Abgeschossen

Illegale Kult-Invaders in Basel: Kunstaktion droht an Renovationen zu scheitern

Am Beispiel eines Street-Art-Werkes an der Clarastrasse zeigt sich die Schwierigkeit im Umgang mit dieser Kunstform.

Sie sind gekommen, um zu bleiben: 2013 verteilte der französische Street Art-Künstler Invader vor der Art Basel zwei Dutzend Ausserirdische in ganz Basel. Seine Werke sind eine Anspielung auf die Pixel-Aliens aus dem Kult-Videospiel Space Invaders aus dem 1978.

Vor allem an Strassenecken pappt der Künstler, der bis heute anonym geblieben ist, mit Vorliebe seine Kachelkreationen an die Wand. Auch wenn die Aliens meist unbemerkt bleiben, in der Street Art-Szene hat Invader eine grosse Fangemeinde. Die Eindringlinge haben sich mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt – insgesamt rund 3800 in ca. 80 Städten. Sogar auf dem berühmten Hollywood-Schriftzug schaffte es der Künstler, ein Werk anzubringen. Auf einer App sind weltweit alle Alien verzeichnet. Fans haben nun den Ehrgeiz, mit dem Smartphone möglichst viele der Eindringlinge zu sammeln.

Jetzt mit 25 Basler Aliens

Vor wenigen Wochen ist in Basel ein 25. Alien dazugekommen. Beziehungsweise ein neuer Ausserirdischer hat den Platz seines verschollenen Artgenossen eingenommen. An der seitlichen Mauer der Liegenschaft an der Clarastrasse 46 neben dem Polizeiposten prangt ein rund sechs mal drei Meter grosser Eindringling, ganz in Gold. Angebracht hat ihn Invader selber, wiederum kurz vor der Kunstmesse. Die Basler Kunstgalerie Artstübli hatte ihn und eine Reihe weiterer internationaler Künstler eingeladen und ihnen Flächen zur Verfügung gestellt.

Das neuste Werk trägt den Titel «The Golden Pot of the Art World» (deutsch: Der goldene Topf der Kunstwelt). Passend besteht das Alien aus goldenen Kacheln. «Dahinter glitzert die silberne Fassade der Messehallen und der Regenbogen steht für die heile Art-Welt», sagt Galerist Philipp Brogli. «So wird auf spielerische Weise die Frage aufgeworfen, was Kunst wert ist.» Mittlerweile startet Brogli seine Stadtrundgänge zum Them Street Art beim goldigen Alien.

Verwaltung ist zuständig für illegale Kunst

Zur Geschichte des neuen Werks gehört auch, dass niemand weiss, was mit dem Vorgänger passiert ist. Vermutlich wurde das Alien bei der Renovation der Wand vor ein paar Jahren schlichtweg entfernt. Und auch auf den neusten Eindringling hat niemand wirklich gewartet. «Über Kunst kann man diskutieren, über eventuell illegale angebrachte Keramikplatten aber nicht», antwortet Thomas Lachenmeier vom benachbarten Farbengeschäft auf die Frage, ob ihm das Werk gefällt.

Die Brandschutzwand seines Hauses gehört Immobilien Basel-Stadt, zuständig für das Alien wäre also der Kanton. Mit Betonung auf «wäre», denn wirklich zuständig fühlt sich vorerst niemand. Die Abteilung Kultur winkt ab: «Das Werk an der Clarastrasse wurde nicht auf Initiative des Kantons erstellt. Es entstand im Rahmen einer privaten Initiative. Für Kunst am Bau im kantonalen Eigentum gibt es eine zuständige Fachstelle im Bau- und Verkehrsdepartement.»

Alien darf bis zur nächsten Renovation sicher bleiben

Doch auch diese ist die falsche Adresse. «Kunst am Bau» ist üblicherweise für Werke zuständig, die der Kanton in Auftrag gegeben hat, etwa bei Schulhäusern. Dann gibt es einen Vertrag, in dem auch festgeschrieben ist, ob das Werk nur temporär ist und wie weiter mit ihm verfahren wird. Illegal angebrachte Kunst dagegen ist Neuland. Klare Regeln wie damit zu verfahren ist, gibt es nicht. «Die Abteilung Kultur oder der Eigentümer müsste das Werk zuerst als schützenswerte Kunst bei uns anmelden», erklärt Daniel Hofer vom Bau- und Verkehrsdepartement. Dann würde es im Falle einer Renovation zurückgebaut und dokumentiert.

Bei Immobilien Basel-Stadt will man das unfreiwillig erhaltene Werk vorerst gleich behandeln, wie die amtlich bewilligte Kunst. «Es ist mir nicht bekannt, dass wir schon so einen Fall hatten», sagt Sprecherin Barbara Neidhart. Aber man sei in den letzten Jahren sensibilisiert worden für das Thema Street Art. Das Alien gelte momentan als temporäre Kunst. «Wenn eine Renovation ansteht, werden wir dann schauen, wie wir damit umgehen», so Neidhart. Die Entscheidung über den künstlerischen Wert müssten schlussendlich die Fachleute treffen.

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