Essenslieferant

Heisshunger auf Basler Lieferservices: Uber will mit «Eats»-Programm Stadt und Agglo füttern

Mit dem Markteintritt von Uber Eats wird der Wettbewerb unter den Lieferdiensten in Basel nochmals härter. Eine halbe Stunde. So lange soll es maximal dauern von der Bestellung über die Zubereitung bis der Essenskurier an der Tür klingelt. Doch nicht nur mit dieser Vorgabe setzt der Lieferservice Uber Eats die Branche unter Druck.

Uber Eats ist ein Ableger des gleichnamigen Fahrtvermittlungsdienstes Uber. Das US-Unternehmen mischte in den vergangenen Jahren die Taxi-Branche auf. Bestellt wird via App. Auch der Fahrer erhält seinen Auftrag als Nachricht auf dem Smartphone.

Der Essens-Lieferdienst funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Die Kuriere können Aufträge via App annehmen und dann durchführen. Der Verdienst variiert, etwa nach gefahrenem Kilometer, der Anzahl Lieferungen oder auch der Konkurrenz auf der Strasse. An einem kalten, regnerischen Sonntagabend lässt sich also mehr verdienen. Mediensprecherin Luisa Elster sagt: «Der Verdienst der Kuriere liegt tendenziell über 20 Franken pro Stunde.» Geliefert wird via Velo, E-Bike oder Roller. Autos sind im Uber-Eats-Konzept nicht vorgesehen. Entsprechend ist der Radius reduziert. Nicht überall hin lässt sich alles liefern. Wer beispielsweise in Muttenz wohnt, hat gerade mal noch ein Sandwich-Restaurant zur Auswahl. Uber Eats selber verdient sein Geld mit einer Kommission, welche das Restaurant für die Vermittlung bezahlt und der Lieferpauschale von 4.90 Franken, die der Kunde zahlt.

Ein Milliardenmarkt mit grossem Wachstum

Klar ist: Mit Uber Eats verschärft sich der Wettbewerb unter den Lieferdiensten. Bestellte der Kunde früher direkt beim Restaurant und wurde von diesem beliefert, so geht der Trend seit längerem in Richtung Online-Plattformen verbunden mit Mini-Jobs. Angesichts der Dimensionen von Uber Eats bleibt der regionalen Konkurrenz das Essen im Halse stecken: Das Unternehmen ist in mehr als 500 Städten in 36 Ländern aktiv und arbeitet dort mit über 320'000 Restaurants zusammen. Basel ist nach Genf, Lausanne und Zürich die vierte Schweizer Stadt, in der Uber Eats auftritt.

In der Region sind seit längerem mehrere vergleichbare nationale und internationale Anbieter tätig. Marktführer ist die Plattform eat.ch, die in der Region über 150 Restaurants im Angebot hat. Die Firma wurde in St. Gallen gegründet und ist längst Teil eines internationalen Unternehmens. Vergangenes Jahr machte die Plattform nach eigenen Angaben 120 Millionen Franken Umsatz, Wachstum im zweistelligen Prozent-Bereich.

Dabei ist das Marktpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Schweizweit wird der Umsatz mit Essenslieferungen auf rund 1,3 Milliarden Franken jährlich geschätzt. Erwartet wird, dass dieser weiter steigt. Entsprechend hart wird der Wettbewerb geführt. Zu den Verlierern zählen traditionelle Essenslieferdienste, etwa Pizzaservices.

Frage der Selbstständigkeit rechtlich umstritten

Für die Gewerkschaften ist die Firma Uber ein rotes Tuch. Seit Jahren wird über die Frage der Selbstständigkeit der Arbeitnehmer in der sogenannten Gig Economy gestritten. Da Uber Eats die Kuriere nicht als Angestellte betrachtet, werden etwa keine Sozialbeiträge bezahlt. Allerdings biete das Unternehmen eine kostenlose Unfallversicherung für die Fahrten und regelmässigen Kurieren auch eine Entschädigung bei Krankheit oder Prämien bei der Geburt eines Kindes, so Elster.

Rechtlich abschliessend geklärt ist die Frage der Selbstständigkeit allerdings noch nicht. Als Folge hat Uber sein Angebot stark eingeschränkt. Als Fahrer braucht man seit zwei Jahren eine Lizenz zum berufsmässigen Personentransport. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen der Vermittlung von Personenfahrten und Essenslieferungen, sagt Sprecherin Luisa Elster, etwa, was die rechtlichen Vorgaben für die Fahrer betrifft. «Wir betrachten die Kuriere als Kunden, die mit der App flexibel Geld verdienen können. Sie können frei entscheiden, ob, wann und wie sie arbeiten wollen.»

Gewerkschafter Daniel Münger widerspricht: «Das Risiko trägt beide Male allein der Zusteller.» Wenn Uber Eats als sauberer Arbeitgeber auftritt, habe man nichts dagegen, so der Präsident der Gewerkschaft Syndicom. «Sonst verurteilen wir solche Formen von Arbeit.» Er sei kürzlich in Lissabon einem Kurier mit vier Rucksäcken begegnet. «Der hat alles ausgeliefert, von Pizza bis zu Elektronik.» Als Antwort auf das neue Geschäftsmodell hat Syndicom mit mehreren Velokurierdiensten einen GAV ausgehandelt, der den Fahrern einen Mindestlohn von 25 Franken garantiert und Fragen wie Spesen oder Vaterschaftsurlaub regelt.

Meistgesehen

Artboard 1