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Mit spitzer Feder kommentiert der Geistschreiber das Geschehen in der Region, im Land, ja auf der ganzen Welt.

Willi Näf
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Unschönes Ende: Der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu mit seiner Frau Elena.

Unschönes Ende: Der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu mit seiner Frau Elena.

Str / EPA ROMPRES

Den wenigsten Autokraten ist es vergönnt, die Umnutzung ihrer Paläste durch das Volk noch mitzuerleben. Nehmen wir Nicolae Ceaușescu, bis 1989 berufstätig als Diktator Rumäniens. Das Eigenheim mit 3000 Zimmern, das er sich für sein Volk bauen liess, bewohnte er nur kurz. An Heiligabend 1989 erwischte man ihn auf der Flucht, nördlich von Bukarest, draussen im Gjät. Die Gemütlichkeit bis zum Schnellgericht hielt sich in Grenzen. «Die Verräter kommen immer aus deiner Nähe, so ist das!», rief Elena Ceaușescu noch, bevor sie und ihr Göttergatte an der Rückwand eines Hauses von drei schlecht gelaunten Offizieren verabschiedet wurden. Selfies mit den Einschusslöchern kosten 15 Lei.

Auch Benito Mussolini wurde auf der Flucht von den Partisanen gefasst. Seine Leiche hängten sie kopfüber auf, wie er selber es im Vorjahr mit ihresgleichen gemacht hatte, an derselben Tankstelle bei der Piazzale Loreto in Mailand, wo heute ein McDonald’s steht. Und wer bei Adolf Hitler sinnieren möchte, wie man es am besten nicht macht, stellt sein Auto an der Berliner Gertrud-Kolmar-Strasse auf jenen Parkplatz, unter dem noch zwei drei gequetschte Moleküle von ihm liegen, vielleicht, mutmasslich.

An den goldenen Badezimmerspiegel des Autokraten gehört als Erinnerung an die Zukunft das Föteli des schlecht rasierten Saddam Giftgas Hussein in seinem Erdloch. Amnesty & Co. wehrten sich für seine Menschenrechte, aber seine Richter liessen so viel Gnade walten wie er selber einst als Kriegstreiber, also wenig. Er bat noch, «nicht wie ein einfacher Krimineller» erhängt, sondern erschossen zu werden. Ein Amateurvideo vom Galgen machte 2006 im Internet die Runde. Und das Ananasgesicht von Libyen? Die Rebellen zerrten Gaddafi 2011 auf der Flucht aus einer Kanalröhre. Die letzten Aufnahmen liessen erahnen, dass die Stunden zwischen Gefangennahme und Adieu nicht erfüllt waren von Heiterkeit.

Also, Herrscher, fürchte dich vor den Beherrschten. Und du, Lügner, vor den Belogenen. Wenn die Wahrheit dir um die Ohren fliegt und du deine eigenen Umgangsformen von einer andern Seite kennen lernst, verlierst du dein Gesicht mitsamt dem Botox. Und vergiss nie: Die Verräter kommen immer aus deiner Nähe, so ist das.

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