Grenzübergang Riehen
Gescheiterter Meth-Schmuggel: Als Beweis dient gar eine Thomy-Mayonnaise

Zwei Niederländer mussten sich gestern vor dem Basler Strafgericht verantworten. Sie sollen mehrfach Crystal Meth, Kokain und Ecstasy geschmuggelt haben.

Patrick Rudin
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Das Crystal Meth, das die Beschuldigten schmuggeln wollten, hatte einen Reinheitsgrad von 95 Prozent und war über 270'000 Franken wert.

Das Crystal Meth, das die Beschuldigten schmuggeln wollten, hatte einen Reinheitsgrad von 95 Prozent und war über 270'000 Franken wert.

Symbolbild: Matt York/AP

Es war ein warmer Montagmittag im Juni 2021, als den Grenzwächtern in Riehen zwei Männer auffielen: Einer kam zu Fuss von Lörrach her über die Grenze, der andere befuhr das Spazierweglein über die Grenze mit seinem Elektro-Trottinett. Der eine holte den anderen ein, man besprach sich kurz, daraufhin fuhr der Mann mit dem E-Trottinett weiter. Dazwischen wurde auch immer wieder fleissig telefoniert.

Ein paar hundert Meter weiter wurden die Männer kontrolliert, der Patrouille gelang ein Volltreffer: Einer der Männer trug einen Rucksack, in dem sich knapp zwei Kilogramm der Droge Methamphetamin befanden. Beide Männer sitzen seither in Haft, sie haben inzwischen den vorzeitigen Strafvollzug angetreten.

1979 Gramm Meth hatten die Männer dabei

Am Dienstag mussten sich die zwei Niederländer im Alter von 31 und 37 Jahren vor dem Basler Strafgericht verantworten. Beide wohnen in der Nähe von Maastricht, offenbar fuhren sie an jenem Tag nach Lörrach und parkierten ihr Auto wenige Meter vor der Landesgrenze. Bei Crystal Meth gilt eine Menge ab 12 Gramm als sogenannt qualifiziert, die Männer brachten in mehreren Beuteln insgesamt 1979 Gramm mit einem Reinheitsgrad von über 95 Prozent in die Schweiz.

Einer der Männer trug den Rucksack, der andere hingegen hatte zwei Mobiltelefone bei sich, deren Auswertung weitere Details enthüllten: Zwischen Februar und Mai 2021 gab es nicht nur regen Chat-Verkehr zwischen Lieferanten und Abnehmern, sondern auch mehrere Begrüssungs-SMS der Netzbetreiber, womit sich die Grenzübertritte nach Deutschland und in die Schweiz minutengenau nachvollziehen liessen.

Überführt dank Chatverläufen

Die zwei Männer bestritten vor Gericht allerdings vehement, etwas mit Drogen zu tun zu haben. Man habe nach Lörrach gewollt und gar nicht bemerkt, dass man schon in der Schweiz sei. In Bezug auf die eindeutigen Chatverläufe belasteten sich die Männer gegenseitig. «Ich habe in meinem Leben noch nie etwas mit Drogen zu tun gehabt», beteuerte der 31-Jährige.

Weshalb sein Mobiltelefon bereits früher in der Schweiz eingebucht gewesen war, konnte er nicht sagen. «Ich war an jenem Tag mit meiner Frau in Belgien», sagte er. Das Gericht wunderte sich: Genau an jenem Tag im Mai 2021 schoss er mit seinem Mobiltelefon ein Foto in einem Restaurant, darauf steht neben einem grossen Teller Pommes frites eine Flasche Thomy-Mayonnaise, dahinter ist ein Feldschlösschen-Bierdeckel zu sehen. Erklären konnte der Mann seinen kulinarischen Fauxpas nicht. Weitere auf den Mobiltelefonen gespeicherte Fotos zeigen andere Drogen, auch eine Pistole wurde abfotografiert. Beide Männer haben in den Niederlanden mehrere Vorstrafen, allerdings nicht wegen Drogendelikten.

Staatsanwältin fordert Haftstrafen

Einer der sichergestellten Chatverläufe gibt Aufschluss über den Einkaufspreis: Offenbar wurde für das Crystal Meth mit 28'800 Franken pro Kilo bezahlt. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Verkaufswert in der Schweiz auf 120 Franken pro Gramm und für die knapp zwei Kilo somit auf rund 237'000 Franken. Die Strafverfolger gehen aufgrund der Chatverläufe von mindestens fünf weiteren Kurierfahrten in die Schweiz aus, dabei ging es auch um Kokain und Ecstasy. Die Staatsanwältin forderte für beide Freiheitsstrafen von jeweils fünf Jahren und neun Monaten, dazu kommt ein Landesverweis von jeweils zehn Jahren.

Der 37-Jährige hatte zuletzt ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt am Hals, offenbar hatte ihn seine Freundin aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen. Der 31-Jährige wiederum sollte eigentlich zu Hause seine Frau pflegen, die an Multipler Sklerose und Diabetes leidet. Seine Einkommensverhältnisse sind unklar, dennoch wohnt er in einem kleinen Einfamilienhaus. Die fünf Richter fällen das Urteil am Mittwoch.

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