnte er gelindert werden. Juckreiz ist das am häufigsten vorkommende haut-bezogene Krankheitssymptom und betrifft bis zu ca. die Hälfte aller dermatologischen Patientinnen und Patienten. Wie der Medienmitteilung des Unispitals zu entnehmen ist, hat chronischer Juckreiz, also Juckreiz, der länger als sechs Wochen anhält, dabei vergleichbare Minderungen der Lebensqualität zur Folge wie chronische Schmerzen.

Juckreiz beim Anblick von Parasiten und ekligen Bildern

Beim Einfluss von visuellen Reizen auf den Juckreiz spricht man vom «Contagious Itch». Dieser ist schon länger bekannt und entsteht beispielsweise beim Betrachten von Parasiten auf der Haut, bei ansteckenden Hautkrankheiten oder sonstigen, als eklig wahrgenommenen Bildern. Forscher um PD Dr. Simon Müller und Prof. Alexander Navarini haben nun nachgewiesen, dass das Betrachten von Farben einen Einfluss auf die Intensität des Juckreizes haben kann.

Für die Studie wurden 72 Patientinnen und Patienten mit unterschiedlich starkem Juckreiz gefragt, ob sie ihrem Leiden eine Farbe zuordnen könnten. Fast alle Studienteilnehmer antworteten daraufhin mit der Farbe Rot (95%). Welche Farbe eine Erleichterung bringen könne, wurden sie anschliessend gefragt. 80% entschieden sich entweder für Blau oder Grün.

Zur Farbexposition betrachteten die Probanden auf einem Bildschirm in einem abgedunkelten Raum jeweils während zehn Minuten die von ihnen gewählte «lindernde» und die «verschlimmernde» Farbe. Tatsächlich konnte der Juckreiz signifikant in der Intensität gesenkt resp. gesteigert werden. Dabei spielte nicht nur der Farbton eine Rolle, sondern auch dessen Sättigung: Je stärker die Probanden durch Juckreiz in ihrer Lebensqualität gestört waren, desto schwächer (blasser) wählten sie den Sättigungsgrad der juckreizlindernden Farbe und desto stärker den Sättigungsgrad der juckreizverstärkenden Farbe. 

Farbkonzepte in Klinikräumen und neue Verpackungsdesigns

Die Erkenntnisse, die aus der Studie hervorgehen, bringen diverse Anwendungsmöglichkeiten mit sich. So können beispielsweise Klinikräume nach einem entsprechenden Farbkonzept gestaltet werden oder Juckreiz-Salben oder Medikamente der Dermatologie und deren Verpackungen entsprechend  designed werden. Es bestehe ausserdem die Möglichkeit, aus den Erkenntnissen eine nicht-medikamentöse Zusatz-Therapie zu erarbeiten, die helfen könnte, Juckreiz-Medikamente zu reduzieren. 

Die Forscher untersuchen jetzt den Effekt der visuellen Farbexposition mithilfe von VRR-Brillen. So ist eine Exposition nicht nur auf dem Bildschirm, sondern in einem portablen 360° Farbraum möglich. Die zukünftigen Therapiemöglichkeiten können dadurch auch individualisiert werden, so dass jeder Patient sich den im Moment gerade angenehmsten Farbton und die entsprechende Sättigung auswählen kann.

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